Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Da man nach dem 30jährigcn Kriege hier in Münden noch keine Buchdruckern 
und kein Localblatt hatte, so wurden die fürstlichen Verordnungen, so wie die städti 
sche» Bekanntmachungen und Verbote in der in dieser Zeit immer gefüllten St. 
Blasii-Kirche zur Kenntniß des Publikums gebracht und von den Predigern von der 
Kanzel abgelesen, wofür dieselben für jede Ablesung solcher Verordnungen aus dem 
städtischen Rathskeller 1 Kanne Wein erhielten. 
Im Jahr 1660 trat hier ein Franziskaner-Mönch aus dcm Kloster Hcrställe 
zum evangelischen Glauben über. In der Kirchenbibliothek befinden sich noch seine 
Breviariae Romanae vom Jahr .1660, darin steht geschrieben: „Anno 1660 den 20. 
Januar ist der Pater llphaus aus dem Kloster Herställe allhier nach Münden 
kommen und sich zu der evangelischen Lehre begeben, welcher dieses Buch dem Herrn 
Superintendenten Ehrn Berwardo Gesenio offerirt, der es zum Gedächtniß in 
die Kirche gelegt. Dieser Pater ist des Franziskaner-Ordens gewesen." 
Auf diese Weise ist dies Buch in die nachher von Weckenesen gestiftete 
Kirchenbibliothek gekommen und ist noch darin vorhanden. 
Am heiligen Christ-Abend 1707 ward unserer St. Blasii-Kirche ein eigenes 
Weihnachtsgeschenk. 
Schreiber dieses wird diesen Vorfall hier wörtlich mittheilen, wie er im städtischen 
Protokoll-Buche vom Jahr 1707 eingetragen ist. 
„Consul re^ens referiert, was gestalt am vergangenen Sonnabend Abend, als 
am Christ Abend bekanntermaßen ein kleines säugendes Kind, etwa nur ein paar Tage 
alt. in hiesiger Stadt-Kirchen St. Blasii, nach geendigter Beichte, von dem Herrn 
Superintendenten Hagemann in einem Stuhle be- der Kirchenthür liegend ge 
funden worden, welches eine höchst strafbare Sache und man billig fleißig nach 
zuforschen, ob man diejenige Person, so das Kind in die Kirche getragen, ausknnden 
könnte? — und wäre seine Meinung, daß man ein Stück Geld darauf zum rooom- 
pon8 setzte, und solches durch einen öffentlichen Anschlag kund machte; — wollte er 
also der Herren ihre Meinung darüber vernehmen. 
Die anwesenden Herren des Raths lassen sich solches gefallen und wird beliebt 
10 oder 12 »P darauf zu setzen, so Derjenige haben sollte, welcher die Person, so 
das Kind in die Kirche getragen, auskunden könnte und anzeigen würde, und wollte 
man zuvor mit dem Herrn Superintendenten conferiren, ob demselben beliebig, solches 
öffentlich von der Kanzel abzulesen, alsdann solches geschehen könnte; — wo nicht, 
müßte man solches durch einen öffentlichen Anschlag auf dem Rathhause und an den 
sogenannten Scharren kund machen. 
Nach der blutigen Erstürmung und Ruinirung unserer Stadt durch Tilly 
wurde hier in Münden der 3. Pfingsttag alljährlich hundert Jahre lang als ein 
großer trauriger Buß und Bettag gefeiert. 
Am 8. Juni 1726 ging deshalb an unsern Magistrat folgendes Rescript des 
königlichen Consistoriums ein: 
„Euch Bürgermeister und Rath ist vorhin bewußt, was Ihr wegen des von 
der Stadt Münden beim Tilly'schen Einfalle anno 1626 erlittenen Schadens am 
dritten Pfingsttage bisher jährlich gehaltenen Buß- und Bettages, an hiesige Ge 
heimen Räche Excellenz berichtet, wovon Jbr den Superintendenten auch mit Mehreren 
habt informiren zu lassen. Als nun vermeldete Herrn Geheime-Räthe Excellenz dicser- 
wegen an Uns rescribiret und dann mit Selbigen wir der Meinung sind, daß nun 
mchro, da ein ganzes Seculum verstrichen, der Bußtag eingestellet, und mit einem 
Dankfest beschlossen werde.
	        

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