Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
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GLAUBE 
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ein raum der bühne oder des thurrns eröfnet wird zur freien 
ausfahrt. 
Schon Tacitus thut bei den Germanen einiger Örter meldung, die 
bestimmten göttern geweiht waren, es ist schwer zu sagen, ob er 
sich darunter nur heilige haine oder bauten dachte, den Marsen, 
wahrscheinlich auch Chatten und Cheruskern zugleich gehörte das 
celeberrimum templum, quod Tanfanae vocabant, Tanfana brauchte keine 
göttin anzuzeigen, es könnte der hain, die aufgerichtete baumseule 
sein, unserer Irmansül vergleichbar*; ich werde jedoch späterhin eine 
andere deutung mittheilen, die mir vorzüglicher scheint, bei den Na- 
harvalen fand sich ein hain, wo man ein britderpaar, unter dem na- 
men Alx oder Alces verehrte, welchen ich mit alah, der benennung 
des heiligen waldes zusammenzustellen gesucht habe, merkwürdig ist 
mir, dasz Toxaris bei Lucian einer ehernen seule (axrjX^g /uXy.ijg) 
im skythischen 'ÖQtoxtiov gedenkt, das dem Orestes und Pylades ge 
weiht war, über deren cultus bei den Skythen auch sonst nachrichten 
vorhanden sind; doch heimische helden brüder und götter der Skythen 
wie der Germanen konnten Griechen und Römer auf Orestes und Py 
lades, Castor und Pollux deuten. Toxaris fügt hinzu: xal xovxof.iu 
enl xovxoig avxtov td't/utd'a, KoQaxovg xaXtio&ai • xovxo dt loxiv 
tv xfj rj[.ttxtQa cpwvfj äontQ uv el' xig Xiyoi tpiltot dal^iovtg. es 
ist verwegen diese xÖquxoi durch l^arugä, hörgar zu deuten und ihnen 
sogar die alces gleichzusetzen; freundschaftsgötter waren sie immer, 
wenn es auch nicht im namen lag, und das konnte der berichterstat- 
ter verwechseln. 
Im ganzen heidenthum treten trilogien der hauptgötter vor, die 
ich zur Übersicht aufslelle und nicht gleichgültig 
vierten und fünften Wochentag ordne: 
nach dem dritten. 
lat. Mars 
Mercurius 
Jupiter 
gr. !’Aqr\g 
‘EQ(.ii\g 
Ztvg 
kelt. Hesus 
Teutates 
Taranis 
ahd. Zio 
Wuotan 
Donar 
alln. Tyr 
Odinn 
Thorr 
sl. Svjatovit 
Radigast 
Perun 
litth. Pykullas 
Polrimpos 
Perkunas 
ind. Siva 
Brahma 
Vishnus 
einzelnes kann bestritten werden, es ist die kriegerische, schöpferische 
und donnernde (erdbefruchtende) gewalt; der naine schwankt aus einer 
reihe in die andere, wie wir es bei den metallen, thieren und fruch 
ten wahrgenommen haben, angenommen dasz Donar bei älteren deut 
schen Völkern Fairguneis hiesz, der erde sohn, wie Thorr ausdrücklich 
Fiörgyns sohn, so ergibt sich ein unmittelbares Verhältnis zwischen 
Fairguneis Perkunas Perun bei den Völkern, welchen silubr sidabras 
srebro, qairnüs girna zerna gemeinschaftlich war, aber bedeutend ver- 
* Wh. Engelb, Giefers hat das neulich in einer lesenswerthen abhandlung 
aufgestellt. 
**• -ev . v*. -W
	        

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