Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
684 RECHT UND LINK 
stral von hintenher, also von nordwärts fahren solle, das heilige, gün 
stige Zeichen, wie jenes dt^iov /dibg tIquq. dies norden im hinter- 
grund würde ganz zur griechischen ansicht stimmen, dasz westen rechts, 
osten links gedacht werden müsse*. 
986 Aus dem slavischen und litthauischen Volksglauben läszt sich 
gewis manches zur bestätigung anführen, was ich nur nicht kenne. 
Wenn bei den Liefländern das geschlachtete opferthier auf die linke 
Seite fiel, war es Zeichen des zorns der gütter und bedeutete Unheil. 
So viel von anwendung der Vorstellung recht und link auf die 
himmelsgegenden; ich will nun die manigfachen ausdrücke unsrer spra 
chen erwägen, in denen für das rechte herscht unter allen urver 
wandten Völkern grosze einstimmung, für das linke desto gröszere Ver 
schiedenheit. überall aber ist der trieb wahrzunehmen, comparative 
und Superlative formen zu entfalten, wieder als positive zu setzen und 
von neuem zu steigern. 
Skr. daksa, daksina, gr. öt'^iog, St^irtQog, lat. dexter, dexterior, 
dextimus, sl. des’n”, serb. desni, littli. deszinis (aus deszine zu fol 
gern), ir. gal. deas, welsch de und dehevol, armor. dehou. ein golh. 
taihsvs zu entnehmen aus c in taihsvai’ Marc. 16, 5. Col. 3, 2, vom 
weiblichen noin. taihsva; gewöhnlich schwach masc. taihsva, ahd. ze- 
sawo, mhd. zesewe zeswe und zesme (ahd. zesamo, golh. taihsuma?), 
doch auch starkformig c diu zeswiu hant’ frauend. 487, 16. c min zes- 
wiu hant’ das. 27, 17. ags. nur ein einzigmal c on teso’ Caedm. 232, 
4. wiederum stark und zu nehmen wie bearo bearves, scado scad- 
ves. Gewöhnlich steht für die rechte hand das blosze adj. gr. degiu, 
d'e^ira^d, lat. dextera, litth. deszine, ir. gal. deas, golh. taihsvö gen. 
-öns, ahd. zesawä, mhd. zesewe. welsch sagt man deheulaw (von 
llaw, ir. lamh manus.) in der alts. nl. fries. und nord. mundart ist 
dies wort nicht zu spüren, wie es auch nhd. ausstarh, doch musz es 
die fränkische besessen haben, denn aus ihr scheint das franz. toise, 
mlat. tesia übrig, was ein masz wie dextrus ausdrückt**, der it. 
spräche verbleibt destro und destra, der span, diestro diestra, das 
altfranz. deslres destre ist erloschen gleich dem sl. des’n”, nur des- 
987 nitza boshija bleibt den Russen für gottes hand. Da de&og dexter 
deas zugleich fein, gewandl*** ausdrücken, so könnte ungewis blei 
ben, ob sie von der Vorstellung des sinnlichen rechten oder diese von 
jenen abzuleiten seien? mir scheint immer noch taihsvö der wurzel 
teihan nuntiare angehörig, weil sie weist und zeigt; ist das S einge 
schaltet wie in veihs vicus, wie in fuhs neben fohä? oder superlati 
vischer art, wie dexter = decister? welchem oben s. 593 testar aus 
Testarbant verglichen wurde, genau musz aber taihsvö geschrieben 
* heiszt es in einer predigt bei Griesh. 2, 116. 117: ze der gerehton ab- 
siton i. ad austrum, ze der linggon absiton i. ad acfuüonem, so scheint das un 
klare , gelehrte deutung. 
** über tesia und dextrus nachzusehn Gue'rards prolegomena zu den cartu- 
laires de France tom. 1. p. CLXX11I. 
*** behend, was aus dem adv. be hende, bei der hand, entsprungen ist.
	        

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