Full text: Das wirtschaftliche Gemüsehaus

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die Summen, die hier in Betracht kommen, sind so hoch, daß sie auf andere 
Weise kaum werden beschafft werden können. Da die öffentliche Hand 
überall dort zu helfen berufen ist, wo die privaten Kräfte versagen, so ist 
nicht abzusehen, warum sie hier nicht eingreifen sollte, zumal die erste 
Voraussetzung für solche Kreditgewährung, die absolute Sicherheit, hier 
voraussichtlich leichter wird nachgewiesen werden können, als in anderen 
Fällen, in denen solche Kredite bereits gewährt wurden. Die weiter unten 
näher erörterte Frage der Rentabilität wird übrigens auch dazu führen, daß 
Kredite aus privater Hand bereitgestellt werden. Außerdem dürfte, speziell 
bei den Kulturen unter Glas, die Kombination dieses Zweiges der Gärtnerei 
mit der Großindustrie die Beschaffung der zur Errichtung der Anlagen 
erforderlichen Mittel erleichtern. 
In jüngster Zeit ist übrigens bereits ein bescheidener Anfang zur Unter 
stützung der gärtnerischen Betriebe durch öffentliche Mittel gemacht worden. 
Durch das Gesetz über die Gewährung von Darlehen zur Hebung der land 
wirtschaftlichen Erzeugung vom 22. Juni 1926 ist aus den Überschüssen der 
Reichsgetreidestelle ein Betrag von rd. 3 Millionen Mark zur Förderung des 
Gartenbaues, in erster Linie zur Förderung des Frühgemüsebaues bereit- 
gestellt worden. Die Zinsen betragen einschließlich Unkosten etwa 4 %. Die 
Darlehen müssen bis zum 30. Juni 1931 zurückgezahlt sein. Die Tilgung hat 
aber schon 1927 zu beginnen. Die Darlehnsbeträge sind auf die einzelnen 
Erzeugerbezirke verteilt worden, und zwar wurden die Gegenden be 
sonders berücksichtigt, wo der Frühgemüsebau unter Glas schon eine gewisse 
Ausdehnung erreicht hat. Weiter unten ist berechnet worden, daß etwa 
103 Millionen Mark aufgewendet werden müßten, um die gegenwärtige 
Einfuhr von frühen Gurken und Tomaten im Inland unter Glas zu erzeugen. 
Um das Ziel zu erreichen, müßten also im Laufe der Zeit noch ganz erhebliche 
Mittel aus privater oder aus öffentlicher Hand für diesen Zweck auf gewendet 
werden. 
Freilandkulturen kommen zunächst in Betracht für die sechs Kohl 
arten mit 35 Millionen Einfuhrwert, von denen 25 Millionen auf den 
Blumenkohl entfallen. Der Anbau dieser Kohlarten hat schon in früheren 
Jahren in einzelnen Gegenden eine außerordentliche Ausdehnung erfahren 
(Schleswig-Holstein), und das Fehlen einer hinreichenden Absatz-Organi 
sation hat sich hier in ganz besonderem Maße störend bemerkbar gemacht. 
Bei der Erzeugung der vom Inland begehrten feinen Blumenkohlarten ist 
das Ausland im Vorteil. Hier wird zur erfolgreichen Bekämpfung der Ein 
fuhr die Mistbeet- und Glashauskultur herangezogen werden müssen. 
Besonders auffallend ist die Zwiebel-Einfuhr im Werte von 11 Millionen 
Mark. Es handelt sich hier nicht um ein Produkt, das frisch verzehrt werden 
müßte, sondern um ein solches, das längere Aufbewahrung ohne weiteres 
verträgt. Es dürfte ein Leichtes sein, Zwiebeln in solcher Qualität und 
Quantität in Freilandkulturen zu erzeugen, daß eine Einfuhr überhaupt 
nicht, jedenfalls aber nicht in einem Wert von 11 Millionen Mark erforderlich 
wird. (Zwiebelanbau in der Provinz Sachsen.) 
Bei grünen Bohnen spielt die Jahreszeit eine beträchtliche Rolle; 
ein großer Teil des Einfuhrwertes von 6 Millionen Mark wird sich bei rich 
tiger Leitung der Erzeugung im Inland gewinnen lassen, ein weiterer Teil 
als Nebenprodukt der Kulturen unter Glas, wo gerade diese Frucht besonders 
am Platze ist, insbesondere zur Befriedigung des Bedarfes in den frühen 
jah reszeiten. 
Ähnliches gilt für die Gruppe Salat, Spinat mit 10 Millionen Mark Einfuhr 
wert und die übrigen, in den Tabellen angeführten Gemüsearten 
fuhr zusammen nur einen Wert von etwa 4 Millionen Mark jährlich ausmacht. 
Auch die Gurken mit dem enormen Einfuhrwert von fast 43 Millionen 
und T omaten mit 21 Millionen derzeitigem Einfuhrwert können z. T. auf 
die Freilandkulturen verwiesen werden, doch kommen diese bei 
den Erzeugnisse vorwiegend für die Kulturen unter 
Glas in Betracht. 
Sonstige Maßregeln zur 
Förderung 
F reilandkulturen
	        

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