Full text: Einwohnerbuch der Stadt Kassel und des Landkreises Kassel mit 40 Ortschaften (Jg. 101.1937)

Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte 
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Staates ein Museum zu schaffen, in dem die Erinnerungsstücke 
aller Art an die ruhmreichen kurhessischen Truppenteile in 
Kriegs- und Friedenszeiten gesammelt und aufbewahrt werden 
sollten. Ihrer zähen, ja fanatischen Arbeit gelang es, daß im 
Sommer 1935 die Sammlungen bereits eine übersichtliche Ab 
rundung erfahren hatten und im Roten Schloß am Friedrichs 
platz als „Kurhessisches Heeresmuseum" dem öffentlichen Be 
such übergeben werden konnten. Das Museum gibt in seiner 
reichhaltigen Uniformsammlung einen Überblick über die Be 
kleidung und Ausrüstung althessischer Truppenteile wie auch 
fast vollzählig der Porkriegs- und Kriegsformationen des ehe 
maligen XI. Armeekorps kurhessischer Standorte, bezw. kur 
hessischer Tradition. Fast vollzählig sind auch die Sammlung 
der Handfeuerwaffen, angefangen beim Steinschloßgewchr des 
siebenjährigen Krieges bis zum modernen Mehrlader, und die 
der blanken Waffen. Aus der Fülle der Schaustücke sei weiter 
hin genannt: Wertvollste militärische Urkunden aller Zeiten, 
die Sammlung der Beutestücke aus dem Weltkrieg, die Ordens 
sammlung, die zahlreichen Originalgranaten und optisches 
Heeresgerät. Einzig in ihrer Art ist die im Kellergeschoß 
untergebrachte Schützengrabenanlage in natürlichen Maßen. 
Sie vermittelt ein eindrucksvolles Bild aus dem größten aller 
Kriege. Von Beobachtungsstellen sieht man in von Künstler 
hand geschaffenen Halbrundbildern die Darstellung einzelner 
Gefechtshandlungen unserer tapferen kurhess. Regimenter. 
Das Kurhessische Heeresmuseum wendet sich insbesondere an 
die Jugend, die sich hier an den Leistungen und den Er 
innerungsstücken ihrer Väter aufrichten kann, und» ist dem 
hohen Lied vom deutschen Soldatentum geweiht. 
c) Städtisches Naturkunde-Museum, Steinweg 2 
j_< Raths. [352 11]. Bis 1. 4. 1928 staatlich, im Jahre 1929 
von der Stadt übernommen, umgebaut und neu geordnet. 
Dezernent: Stadtrat Dr. Heilig 
Das 1696 unter Landgraf Earl an Stelle des hier 1606 er 
richteten ersten deutschen festen Theaters erbaute Kunsthaus 
am Steinweg vereinigt heute als Naturkundemuseum zoolo 
gische, botanische, geologische und mineralogische Sammlungen. 
Es findet sich historisch interessantes Material an Präparaten 
des 17. und 18. Jahrhunderts vor. Hervorzuheben sind eine 
wertvolle Vogelsammlung, eine neugeordnete Schmetterlings- 
sammlung, die umfangreichen mineralogischen und technolo 
gischen Abteilungen sowie die botanische Sammlung mit einem 
der ältesten deutschen Herbarien von Ratzenberger aus dem 
Jahre 1560 und 1592. Zu den Beständen gehört der Elefanten 
schädel, an dem Goethe seine grundlegenden Untersuchungen, 
die ihn zur Entdeckung des Zwischenkiefers beim Menschen 
führten, machte. Auch andere Säugerschädel aus jener Zeit 
zeugen von den anatomischen Untersuchungen des großen 
Dichters. 
In der mineralogischen Abteilung befindet sich die Leon- 
hard'sche Sammlung, die Goethe ebenfalls eifrig benutzte. Die 
Stücke tragen die Originalbezeichnungen. 
Im Dachgeschoß befindet sich die sog. Anatomie, in der 
Goethe 1783 mit Sömmering Versuche an einem Luftballon 
anstellte. 
Besichtigungszeiten des Naturkunde-Museums: Im Sommer 
an Wochentagen 9—13 Uhr (ausschl. Montag), 15—18 Uhr 
(ausschl. Montag und Sonnabend); im Winter: Dienstag bis 
Freitag 9—15 Uhr, Sonnabend 9—13 Uhr. Sonntags: Sommer 
wie Winter 10—13 Uhr. Eintritt frei. Führungen nur nach 
vorheriger Anmeldung. 
«l) A r ch i t e k t u r - M u s e u m im M a r st a I l g c b ä u d e. 
Das Marstallgebäude, 1591 durch Landgraf Wilhelm IV. an 
Stelle des aus dem Jahre 1510 stammenden von Boyneburg- 
schen Hofes begonnen und 1592—93 unter Landgraf Moritz 
vollendet, beherbergte neben Ställen und Reithalle, Rüst-, 
Sattel- und Waffenkammern eine Kunstkammer, die alte 
Münze, eine Kalendariensammlung, Gemälde, wertvolle 
Möbel, eine Erfindungskammer und die Bibliothek. — 
Heute sind in den dreiteiligen gewölbten Säulenhallen im 
Erdgeschoß des um einen rechteckigen geschlossenen Hof 
gruppierten zweigeschossigen Vierflügelbaues (mit seinen 
charakteristischen Giebeln) in übersichtlicher Anordnung 
künstlerische hochwertige Grabdenkmäler aufgestellt, vornehm 
lich Arbeiten hessischer Künstler und Handwerker aus den Zei 
ten der Renaissance und des Barock, darunter Arbeiten von 
Rahl und du Ry. Reben Leihgaben aus staatlichen Samm- 
langen handelt es sich in der Hauptsache um die steinernen 
Zeugen vergangener Zeiten, die seit Jahrhunderten auf 
dem Friedhof der Lutherkirche gestanden haben. Die im 
Werden begriffene Sammlung soll zu einem echten Heimat- 
Museum heranwachsen, das die Vergangenheit und das 
Werden der Stadt, die Tätigkeit und die besten Werke 
Kasseler Handwerker unb Künstler zeigt. Leider zwingt die 
Finanzlage, diese Pläne, wie z. B. die Einrichtung der 
Zunftstuben, der Künstlerzimmcr, des Denkmäler-Archivs, 
vorerst zurückzustellen. 
