Full text: Einwohnerbuch der Stadt Kassel und des Landkreises Kassel mit 47 Ortschaften (Jg. 100.1936)

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Städtische indirekte Steuern 
1. Teil 
Städtische indirekte Steuern 
Verwaltung: Stadt-Steueramt 
Geschäftsstelle: Rathaus #-*> Rathaus-Bermittlung. 
1. Biersteuer 
Der örtliche Verbrauch des im Gemeiudebezirk hergestell 
ten und des in den Gemeindebezirk eingeführten Bieres ist bei 
dem Stadtsteueramt, Rathaus, Erdgeschoß, Zimmer 65 (Eingang 
Fünffknsterstraße), zur Versteuerung anzumelden. Die Anmeldung 
hat seitens der Hersteller und Einführer, die das Bier gewerbs 
mäßig in Verkehr bringen, bis zum 10. Tage des auf den Kalender 
monat, in dem das Bier steuerpflichtig geworden ist, folgenden 
Monats zu erfolgen. Die Anmeldung der übrigen von auswärts 
eingeführten steuerpflichtigen Biere ist binnen 8 Tagen nach der 
Einfuhr zu bewirken. Die Zahlung der Steuer hat gleichzeitig an 
die Steuerkasse, Rathaus, zu erfolgen. 
Die Steuer beträgt bei: 
Einfachbier 3,—, Schankbier 4,50, Vollbier 6,—, Starkbier 9,— RM. 
für je ein Hektoliter. 
2. Getränkesteuer 
Die entgeltliche Abgabe von Wein, weinähnlichen und wein 
haltigen Getränken, Schaumwein, schaumweinähnlichen Getränken, 
Trinkbranntwein, Mineralwässern, künstlich bereiteten Getränken 
sowie Kakao, Kaffee, Tee und anderen Auszügen aus pflanz 
lichen Stoffen zum Verzehr au Ort und Stelle, insbesondere in 
Gast- und Schankwirtschaften und sonstigen Stätten, wo der 
artige Getränke entgeltlich verabfolgt werden, unterliegt einer 
Steuer. Diese beträgt 10 Prozent des Entgelts. Der Steuer 
pflichtige hat bis zum 10. Tage eines jeden Monats die Getränke, 
für die im vergangenen Monat eine Steuerschuld entstanden ist, 
bei der Stadtsteuerkasse, Rathaus, nach Art, Menge und Klein 
handelspreisen anzumelden und die Steuer dafür gleichzeitig zu 
entrichten. 
3. Wertzuwachssteuer 
Bei Verkauf von Grundstücken, deren Erwerb in der Zeit nach 
dem 31. Dezember 1918 erfolgt ist, wird eine Wertzuwachssteuer 
erhoben. 
Die Steuer beträgt 10% des Wertzuwachses bei einer Wert 
steigerung bis einschließlich 30 v. H. des Erwerbspreises zuzüglich 
der Anrechnungen 
11 v. H. bei 
einer Wertsteigerung von 30 bis ausfchl. 55 v. H. 
12 v. H. „ 
„ 55 „ 
„ 
80 v. H. 
13 v. H. „ 
„ „ 
„ 80 „ 
„ 
105 v. H. 
14 v.H- „ 
„ „ 
„ 105 „ 
„ 
125 v. H. 
15 v. H. „ 
„ 125 „ 
„ 
145 v. H. 
16 v. H. „ 
145 „ 
„ 
165 v. H. 
17v.H. „ 
,, „ 
„ 165 „ 
„ 
180 v. H- 
18V.H. „ 
„ 180 „ 
„ 
190 v. H. 
19v.H. „ 
„ 190 „ 
„ 
200 v. H. 
20 v. H. „ 
„ „ 
„ 200 „ 
210 v. H. 
21 v. H. „ 
„ 210 „ 
220 v. H. 
22 v. H. „ 
„ 220 „ 
„ 
230 v. H. 
23 v. H. „ 
„ 230 „ 
„ 
240 v. H. 
24 v. H. „ 
„ „ 
„ 240 „ 
„ 
250 v. H. 
25 v. H. „ 
„ „ 
„ 250 „ 
„ 
260 v. H. 
26 v. H. „ 
„ „ 
„ 260 „ 
„ 
270 v. H. 
27 v. H- ,, 
„ 270 „ 
„ 
280 v. H. 
28 v. H. „ 
„ 280 „ 
„ 
290 v. H. 
29 v. H- n 
„ 290 „ 
„ 
300 v. H. 
30 v. H. „ 
„ „ 
„ 300 v. H. 
und 
mehr. 
Die nach Abs. 2 sich ergebende Steuer erhöht sich bei einem 
zwischen dem Erwerbe und der steuerpflichtigen Veräußerung 
liegenden Zeitraum 
bis zu 1 Jahr um 30 v. H 
„ „ 2 Jahren „ 25 v. H 
„ „ 3 „ „ 20 v. H 
„ ,, 4 „ „ 15 v. H 
„ „ 5 „ „ 10 v. H 
mit der Maßgabe, daß die Steuer 30 v. H. des Wertzuwachses nicht 
übersteigen darf. Der Steuersatz (Abs. 2 und 3) ermäßigt sich für 
das 7. und jedes vollendete weitere Jahr um je 1 v. H. 
