Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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RECHT UND LINK 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
desniza üblicher als praviza, Südslaven hängen also dem alten aus- 
druck an, wie Italiener dem destro destra, Spanier dem diestro 
diestra *. 
Unter den ausdrücken unsrer spräche für link ist der älteste das 
goth. lileiduma und die linke hand oder seite (föra) heiszt hleidumei. 
ein ahd. hlitumo hlitamo ist unerhört, doch ich ahne Zusammenhang 
989 mit dem ahd. hlitä, mhd. lite, bair. leite, clivus, abhang, weil das ab 
schüssige zugleich das krumme ist und dem aufrechten, geraden ent 
gegen steht, es musz ein hieinan hlain hlinum recuhare gegeben ha 
ben, wovon goth. hlains collis und ahd. hlinen recumbere, gr. xh'veiv, 
lat. reclinare, der recumbens und reclinans ist gegensatz vom aufrech 
ten, und wir gelangen immer zur Vorstellung des obliquen und ge 
krümmten, die sich mit der des linken berührt, vielleicht darf das 
bair. hinterleitig in betracht kommen, das von einem nach norden 
oder im mittagschatten eines waldes liegenden feldstück gilt (Schm. 2, 
520.) da auch das altn. hlid latus montis, devexitas bedeutet und 
D behauptet, so mag ich das schwed. lätta sinistra manus, gotländi- 
sehe leta (Molbechs hist, tidsskr. 4, 215. Almqvist s. 438) nicht ver 
gleichen, deren T sich vielmehr zum bair. Schweiz, letz perversus obli- 
quus (Schm. 2, 530 Stald. 2, 167 Tobl. 296) halten läszt, welches 
schon im ahd. lezi lezi leizi (Graff 2, 316) erscheint. Nah aber dem 
hleiduma liegen ir. gal. clith, welsches cledd link, armor. kleiz 
und klei. 
Ungleich ausgebreiteter ist das ahd. alts. winistar und von der 
hand gebraucht winistrü, ags. vinstra, fern, vinstre, fries. winistere, 
altn. vinstri, schwed. vänster, dän. venster. dieser ausdruck herscht 
noch mhd. vor: winister Anno 821. winster Karajans denkm. 36, 10. 
En. 5212. Maria 163, 16. 194, 38. 208, 31. Er. 6704. Iw. 599. 
Parz. 9, 25. 295, 24. 304, 21. MS. 1, 157 a . Diut. 1, 228. Wi- 
gal. 2545. 6257 (var.) Helmbr. 61. 628. und im Barl., nicht bei 
Walter, Conrad noch im Renner, s. 306 nahm ich unmittelbare be- 
rührung zwischen winistar und lat. sinister, durch bloszen Wechsel des 
V und S an, auf jeden fall tragen beide die auch in aQiortQog vor 
brechende Superlativ- und comparativbildung ST und R zur schau. Da 
nun altn. vsenn pulcher, vaenstr pulcherrimus mit vinstri gemeinschaft 
haben können, wobei auch das superlativische alts. wänamo oder wa- 
namo (s. 653)? pulchre, wänami claritas, splendor anzuschlagen wäre; 
so ergäbe sich Verwandtschaft mit dem skr. väma, das zugleich sini 
ster und pulcher bedeutet, letzteres in Zusammensetzung mit Wörtern, 
990die ein glied des leibs ausdrücken (Bopps gloss. p. 316 a .) M er 
schiene in N geschwächt, die bedeutung aber wäre der schönen hand, 
welche wir vorhin für die rechte geltend machten. 
Lenkä laeva, sinistra (manus) bieten schon sehr alle ahd. glos- 
sen dar (Graff 2, 231), doch lange zeit überwog winisträ. mit der 
* für dexter haben die Finnen oikia, die Esten öige, die Lappen in Nor 
wegen olgisli, in Schweden älkes.
	        

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