e) D e u t s ch e s T a p e t e n m u s e u m im ehemaligen Schloß 
am Friedrichsplatz. Das Deutsche Tapetenmuseum ist ge- 
gründet von der deutschen Tapetenindustrie unter Führung 
von Geheim rat Iven und steht unter Leitung von 
Direktor Heinrich A p c l l. Dasselbe befindet sich in 30 
Räumen des Residenzschlosses und zeigt die Entwicklungs- 
geschichte der Tapete von 1650—1900. Es birgt in seinen 
Räumen handgearbeitete Ledertapeten des 17. u. 18. Jahr- 
Hunderts aus der Moritzburg bei Dresden, Schloß Heydau bei 
Kassel und aus verschiedenen süddeutschen Schlössern und 
Festsälen, Wachstuchtapeten aus Schloß Wilhelmstal und alten 
Patrizierhäusern, teils mit Scenerien der griechischen Mytho 
logie, große Handdruck-Papiertapcten, ebenfalls mit Scenerien 
der griechischen Mythologie und Moliöres Lustspielen, figür- 
lichen Darstellungen und mit Landschaften, unter anderen 
solche von W. Sattler, Schweinfurt, dem Erfinder des Schwein- 
furter Grün. Große Dcckenroscttcn bis 5 Meter Durchmesser 
und architektonische Stücke aus dem Anfang des vorigen 
Jahrhunderts, sowie Friese und Handdruck-Supraporte im 
antiken Stil. Besonderes Interesse erregen die asiatischen 
Abteilungen mit ihren Kakemonos, Makimonos, Aquarell 
malereien und den Bastfasertapcten der Eüdsee-Insulancr 
(Fidschi Samoa, Tonga, Reu-Guinea). Eine Orginal-Hand- 
druckkammer und eine Tapetendruckmaschine ermöglichen, 
den Besuchern beide Drucke zu veranschaulichen. Das Deutsche 
Tapetenmuseum ist das einzige der Welt. 
Besichtigungszeiten: Montag Freitag von 9—16, Sonn 
abend von 9—13, Sonntag von 10—13 Uhr. j-< 1485 [214 85]. 
Kunstverein zu Kassel E. V. Wechselnde Ausstellung von Werken 
zeitgenössischer Kunst im Städt. Kunsthaus, Ständeplatz 16J$. 
Besuchszeiten: Im Sommer: werktags 9—1 und 3—5 Uhr, 
Sonnabends 9—1, Sonntags 11—1 Uhr; im Winter: werktags 
9—3, Sonnabends 9—1, Sonntags 11—1 Uhr. 
Mollenhauer-Sammlung. Ausstellung alter sowie neuzeitlicher 
Musikinstrumente. Wilhelmshöher Allee 87 Seitengebäude I. 
Täglich von 8—18 Uhr geöffnet. Die Besuche sind kostenlos. 
Bibliotheken 
a) Landesbibliothek, Friedrichsplatz 18 (ehemals Mu 
seum Fridericianum). Direktor: Dr. Hopf. Bibliotheksräte: 
Dr. Israel, Dr. Grothe. — Geöffnet (Lesesaal [rund 350 Zeit- 
schriften], Bücherausgabe und Katalogzimmer) werktäglich 
9—13 Uhr und (außer Sonnabend) 16—19 Uhr. Ausleihezeit: 
4 Wochen. — Besichtigung der Ausstellung seltener 
Handschriften u n d D r u ck e : Montag u. Donnerstag 
11—12)4 Uhr unentgeltlich: sonst gegen Eintrittsgeld 
b) Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 
Weinbergstraße 6. öffentliche wissenschaftliche Bibliothek. 
Öffnungszeit wochentäglich: 9—13 und 16—19 Uhr. Sonn 
abend nachmittag geschlossen. Direktor: Dr. Haarmann. 
c) Kupferstichkabinett und Kunstbibliothek 
Adolf-Hitler-Platz 6 !-« 340 51. Direktor: Prof. Dr. Kurt 
Luthmer. 
Kunstbibliothek und Kupferstichkabinett wurden 1930 zur 
Erinnerung an das 350jährige Bestehen der Kasseler Kunst- 
sammlungen durch Zusammenlegung mehrerer kleinerer 
Büchereien und Blattsommlungen öffentlicher Kunstinstitute 
gegründet und in dem vom preußischen Staatsministeriuin 
hierfür zur Verfügung gestellten monumentalen Wilhelms- 
höher Torbau vor dem Landesmuseum untergebracht. Die 
Bibliothek umfaßt etwa 20 000 Bände, etwa ebensoviel 
Kupferstiche und Handzeichnungen, viele Tausend Blatt 
Photographien und Vorlagen. Im gleichen Bau ist die Ge- 
werbehalle untergebracht mit einer der wenigen vollständigen 
Sammlungen von Patentschriften (rund 700 000 Stück). — 
Öffnungszeiten: Im Winter: Mittwoch u. Sonnabend 11—13 
und 16—21, Sonntags 11—13 Uhr; im Sommer: Wochentags 
von 11—13, Mittwoch und Sonnabend nachm, von 16—21, 
Sonntags 11—13 Uhr.
        

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