Full text: Das wirtschaftliche Gemüsehaus

die übrigen eingeführten Gemüsearten, wie grüne Erbsen, Spargel, Rhabar 
ber, Artischocken, Meerettich, Karotten sowie anderes Knollengemüse und 
sogenannte Küchenkräuter. Der Löwenanteil der Riesenein 
fuhr entfällt also auf Gurken, Kohl, Tomaten, Zwie 
beln, Salat und grüne Bohnen. 
Der Einfuhrwert für Gurken, der übrigens auch den Wert der eingeführten 
Melonen und Kürbisse in sich schließt, hat erst im Jahre 1925 eine solche 
enorme Höhe erreicht und ist namentlich gegenüber der Einfuhr von 1924 
sehr erheblich gestiegen; dies hängt u. a. auch damit zusammen, daß nach 
Auskunft des Statistischen Amtes erst in diesem Jahre die Einfuhr richtig 
erfaßt und der Wert der eingeführten Produkte zutreffend festgestellt 
werden konnte. 
Geht man den Gründen dieser Einfuhr nach, so ergibt sich, daß der ein 
heimische Gemüsebau bisher offenbar die fraglichen Gemüsearten in der 
selben Beschaffenheit, Gleichartigkeit und zu derselben Jahreszeit zu liefern 
nicht imstande war, wie der ausländische Gemüsebauer. Es mag zugegeben 
werden, daß die meisten der Einfuhrländer, wie Italien, Frankreich, Spanien, 
Niederlande, Belgien usw. (vgl. Tab. 2 bis 4), zufolge ihres günstigen Klimas 
in der Lage sind, die erwähnten Erzeugnisse frühzeitiger und in 
besserer Qualität auf den deutschen Markt zu bringen, als die 
auf Freilandkulturen angewiesenen inländischen Erzeuger. 
Bezüglich der Kulturen unter Glas besteht dagegen der Vorsprung 
der ausländischen Lieferanten überhaupt nicht, jedenfalls nicht in demselben 
Maße. Aber das günstige Klima ist es auch nicht allein: Es handelt sich bei 
den ausländischen Lieferanten meist um Gebiete, die den Gemüsebau und 
den Gemüseexport seit Jahrzehnten betreiben, die gelernt haben, sich den 
Wünschen ihrer Absatzgebiete nach jeder Richtung hin anzupassen, die es 
verstehen, große Mengen gleichartiger Ware in zweckmäßiger Verpackung 
rechtzeitig ihren Abnehmern, den deutschen Importeuren und Großhändlern, 
anzubieten und zu liefern. Im Inland dagegen beschränken sich die Erzeuger 
gebiete vorwiegend auf die Versorgung der lokalen Märkte. Die Erzeugung 
liegt zum größten Teil in der Hand kleiner und kleinster Betriebe, von denen 
jeder für sich allein außerstande ist, die Bedingungen für die regelmäßige 
Belieferung eines großen Absatzgebietes zu erfüllen. 
Mit der bisherigen Schilderung des auf dem Gebiete des Gemüsebaues und 
des Gemüseverbrauches in Deutschland bestehenden unbefriedigenden Zu 
standes sind auch schon zum Teil die Hilfsmittel angedeutet, die zu einer 
Besserung führen könnten. Hier seien zunächst diejenigen Voraussetzungen 
für eine freudige Entwicklung des Gemüsebaues angeführt, die von behörd 
lichem Eingreifen abhängig sind. 
Zurzeit ist bekanntlich die steuerliche Belastung eine außer 
ordentlich hohe, unter ihr leiden auch die hier in Frage kommenden Erwerbs 
gärtner und Gemüsezüchter. Da die im Ausland arbeitenden, mit ihnen 
konkurrierenden Fachgenossen gleich hohe Lasten nicht zu tragen haben, ist 
schon darin eine Erschwernis für die hier in Rede stehenden Bestrebungen 
zu erblicken. Eine fühlbare Erleichterung kann naturgemäß erst dann ein- 
treten, wenn die ganze deutsche Wirtschaft wieder besser in Gang gebracht 
ist, wenn die heute von dem sichtbarsten Steuerobjekt, dem Grund und 
Boden, zu tragende hohe Belastung von neu hinzutretenden Erwerbskreisen 
mit getragen werden kann, und wenn namentlich die Last selbst durch das 
Aufhören des an das Ausland zu bezahlenden Kriegstributes erleichtert wird. 
Von größter Bedeutung ist natürlich die Berücksichtigung der in dem 
fraglichen Wirtschaftszweig bestehenden Verhältnisse beim Abschluß der 
Handelsverträge. Gerade auf diesem Gebiet begünstigen die klimatischen 
Verhältnisse im höchsten Grad die konkurrierende ausländische Produktion, 
und die Einfuhrländer legen gerade auf den freien Eingang der in Rede 
stehenden Erzeugnisse einen ganz besonderen Wert, weil sie im Rahmen 
ihrer eigenen Erzeugung im Vordergrund stehen; trotzdem ist ein gewisser 
bescheidener Zollschutz in den abgeschlossenen Handelsverträgen erreicht 
Maßregeln zur Förde 
rung des Gemüsebaues 
Behördliche Maß 
regeln 
Steuerliche Be 
lastung 
Handelsverträge
	        

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