Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
s. 232 versuchte deutung von deba incendium, insofern deba, andeba aus lan- 
deva selandeva entstellt sein könnten; auf chreodiba (leicbbrand) wäre kein ein- 
flusz denkbar. 
Den namen malberg oder maliobergus erklärt Leo 2, 30 nach dem kelt. mol 
häufe, versamlung und beargnadh landessprache; wie aber auszuscklieszen wäre 
der örtliche begrif des gericbtsbergs oder luigels, wie das bekannte 'solem in 
mallobergo collocare’ zu verstehn, wie die in Deutschland verbreiteten Ortsnamen 
malberg, mahlberg (RA. s. 801)? mallus läszt sich doch aus goth. majd, ags. mä- 
del, ahd. madal forum leiten, mallare aus goth. majdjan. der titel 46 de adfa- 
thamire sagt (Waitz s. 256. Lasp. 116. 117): ante regem aut in mallo publico 
legitimo, hoc est in mallobergo ante theuda aut thunginum; für ante theuda ge 
ben andere hss. an theoda, immer bleibt der sinn: vor, bei dem volk. Lasp. 19 a , 
wo vom majalis votivus oder sacrivus die rede ist, steht die glosse 'barco ano- 
meo ani theotha’; wenn im ersten wort ags. bearh, ahd. paruc majalis unverkenn 
bar scheint, bessere ich das zweite in änomcn oder änoman, ags. änuinen, ahd. 
arnoinan elatus, sublatus, von äniman tollere, efferre, und jetzt erst empfangen 
die beiden letzten worte ihren sinn: der heilige eher wurde vor dem volk im ge- 
richt feierlich erhoben, umgetragen, umgeführt, wie uns noch ein weisthum 3,369 
erläutert: das goltferch musz durch die banke gehn; nach einem andern weis- 
tlium 3, 513 soll der frischling an einer seule gebunden stehn, vgl. mythol. s. 45. 
man lese also auch in dieser malb. glosse ana theuda 3 . Wie einfach gegen Leos 
(1, 89) keltisches anomeo anitheo tha: athems aufhörens zwei! da im gesetz 
nicht das geringste von einer zertheilung der achtzehnthalben soliden = 700 
denaren in l k und 2 h gesagt wird. 
Im titel de eo qui alterius campum araverit (Lasp. 77 a ) findet sich zu hor- 
tus die glosse ortopodun und ortobaum. orto steht nun leicht für hordo chordo, 
was dem ahd. karto und lat. hortus entspricht, wie auch der habicht ortfocal 
oder hortfocal heiszt, was gartvogel zu bedeuten scheint; wahrscheinlich sasz er 
im hof (gart, goth. gards) auf Stangen, bäum ist einerlei mit podun = bodum, 
badum, und zeigt dasz die Franken gleich den Scandinaven in diesem worte D, 
wie die Gothen G hatten, fränk. badum ist altn. badmr, goth. bagms, woneben 
schon bäum, wie ahd. poum, ags. beam galt, in gartbaum und baumgarte schei 
nen aber beide theile der Zusammensetzung den platz zu wechseln, wie in eidot- 
ter und dotterei, windsturm und Sturmwind (gramm. 2, 547.) sind diese deutun- 
gen richtig, so fällt Leos ansicht (2, 67), dasz podun dem kelt. bedheann oder559 
biann entspreche, woraus das lat. fuerit des textes übertragen sei. 
Dies führt mich auf den titel de servis vel mancipiis furatis (Lasp. 36. 37) 
wo die merkwürdigen, zum theil entstellten glossen : theos taxata, theu tha texaca, 
tbeu texaca, de taxaca, theuca texara, thenca texara, teoducco, teodocco. rich 
tig scheint mir blosz 'theu taxaca’ mancipii furtum, worin offenbar liegt theu ser- 
vus goth. {>ius ahd. dio oder theu ancilla goth. jnvi, ahd. diu. vielleicht wäre in 
theos der goth. gen. sg. masc. jnvis, in theuca der gen. sg. fern, wahrzunehmen, 
ich bestehe iycht darauf, erinnere aber daran, dasz man noch im tit. de raptu 
mul. (Lasp. 42) die glosse 'andra theo’ auf die worte des textes sponsam alie- 
nam beziehen und damit auszer dem acc. tlieo ancillam = virginem auch das 
adj. andra gewinnen könnte. Am schlusz des zehnten titels (Lasp. 37) hat Leo 
1, 146 treffend ein rechtssprichwort entdeckt, das ich nur etwas anders und nicht 
keltisch auslege, die malb. glosse lautet nemlich richtig gelesen: theutexaca is 
malatexaca, amba texaca, amba othonia, was vielleicht so zu fassen wäre: knechts- 
diebstal ist kuhdiebstal, gleicher diebstal, gleiche busze. mancipien werden auch 
sonst dem viel) gleichgestellt, mala war kuh (s. 550), auf deren entwendung 35 
sol. oder 1400 den. standen, welche summe gerade die theutexaca kostet, wäre 
theuca texaca wirklich servae furtum, so schickte sich die kuh hier noch eigent 
licher. das 'is’ belehrt uns über die fränkische gestalt der tertia sg. des sub 
stantiven verbums und stimmt zur alts., entfernt sich von der ahd. und goth. (oben 
s. 206.) mühe macht amba; ich halte dazu goth. ibns, ahd. epan, ags. efen, 
altn. iafn, schwed. jemn; wie aus stibna stimna stempna, aus hrafn schwed. rambn 
ward, neben gr. afifco lat. ambo sl. oba gilt, könnte sich eine fränkische form 
amba emba für ebna entfaltet haben, und auch ags. efen schwankt in emn, von
	        

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