Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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sehr kunstvoll verfertigte Filctdccke, als Geschenk für den Altar der benannten Kirche, 
überreichen ließ, welche Decke mit dem freundlichsten Danke angenommen wurde und 
sehr zum Schmuck des Altars beiträgt. 
Die Thurmuhr soll sehr gut und stark gearbeitet sein und es befindet sich auch 
daran ein Monat- und Datum-Zeiger. Sie ist jetzt schon über 100 Jahre alt und 
wurde im Jahr 1772 von dem damaligen geschickten Stadt-Uhrmacher Georg Chri 
stoph Schmidt verfertigt. Sie hat folgende Inschrift: 
Auspiciis Praenobilissimi Senatus 
Republicae Mündensis, Consulibus 
Dr. Ludw Borries Kicke et Dr Friedr. Heinr. Reuseb, Horologium hoc exstruxit 
Georg Christoph Schmidt. 
Anno Salutis 
MDCCLXXII 
Eine andere Metallplatte trägt die Inschrift: 
Frater Magistri collaboravit 
Von den Glocken auf dem Thurme ist die größte und älteste die sogenannte 
Feuerglocke, welche, wenn Feuer in der Stadt sichtbar ist, angeschlagen wird. 
Ihre Inschrift ist schwer zu entziffern und trägt die Jahreszahl 1281; sie 
gehört demnach zu den ältesten Läuteglocken die in hiesigen Gegenden erhalten sind. 
Die Zweite war noch älter, denn daran stand die Jahreszahl 1200. Sie 
hatte einen angenehmen Ton, aber zur Zeit der Befreiungskriege 1814 und 1810, 
hatte sie bei den vielen Freuden- und Siegesläuten einen Sprung erhalten. 1818 
ließ man den Riß aussägen, aber vergebens. 
Am 11. Juli 1853 wurde in' der Sitzung des Magistrats- und Bürgervor 
steher-Collegiums der Beschluß gefaßt, die Glocke umgießen zu lassen. Durch frei 
willige Beiträge kamen 68 «f 20 zusammen, das übrige Fehlende wollte die 
Cämmerei erstatten. 
Der Umguß wurde dem Glockengießer Schneider in Göttingen übertragen, 
welcher aber nick)t im geringsten zu unserer Zufriedenheit ausfiel. Die Glocke war 
schlecht und unrein gegossen und hatte einen unangenehmen Ton. Die Inschrift 
lautete: „Umgegossen im Jahr 1853 aus dem Metall der früheren, die Jahreszahl 
1200 tragenden Betglocke für die St. Blasti-Kirche der Stadt Münden." 
„Von G. Schneider, Glockengießer-Meister in Göttingen." 
Die Bemerkung des Glockengießers als Meister wurde allgemein als eine Un 
wahrheit anerkannt. 
Da sie nun schon früh einen Riß bekam, so erhielt Schreiber dieses nach dem 
Tode seines Freundes Heinrich LamSbach, welcher in Leipzig am 15. Januar 1871 
erfolgte, unterm 8. März von dessen Schwester Do rette, verwittwete Hering, 
geborne Lamsba ch, von Leipzig, aus dem Nachlasse des verstorbenen Bruders 200 «P 
nebst einem freundlichen Schreiben: 
„Dafür zu sorgen, daß für eine beste Herstellung der Glocke, deren Schall 
für unsere Familie, und für kommende Glieder unserer Familie, einen besondern Ruf 
zur Andacht und Nachfolge in den Fußstapfen meines guten seligen Bruders, so Gott 
will, haben wird, alles aufgeboten werde." 
Im Kirchenvorstande wurde nun eine Commission zur Besorgung dieses Um 
gusses gewählt, und von den empfohlenen Glockengießern wählte man die Gebrüder 
Ullrich in Apolda. Da nun aber der Umguß über 300 «f kam, so wurde 
dies Fehlende von der Schwester des verstorbenen Herrn Heinrich Lamsbach auch 
noch ersetzt. 
So ist denn diese Glocke unter unsern drei großen Thurmglockcn die mittelste. 
Auf der Nordscite liest man: „Zur Erinnerung an Heinrich Lamsbach aus 
Münden." — Auf der Südseite: „Heil und Segen über Münden." — Oben um
	        

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