Full text: Einwohnerbuch Stadt und Landkreis Kassel (Jg. 103.1939)

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Bestattungswesen 
1. Teil 
Bestattungswesen 
Städtisches Bestattungsamt: Rathaus, Zimmer 10 352 51 
Dienststunden: Von 8—%l und von 3—^5 Uhr. An Feiertagen, die nicht auf einen Sonntag fallen, von 9—10 Uhr. 
Sonntag geschlossen 
a) Beerdigung 
Was hat bei Eintritt eines Sterbefalles seitens der Hinterbliebenen 
zu geschehen? 
Er st er Gang: Zum B e st a t t u n g s a m t, das die Zeit 
und Stunde der Bestattung nach Vereinbarung mit dem zuständigen 
Pfarrer festsetzt. Hierbei zugleich: Anmeldung desSterbe- 
f a l l e s durch Vorlage des vom Arzt ausgestellten Totenscheines 
beim Standesamt zur Beurkundung. Anzeigepflichtig ist 
das Familienhaupt oder der Wohnungsinhaber. Weise Dich über 
deine eigene Person durch Urkunde aus und lege Personenstands 
urkunden des Verstorbenen vor (Geburtsurkunde, Eheschließungs 
bescheinigung, Taufschein, Familienbuch). Das Standesamt stellt 
eine Sterbeurkunde in mehrfacher Ausfertigung für Kirche, 
Krankenkasse, Lebensversicherung usw. auf Antrag aus. 
ZweiterGang: Zum Sarglieferanten zwecks Beschaffung 
des Sarges. 
Dritter Gang: Zur Friedhofsverwaltung für den Fall, 
daß der Erwerb eines Familienplatzes beabsichtigt wird. 
Auf Grund der §8 13 u. 61 der Städteordnung für die Provinz 
Hessen-Nassau vom 4. August 1897 ist nachstehendes Ortsstatut 
erlassen: 
8 i. 
Das Bestattungswesen im Stadtbezirk wird ausschließlich durch 
das Städtische Bestattungsamt versehen. Ausgenommen sind die 
Sterbefälle der Angehörigen der Reichswehr und der Synagogen 
gemeinde, sowie die gerichtlichen und polizeilichen Befugnisse. 
Sonstige Ausnahmen im Einzelfall bedürfen der Zustimmung des 
Bestattungsamtes. 
8 2. 
Das Bestattungsamt umfaßt: 
1. die Einsargung, Überführung und Bestattung der Leichen; 
2. die Verwaltung der städtischen Bestattungseinrichtungen; 
3. die Wahrnehmung der Rechte und Pflichten der Stadt bei den 
kirchlichen Bestattungseinrichtungen. 
8 3. 
Jeder Sterbefall im Stadtbezirk, der nicht unter § 1 Satz 2 
fällt, ist bis zum Ablauf des nächsten Tages dem Bestattungsamt 
anzuzeigen. Jur Anzeige verpflichtet ist das Familienhaupt, bei 
dessen Fehlen oder Verhinderung der zur Verfügung über den 
Sterberaum berechtigte. 
8 4- 
Für jeden Sterbefall ist eine Gebühr nach besonderer Ordnung 
zu entrichten. 
Rach den Bestimmungen über die Benutzung der städtischen 
Leichenhallen auf den Friedhöfen ist das Offnen der Särge daselbst 
nur nach Einholung einer besonderen Erlaubnis und Zahlung einer 
Gebühr von 3 RM. gestattet. 
d) Feuerbestattung 
Das Reichsgesetz schreibt vor, daß die Feuerbestattung der Erd- 
bestattung grundsätzlich gleichgestellt ist; sie unterliegt den durch die 
Sicherheit der Rechtspflege gebotenen Einschränkungen. Die Be 
stattungsart richtet sich nach dem Willen des Verstorbenen. Die 
Willensbekundung kann durch eine letztwillige Verfügung oder durch 
mündliche Erklärung vor einer zur Führung eines öffentlichen 
Siegels berechtigten Urkundsperson erfolgen; sie kann beim städtischen 
Bestattungsamt durch einen Beamten entgegengenommen und auf 
Wunsch verwahrt werden, sodaß sie beim Eintritt des Sterbefalles 
sogleich zur Stelle ist. 
