Full text: Die deutsche Heldensage

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 84 
Sicco, Strafe für seinen Betrug fürchtend, reizt jetzt die 
Hellespontier ihre Schwester Swawild zu rächen und ver 
kündigt dem Jarmerich, daß sie sich zum Kriege gegen ihn 
rüsten. Die Hellespontier aber, bei Gelegenheit einer Raubver- 
theilung, tödten selbst, eines angeschuldigten Diebstahls we 
gen, einen großen Theil ihrer. Leute. Sie halten 
sich nun für zu schwach gegen Jarmerichs feste Burg und fra 
gen deshalb eine Zauberin Gudrun um Rath. Sie macht 
durch ihre Künste, daß die Kämpfer Jarmerichs erblinden 
und gegen sich selbst die Waffen kehren. Jetzt dringen die 
Hellespontier ein, aber Othin kommt und vernicklet den Zauber, 
und weil sie von "Waffen nicht können verletzt werden, räth er 
den Dänen, sie mit Steinen todt zu werfen. Die Männer 
fallen nun auf beiden Seiten und Jarmerich wälzt sich mit 
abgehauenen Händen und Füßen unter den Todten. 
a) Unbekannt ist in der Sage, der deutschen sowohl als nor 
dischen, was Saxo von Jarmerichs d. h. Ermanrichs 
früherem Leben, seiner Gefangenschaft und Befreiung daraus 
erzählt. Nur seiner Schätze geschieht auch sonst (oben S. 17) 
Erwähnung. 
I>) Die Hellespontier sind Dänen von Hven *). Ihrer soll 
ten nach der schon theilweise (oben S. Z) beim Jornandes er 
örterten Sage nur drei seyn statt viere: Sörli, Hamdir und 
Erpur; ihre Stiefschwester Schwanhild ist noch deutlich in 
Saxos Swawilda. In der Edda ist sie die Tochter der 
Gudrun mit Sigurd, hier aber erscheint Gudrun nur als 
Zauberin, nicht als Mutter. Der Name des, hier wie dort, un- 
.r) ft schuldig angeklagten Sohnes Brod er stimmt weder zu dem 
'/vwuHV .nordischen Rand v er, noch zu dem deutschen Friedrich (oben 
S. 31); aber der des trügerischen Rathgebers Bieeo liegt 
dem nordischen Bicei näher, wovon jedoch Sibihbo die unent- 
stellte Form ist. Randver schickt seinem Vater vor seinem 
*»„■3 Ende noch einen federlosen Habicht, dieser versteht, wie bei 
, ^ Saxo, die Andeutung; aber der Befehl ihn vom Galgen weg- 
.aiMi— zunehmen, kommt zu spät; er ist schon todt. Saxo also, wenn 
er ihn noch zu rechter Zeit retten läßt und in der Art, wie das 
geschieht, erzählt eigenthümlich; echt ist aber dieser Zug kaum, 
da die Sage überall darauf hinweist, Ermanrich habe sein ei 
genes Geschlecht zu Grund gerichtet. Schwanhild wird von 
Pferden zertreten und Bieei läßt Decken über sie legen, 
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