Volltext: Adreß- u. Einwohnerbuch der Stadt Kassel sowie sämtlicher Ortschaften des Landkreises Kassel (Jg. 96.1932)

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Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte 
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Sehenswürdigkeiten Theater Konzerte 
-cmalde-Galerie an der Schönen Aussicht gehört ihrem Wert nach 
v zu den bedeutendsten Sammlungen Europas. Geöffnet im 
Sommer: Sonntags von 11—13 u. 15—18 Uhr, Montags 
von 11—13 u. 15—17, Dienstags bis Freitags von 9—13 u. 
!5 17, Sonnabends von 9—13 Uhr. Im Winter: Sonn- 
tags von 11—13 u. 15—17 Uhr, Montags von 11—15 Uhr, 
Dienstag bis einschließlich Freitag von 9—15, Sonnabends 
oon 9—18 Uhr. Außerdem zugänglich durch den Kastellan. 
Erbaut 1871—77. Direktor: Prof. vr. Luthmer. 
Der kostbarste Schatz Kaffels, die Gemälde-Galerie, ist eine 
Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Wenn auch schon Land- 
graf Karl 1730 eine beträchtliche Sammlung von Gemälden 
hinterließ, so wurde die jetzige Galerie doch im wesentlichen 
durch Landgraf Wilhelm VIII. (f 1760) geschaffen. Dieser kunst. 
liebende Fürst, der sich als Gouverneur von Breda und 
Maastricht zu einem tüchtigen Kenner der niederländischen 
Malerei ausgebildet hatte, kaufte in wenigen Jahren fast alle 
Meisterstücke der jetzigen Galerie an. Einen äußerst empfind- 
lichen Verlust erlitt die Galerie, als im Jahre 1806 ihre 
besten Stücke als Kriegsbeute nach Paris entführt wurden. 
Denn sie auch neun Jahre später zum größten Teil wieder 
zurückkamen, so blieben doch überaus wertvolle Gemälde 
für immer verloren. Napoleon hatte sie der Kaiserin Iosephine 
für Schloß Malmaison geschenkt, und später verkaufte sie 
die Familie Bcauharnais an den Kaiser von Rußland. Noch 
heute gehören diese Gemälde, unter denen sich die vier 
Tageszeiten von Claude Lorrain, die große Kreuzabnahme 
von Rembrandt, die Kuh von Potter, eine heilige Familie 
von Leonardo da Vinci und die Schützengilde von Teniers 
befinden, zu den Hauptzierden der Petersburger Eremitage. 
Im Frieden von Brest-Litowsk waren bereits erfolgreiche 
Verhandlungen wegen ihrer Rückgabe angeknüpft, die aber 
durch den Ausgang des Weltkrieges wieder vereitelt wurden. 
Seit 1877 ist die Galerie in einem aus den Steinen der un- 
vollendet gebliebenen Kattenburg nach dem Vorbild der 
älteren Pinakothek in München errichteten Bau untergebracht. 
Ihren Wert verdankt die Kasseler Galerie vor allem den 
Bildern holländischer und vlämischer Maler, ihren Weltruf in 
erster Linie den etwa 20 Rembrandts, darunter der Segen 
Jakobs, die Saskia, der Federschneider, die Holzhackerfamilie, 
Nikolas Bruyningh und mehrere Selbstbildnisse und Land- 
schäften. Franz Hals ist mit 7 Stücken vertreten, darunter 
der Mann mit dem Schlapphut und die musizierenden Knaben. 
Bon Rubens, dem Haupt der vlämischen Schule, sehen wir 12 
Bilder, unter ihnen den Orientalen, den Triumph des Siegers 
(ein Bild, das Napoleon über seinem Schreibtisch hängen 
hatt«) und die Flucht nach Ägypten. Unter den 12 Stücken 
Antonius v. Dycks befindet sich eine ganze Reihe de- 
deutender Porträts, so das Doppelbildnis des Malers 
Snyders und seiner Frau. Gleichfalls 12 Bilder besitzt 
die Galerie von Jakob Jordaens, der selten gut ver 
treten ist. Der niederländischen Schule gehören weiter an 
Teniers (Zechende und kartenspielende Bauern), Adriaen 
Brouwer, Potter (Auf der Heide), Hondecoeter (Hahnenkampf), 
Adriaen (Strand von Scheveningen) und Willem van de Velde 
(Stille See), Wouwermann, Retscher, Adriaen van Ostade 
Landvolk), Antonis Moro (Wilhelm von Oranien), Jan Steen 
(Bohnenfest), Ruysdael (Wasserfall), Metsu (Almosen), Ter- 
borch (Lautenspielerin). Von den Italienern seien Tizian (Bild- 
nis des Acquaviva), Daffano, Tintoretto, von den Fran 
zosen Nicolas Poufsin, von den Deutschen Albrecht Dürer 
iBildnis der Elisabeth Tücher), Altdorfer (Christus am 
Kreuz) und Lukas Cranach d. A. (mit 6 Stücken), I. H. Tisch- 
dein d. Ä., sein Neffe Friedrich August Tischbein genannt. 
Bon den großen Oberlichtsälen enthalten Saal 1 u. 2 die 
vlämiiche Schule des 17. Jahrhunderts, Saal 3 Rembrandt, 
-aal 4 Italiener des 16. und 17. Jahrhunderts, Kabinett 1 
d s 3 italienische Kunst, Kabinett 4 Schule und Zeitgenossen 
Äembrandts, Kabinett 5—10 Holländer des 17. Jahrhunderts, 
.'.ncmett 11—14 Niederländer des 16. und 18. Jahrhunderts, 
Qbinett 15 Niederländer und Deutsche des 16. Jahrhunderts, 
abinett 16—18 vornehmlich Deutsche des 18 Jahrhunderts, 
Lbinett 19 französische Maler und Kabinett 20 vorwiegend 
Ipanische Meister. 
