Full text: Adreß- u. Einwohnerbuch der Stadt Kassel sowie sämtlicher Ortschaften des Landkreises Kassel (Jg. 93.1929)

„K asseler Apollo" 
Römische Marmorkopie nach einer um 
450 v. Chr. entstandenen griechischen 
Bronzestatue. In den Händen des Gottes 
ruhten Bogen und Lorbcerzweig, Strafe 
und Entsühnung. 
Zelt und Gewehre unseres Türkenzimmers —, es ist 
auch in anderer Hinsicht der Kristallisationspunkt der 
öffentlichen Schausammlungen; denn nichts so sehr 
wie die Dinckelmannische Begeisterung für antike Slunft 
und ihre stille vorbildhafte Schönheit mar cs. was 
Landgraf Friedrich II. vor nunmehr gerade 150 Jahren 
veranlagte, seine großen Haussammlungen, vermehrt 
um die Erwerbungen seiner Italienreise, den Bürgern 
seiner Residenz in dem Prachtbau des Museum 
Fridericianum am Friedrichsplaß zugänglich zu machen. 
Die überragende Marmorfigur des „Kasseler Apollo" 
verleiht dieser kleinen Antikensammlung ihren aus 
erlesenen Rang und beweist die Sicherheit des künst 
lerischen Urteils, mit dem den Landgrafen der große 
Baumeister Simon Louis du Ry leitete. Will man 
aus diesem Antiken-Raume durch die „Antike Klein 
kunst" mit ihren formvollendeten, unbeirrbar sicher 
dekorierten Gefäßen in den angrenzenden Saal der 
hessischen Vorgeschichte hinüberführen, so hat auch dort 
hin schon die alte Sammlung des achtzehnten Jahr 
hunderts die verbindende Brücke geschlagen; denn 
.Kassel zog damals nicht bloß die Kunst der Griechen 
und Römer an, sondern suchte auch nach den hinter 
lassenen Spuren eigener dunkler Vorzeit und nach den 
Wahrzeichen der Berührung freier Germanen mit den 
römischen Vorposten am Rhein. Einige Steindenkmäler, 
die im Durchgang zur prähistorischen Sammlung stehen, 
legen davon Zeugnis ab. Wie hat sich aber seitdem die 
Sehnsucht gewandelt! Die Antikensammlung ist nun 
in unserem Hause das abgeschlossene, in sich ruhende, 
nur noch gelegentlich durch Stücke porträthaften Cha 
rakters vertiefte Spiegelbild schönster Menschen- und
        

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