Die zu erhebenden Steuerbeträge werden auf volle Reichsmark 
nach unten abgerundet. 
4. Grunderwerbssteuer 
An Grunderwerbssteuern werden vom 1. 4. 1927 ab 3 Prozent 
Reichssteuern und 2 Prozent Gemeindezuschläge erhoben. 
Für die Berechnung der Steuer ist der Einheitswert maßgebend, 
falls der Kaufpreis nicht höher ist. 
5. Vergnügungssteuer 
Steuerpflichtige Veranstaltungen 
Alle im Stadtbezirke veranstalteten Vergnügungen unterliegen 
einer Steuer nach den Bestimmungen der Steuerorduung. 
Als steuerpflichtige Vergnügungen im Sinne des Abs. 1 gelten 
insbesondere folgende Veranstaltungen: 
1. Tanzbelustigungen, Kostümfeste, Kostümbazare, Maskenbälle, 
Narrenabende, Rummelplatzveranstaltungen; 
2. Volksbelustigungen, wie Karusselle, Velodrome u. dergl., 
Schaukeln, Rutsch- und ähnliche Bahnen, Hippodrome, Schieß- 
Luden, Geschicklichkeitsspiele, Würfelbuden, Veranstaltungen 
zum Ausspielen von Geld oder Gegenständen, Glücksräder, 
Schaustellungen jeglicher Art sowie Ausstellungen u. Museen, 
soweit sie Erwerbszwecken dienen, Figuren-Kabinette, Pano 
ramen, Panoptiken, Vorführungen abgerichteter Tiere, Me 
nagerien, Vorführung eines Kasperletheaters auf Messen und 
Rummelplätzen u. dergl., 
3. Zirkus-, Spezialitäten- Variete-, Tingeltangel-Vorstellungen, 
Kabarette; 
4. Vorrichtungen zur mechanischen Wiedergabe musikalischer 
Stücke oder Deklamationen; 
5. Rundfunkempfangsanlagen; 
6. sportliche Veranstaltungen; 
7. Vorführung von Licht- und Schattenbildern, soweit sie Er 
werbszwecken dienen, Puppen- und Marionettentheater; 
8. Vorführungen von Bildstreifen; 
9. Theatervorstellungen, Ballette; 
10. Konzerte und sonstige musikalische und gesangliche Auffüh- 
rungen, Vorträge, Vorlesungen, Deklamationen, Rezitationen, 
Vorführung d. Tanzkunst, Vereinsunterhaltungen, Kommerse 
und dergleichen. 
Die Annahme einer Vergnügung im Sinne dieser Steuerord- 
nung wird nicht dadurch ausgeschlossen, daß die Veranstaltung gleich- 
zeitig auch noch erbauenden, belehrenden oder anderen nicht als 
Vergnügen anzusehenden Zwecken dient, oder daß der Unternehmer 
nicht die Absicht hat, eine Vergnügung zu veranstalten. 
Anmeldung, Sicherheitsleistung 
Alle im Gemeindebezirk veranstalteten Vergnügungen sind bei 
der Steuerstelle, Rathaus, Erdgeschoß, Zimmer 70 (Eingang Fünf 
fensterstraße), anzumelden. Die Anmeldung hat spätestens einen 
Werktag, und wenn die Veranstaltung der Kartensteuer unterliegt, 
spätestens zwei Werktage, und wenn für die Veranstaltung gemäß 
8 2 Ziffer 2, 3, 4 oder 8—10 Steuerfreiheit in Anspruch genommen 
wird, spätestens fünf Werktage vorher zu erfolgen. Hat die An 
meldung nicht rechtzeitig erfolgen können, weil die Veranstaltung 
bis dahin noch nicht feststand, so ist sie spätestens bis zum zweiten 
Werktage nach der Veranstaltung nachzuholen. 
Ebenso sind Tanzstundenzirkel vor Beginn und die für jeden 
Tanzstundenzirkel stattfindenden Zubehörveranstaltungen vor der 
Veranstaltung unter Angabe der Zeit und des Ortes vom Tanz 
lehrer anzumelden. 
Uber die Anmeldung wird eine Bescheinigung erteilt. 
Zur Anmeldung verpflichtet ist sowohl der Unternehmer der 
Veranstaltung wie der Inhaber der dazu benutzten Räume oder 
Grundstücke. Letzterer darf die Abhaltung einer steuerpflichtigen 
Veranstaltung erst zulasten, wenn ihm die Anmeldebescheinigung 
vorgelegt ist, es sei denn, daß es sich um eine unvorbereitete und 
nicht vorherzusehende Veranstaltung handelt. 
Bei Veranstaltungen einzelner Unternehmer kann die Steuer 
stelle (Oberbürgermstr., Stadtsteueramt) eine einmalige Anmeldung 
für eine Reihe von Veranstaltungen für ausreichend erklären. 
Die Steuerstelle kann die Leistung einer Sicherheit in der 
voraussichtlichen Höhe der Steuerschuld verlangen; sie kann die 
Veranstaltung untersagen, solange die Sicherheit nicht geleistet ist.
	        

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