Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marb 
v. 
ACKERBAU. 
53 Allmälich beginnt das unruhige schweifen in friedliche nieder- 
lassung überzugehn und ein sattes lachendes grün der wiesen und 
weiden die breiten furchen in sich aufzunehmen, welche die 'goldne 
gäbe der göttin zieht: 
thaz fruma thie gibüra fuarßn in thia scüra. 0. II. 14, 108, 
wem die erdmutter gnädig ist, dessen acker trägt hundertfältige frucht 
(fruma), wem die flur versagt, von dem hat jene den blick abge 
wandt : 
ond 5 eldtv avzov rrjv äXwva zlrj/.irirrjQ. Babr. 11, 9*. 
zur erntezeit, sagt eine litthauische Überlieferung, hütet sich der Schnit 
ter die letzten bahne zu mähen, denn in ihnen soll die Rugia boba 
(kornmutter) wohnen, dasz er sie nicht schädige, wie das volk in 
Sachsen der guten frau, der frau Gode oder Harke einen hüschel 
ähren stehn liesz. die mutter war auf dem wagen, mit dem pflüg 
durch die fehler gezogen, und das liebe getraide ist ihr heilig, nvqbg 
(pi'Xrjg /Jij/u7]TQog. Babr. 131, 6. jener erntebrauch hiesz auch c eine 
54 scheune bauen’ (mythol. 1211), der acker steht unter gottes Ver 
schluss, wer auf dem fehle getraide stielt, von dem sagt Östgötalag 
s. 43: brytär guzs las (frangit dei seram) und noch heute drückt sich 
der gemeine mann in Schweden so aus. in Dänmark heiszt körn und 
getraide guds gave, wie bei uns gottes gäbe, gottes segen. Hat an 
haltende dürre die Auren ausgesogen, so rufen die ackerer, indem sie 
ein naktes Mädchen mit wasser besprengen, ersehnten regen herab 
(mythol. s. 560. 561.) 
Der ackerbau, ackergang (Conrads troj. kr. 9751) ist der men- 
schen und rinder werk, ßoiov, ut'dQiov Voya bezeichnet ackerland 
Od. 10, 98. uyQOvg lo/uty xui l'gy* uvdQ(öniov Od. 6, 259, tQyov 
* wo die götter auf der erde lagern, entsprieszen blumen und kräutcr, Deme 
ter hatte aber bei Iasion auf der dreibrache gelegen (fiiyr] cpilorr^xi xni evvrj rsuS 
evi TQtnohp. Od. 5, J °7J und dem acker dadurch höchste fruchtbarkeit verliehen.
	        

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