Museen. 
a) M u s e u m Fridericianum (Hessisches Lan- 
bcsmufeum) am Wilhelmshöher Platz 5. Erbaut 1911 
bis 1913 von Th. Fischer. Antike Skulpturen, 
Bronzen und Vasen, landesgeschichtliche u. 
kunst gewerbliche Altertümer, Sammlung 
alter mathematischer, physikalischer u. astro- 
n omischer Instrumente, ländlicher Haus- 
rat und ländliche Trachten aus Hessen. — Mit 
den Staatlichen Sammlungen sind die der Stadt Kassel und der 
Gewerbehalle vereinigt. Direktor: Prof. vr. Luthmer. Zu 
den Sammlungen des Mlrseums gehören: Eammlungvon 
Gipsabgüssen antiker, mittelalterlicher 
und neuzeitlicher Skulpturen im Erdgeschoß 
der Gemäldegalerie. — Besichtigung des Landesmuseums: 
Im Sommer: Sonntags von 11—13 Uhr, Montags v. 15—17, 
Dienstag bis Freitag v. 9—13 u. 15—17, Sonnab. 9—13 Uhr 
Im Winter: Sonntags von 11—13, Montags geschlossen, 
Dienstag bis Freitag von 9—15, Sonnabend v. 9—13 Uhr. 
Schon 1779 hatte Landgraf Friedrich II. im Museum 
Fridericianum das von seinem Vorfahren gegründete Rari 
tätenkabinett der Barockzeit wieder aufleben lassen und 
diesem neben dem aus Goldschmiedearbeiten des 16.—18. 
Jahrhunderts bestehenden landgräflichen Silberschatz vor allem 
seine Sammlung antiker Marmorskulpturen und Bronzen 
hinzugefügt. Der Neubau des Landesmuseums hat die alte 
Bestimmung der Sammlung wesentlich erweitert. 
Das Erdgeschoß des Museums enthält die antiken Skulp- 
turen, darunter den „Kasseler Apollo" und eine Athena nach 
Phidias, sodann antike Kleinkunst, vorgeschichtliche Alter- 
tümer aus Hessen, die Uhrenkammer und die astronomischen 
und mathematisch-physikalischen Instrumente. Der Ehrensaal 
im ersten Stock zeigt die Fahnen, Waffen und Uniformen der 
hessischen Regimenter. Es schließen sich an die Räume mit 
kunstgewerblichen Altertümern. Unter den mittelalterlichen 
Kunstwerken seien der „Katzenelnbogische Willkomm", eine 
vergoldete Schenkkanne des 15. Jahrhunderts und die gotisch 
gefaßte Seladonschale aus ältestem chinesischem Porzellan, 
hervorgehoben. Weiter findet man Kunstwerke aus Glas, 
Elfenbein, Bernstein, Fayencen und Porzellan, Möbel der 
Renaissance, des Barock, Rokoko und Empire, sowie mittel 
alterliche Skulpturen. Der zweite Stock enthält Büsten und 
Bildnisse der Napoleonischen Familie, chinesisches und ja- 
panisches Porzellan, dabei eine bedeutende Sammlung früh 
chinesischer Kunst als dauernde Leihgabe aus Privatbesitz, 
Textilien, eine hessische Münzsammlung, hessische Trachten, 
bäuerliche Kunst, eine Eisensammlung und zahlreiche Jagd- 
altertümer. Das Museum enthält außerdem einen Bortrags- 
saal und Räume für wechselnde Ausstellungen. 
b) Städtisches Naturkunde-Museum Steinweg 2. 
Im Jahre 1929 neu eröffnet. Leiter: Oberstudiendirektor vr. 
Heilig. 
Das 1696 unter Landgraf Karl an Stelle des hier 1606 
errichteten ersten deutschen festen Theaters erbaute Kunsthaus 
am Steinweg enthielt ursprünglich die fürstliche Kunstkammer, 
diente dann nacheinander als Oolle^ium Oarolivum, Kadetten 
haus und Steuerkollegium und vereinigt jetzt als Naturkunde- 
museum zoologische, botanische, geologische und ethnographische 
Sammlungen. Hervorzuheben ist eine wertvolle Vogel- 
sammlung, eine umfangreiche geologische und mineralogische 
Abteilung, die botanische Sammlung mit einem der ältesten 
deutschen Herbarien aus dem 16. Jahrhundert und die eben- 
falls völlig erneuerte völkerkundliche Abteilung. Im Dach- 
geschah, das die Büroräume enthält, befindet sich die so- 
genannte Anatomie, in der Goethe 1783 mit Sömmering 
Versuche mit einem Luftballon anstellte. — Besichtigung des 
Naturkunde-Museums: Im Sommer an Wochentagen 9—13 
Uhr (ausschließlich Montag), 15—17 Uhr (ausschließlich Mon- 
tag und Sonnabend; im Winter an Wochentagen 9—13 (aus 
schließt. Montag) und 15—16 Uhr (ausschließl. Montag und 
Sonnabend). Sonntags: Winter wie Sommer 10—13 Uhr. 
c) Gläßner ' sche Sammlungen. Waffen, hessische Regenten- 
bilder und hochbedeutende Münzsammlung, namentlich hes 
sische Münzen, jetzt im Landesmuseum. Die Mineralien- 
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