Full text: Die Sternwarten Kassels in hessischer Zeit

Gebäude in dieser letzlich durch das Vorbild von Elias Holls Augs- 
burger Rathaus geadelten Form stand, ist ungewiß, da man auch hier 
wie beim Zwehrenturm zwischen Umbau und Benutzungsabschluß un- 
terscheiden muß. Aber als v. Mayr (kurz vor seinem 1 776 erfolgten 
Tode) Tischbeins Zeichnung vom Aue-Bassin mit dem 1 775 errich- 
teten Pavillon stach (Tafel 234,2 ; Text 361),39) war der Umbau be- 
reits vollzogen. Wenig früher, 1 768, hatte Bernoulli (Lettres 38) noch 
das nutzlose Leerstehen des Observatoriums beklagt.40) Um so leb- 
hafter sollte es freilich in den nächsten kurzen Jahren darin zugehen . . 
Doch verweilen wir noch einen Augenblick bei der Gestalt von 1714. 
Das Museum besitzt nämlich, um die Form dieses Hauses mit Mittel- 
kuppel und Dachaltanen zu veranschaulichen, noch ein Mittel, das bis- 
her allzusehr hat zurückstehenn müssen: das sind zwei Kleinmodelle 
der astronomisch-physikalischen Sammlung, die als Hygrometerge- 
häuse ausgebaut sind. Das eine von ihnen, ein achteckiger, überkup- 
pelter Monopteros, auf den Hygrometerkreuzschenkeln mit holzge- 
schnitzten Figürchen der vier Jahreszeiten besetzt, ist freilich in seiner 
Plumpheit wenig geeignet, ein gutes Bild zu vermitteln. Aber das 
andere, das hier in Abb. 6 gezeigt wird, zeigt die ganze Reinlichkeit 
und Sicherheit der holländisch-hugenottischen Bauschule. Es ist ein 
quadratischer Tempel mit vierseitig ansteigendem, S-förmig geschwun- 
genem und quadratisch abgeplatteten Dach, auf dem ein Achtecksdom 
mit Faltkuppel steht, dem in der Längsachse des Gebäudes breite, bis 
an die hochgeführten Giebelkämme der Frontseiten geführte Altanen 
vorgelagert sind. Die Nebenseiten sind hier nicht überbrückt, sondern 
mit je zwei Dachluken besetzt, deren Form denjenigen in Paul du Rys 
Entwurf für Weißenstein entspricht.41) Das Häuslein, vielleicht von 
Joh. Christ. Böttger (Strieder I 490) gearbeitet, kommt in der 
Beschränkung auf zwei Altanen dem Kunsthausobservatorium, in dem 
laternenlosen Türmchen dem Oberneustädter Observatorium näher.Für 
beide gewährt es die anschaulichste Vorstellung. Daß aber selbst dem 
24
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.