Liegt eine Willensbekundung des Verstorbenen über die Be 
stattungsart nicht vor, so haben die Angehörigen, soweit sie ge 
schäftsfähig sind, diese zu bestimmen. Das Bestattungsamt ver 
anlaßt im Todesfälle alles weiter erforderliche, auch die gesetzlich 
vorgeschriebene Bescheinigung des Amtsarztes. Bei auswärtigen 
Sterbefällen empfiehlt es sich, möglichst unverzüglich durch 
Fernsprecher (Rathaus) mit dem Bestattungsamt in Verbindung 
zu treten, das auch hier das Notwendige veranlaßt. 
Für die Einäscherung gelten die nachstehenden Bestimmungen: 
Allgemeine Bestimmung 
8 i. 
Anträge auf Feuerbestattung sind mündlich an das Städtische 
Bestattungsamt, Rathaus, zu richten. 
Beschaffenheit der Särge und Einsargung der Leichen 
8 2. 
Die Leichen sind in dem Sarge einzuäschern, in dem sie zur 
Einäscherungsanlage gelangen. Die Särge müssen aus dünnem 
Holz, nicht über 20 mm stark, oder aus Zinkblech, nicht über 1 mm 
stark, gefertigt werden. 
Die Fugen der Holzsärge sind mit Schellack, Leim, Kitt oder 
ähnlichen Stoffen zu schließen. Eisen- oder Bronzeteile dürfen 
weder zur Verbindung, noch zur Verzierung an den Särgen ange- 
bracht werden. Holzsärge sind durch Holzzapfen, Metallsärge durch 
Löten zu verschließen. Die Särge dürfen, den Einäscherungsein. 
richtungen entsprechend, folgende Ausmaße nicht überschreiten: 
Länge 2,05 m, Breite 0,72 m einschließlich Fuß, Höhe 0,73 m. 
AIs Unterlage für die Leiche sowie zum Stopfen etwa in den 
Sarg hineinzulegender Kissen sind Säge- oder Hobelspäne, Holz- 
wolle oder Torfmull zu verwenden. 
Die Auskleidung des Sarges sowie die Bekleidung der Leiche 
kann in der üblichen Weise erfolgen, doch sind zur Befestigung der 
Auskleidung Metallstifte, und zur Schließung der Kleidung Nadeln, 
Haken und Ösen unzulässig, dagegen einfache umsponnene Knöpfe 
gestattet. Die Kontrolle hinsichtlich der Beschaffenheit und des 
Inhalts der Särge muß dort bewirkt werden, wo die Einsargung 
stattfindet. Sie ist entweder durch den zuständigen beamteten 
Arzt oder durch einen amtlich bestellten Leichenbeschauer vorzu 
nehmen. 
Von auswärts durch Wagen oder Eisenbahn zum Zwecke der 
Feuerbestattung hierher verbrachte Leichen müssen so eingesargt 
sein, daß der zur Einäscherung bestimmte Sarg den vorstehenden 
Bestimmungen entspricht und daß er ohne weiteres dem Übcr- 
führungssarg oder der llberkiste entnommen werden kann. 
Die Aüsführungssärge und überlisten stehen bis 8 Tage nach der 
Einäscherung der Leiche gegen Empfangsbescheinigung zur Ber> 
fügung desjenigen, der die Überführung bewirkt hat. Sie gehen, 
falls sie während dieser Frist nicht abgeholt werden, in das Eigen 
tum der Stadt Kassel über, die zwecks anderweitiger Verwendung 
oder Vernichtung derselben verfügt. 
Die Verwendung sogenannter Über- oder Prunksärge bei der 
Trauerfeier ist nicht zulässig. 
Einäscherung der Leichen 
8 3. 
In der Einäscherungskammer darf jeweilig nur eine Leiche ein 
geäschert werden; an dem Sarge ist vor dessen Einbringung in die 
Einäscheruvgskammer ein durch die Hitze nicht zerstörbares Schild 
aus genügend starkem feuerfesten Ton anzubringen, auf welchem 
die Nummer des Einäscherungsregisters deutlich eingeschlagen sein 
muß. Die Beobachtung der Einäscherung selbst ist dem Publikum 
und auch den Angehörigen des zu Bestattenden nicht erlaubt. 
In einzelnen Fällen, namentlich aus wissenschaftlichen oder 
fachmännischem Interesse können Ausnahmen zugelassen werden- 
Zwei von den Hinterbliebenen bezeichneten Personen ist es gestattet, 
bei Einführung des Sarges in den Ofen zugegen zu sein.
	        

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