Full text: Adreß- u. Einwohnerbuch der Stadt Cassel (Jg. 90.1926)

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Höhenangaben Städtische indirekte Steuern 
1. Teil 
Städtische indirekte Steuern 
Verwaltung: Stadt-Steueramt. 
Geschäftsstelle: Rathaus, Erdgeschoß. Eingang Fünffensterstraße. 1401—1415. 
Verbrauchssteuer-Hebestellen: 
Bahnhof Oberstadt für Eil- u. Frachtgut, nahe den Güterabfertig., 
„ Unterstadt für Frachtgut, 
„ Wilhelmshöhe, Wilhh. Allee 260 E, 
„ Bettenhausen, Leipz. Str. 80 (zugleich für Schiffsgüter 
vom Hafen), 
Frankfurter Str. 147, 
Holländischer Platz, 
Zentgrafenstr. 130. 
1. Getränke- und Verbrauchssteuern. 
Die Versteuerung der mit der Bahn, Schiff, Luftfahrzeugen 
oder auf den Landstraßen eingehenden Gegenstände hat vor dem 
Eingang in das Stadtgebiet bei den Steuerstellen an den Bahnhöfen 
und Stadteingängen — durch Amtsschilder kenntlich — unter Vor 
führung des Gutes durch den Einbringer zu erfolgen, während die 
Versteuerung der hier hergestellten Getränke sofort nach Ablauf 
eines jeden halben Monats erfolgen muß. Als Einbringer gelten 
auch Privatpersonen, die steuerpfl. Ware von auswärts beziehen. 
Liter 0,03 RM. 
gze. Fl. 0,06 „ 
„ „ 0,015 „ 
„ „ 0,05 „ 
Liter 
AIs Steuersätze für die Getränkesteuer werden'die vom Reichs 
finanzministerium festgesetzten Höchstsätze erhoben, diese betragen 
z. Zt. für: 
1. Traubenwein 
a) offen 
b) in Flaschen 
2. Weinähnliche Getränke 
3. Weinhaltige Getränke 
4. Schaumwein mit Ausnahme von Frucht 
schaumwein 
5. Fruchtschaumwein 
6. Schaumweinähnliche Getränke.... 
7. Einfachbier 
8. Schankbier . 
9. Vollbier 
10. Starkbier 
11. Unverschnitt. Arrak, unverschnitt. Rum, 
unverschnitt. Trinkbranntwein aus Obst- 
stoffen und Trinkbranntwein mit einem 
Gehalte von mehr als 10 v. H. Extrakt. 
12. Andere Trinkbranntweine 
Die Verbrauchsabgabe vom Essig mit einem Gehalt von 5 v.H. 
wasserfreier Essigsäure beträgt für 1 Liter 1,3 R.-Pfg. 
Der Empfänger der mit der Post eingehenden steuerpflichtigen 
Sendungen ist zur unverzüglichen Versteuerung beim Stadt-Steuer 
amt oder bei einer der vorbezeichneten Steuerstellen verpflichtet. 
Einbringer und Empfänger haften gemeinsam für die Steuer. 
Unterlassene Anmeldungen werden bestraft. 
0,75 
0,06 
0,18 
0,01 
0,015 
0,02 
0,03 
0,90 
0,45 
2. Wertzurvachssteuer. 
Bei Verkauf von Grundstücken, deren Erwerb in der Zeit vom 
1. Januar 1919 bis zum 24. Dezember 1924 erfolgt ist, wird eine 
Wertzuwachssteuer erhoben. 
3. Grunderwerbssteuer. 
An Grunderwerbssteuern werden vom 1. 9. 1925 ab 3 Prozent 
Neichssteuern und 4 Prozent Gemeindezuschläge erhoben. Bei 
Grundstücken, die der Wertzuwachssteuer unterliegen, ermäßigen 
sich die Gemeindezuschläge auf 2 Prozent. 
3. Schaustellungen jeglicher Art sowie Ausstellungen und Museen 
mit Ausnahme derjenigen Ausstellungen und Museen, die nicht 
Erwerbszwecken dienen oder die sich als wissenschaftliche Ver 
anstaltungen darstellen, Figurenkabinette, Panoramen, Pa 
noptiken, Vorführung eines Kasperletheaters auf Messen und 
Rummelplätzen, abgerichteter Tiere, Menagerien und dergl.; 
4. Zirkus-, Spezialitäten-, Variötö-, Tingeltangel-Vorstellungen, 
Kabarette; v 
5. Sportliche Veranstaltungen; 
6. Vorführung von Bildstreifen, Licht- und Schattenbildern, Pup 
pen- und Marionettentheater; 
7. Theatervorstellungen, Ballette; 
8. Konzerte und sonstige musikalische und gesangliche Auf 
führungen, Vorträge, Vorlesungen, Deklamationen, Rezita 
tionen, Vorführung der Tanzkunst, Vereinsunterhaltungen, 
Kommerse und dergl.; 
Die Annahme einer Vergnügung im Sinne dieser Steuerord 
nung wird nicht dadurch ausgeschlossen, daß die Veranstaltung gleich 
zeitig auch noch erbauenden, belehrenden oder anderen nicht als 
Vergnügen anzusehenden Zwecken dient, oder daß der Unternehmer 
nicht die Absicht hat, eine Vergnügung zu veranstalten. 
8 4. A n m e l d u n g. 
Alle im Gemeindebezirk veranstalteten Vergnügungen sind bei 
der Steuerstelle (Magistrat, Stadtsteueramt) anzumelden. Die An 
meldung ist spätestens einen Werktag und, wenn die Anmeldung 
der Kartensteuer unterliegt, spätestens zwei Werktage, und wenn 
für die Veranstaltung gemäß 8 2 Ziffer 2, 3, 4 oder 8—10 Steuer 
freiheit in Anspruch genommen wird, spätestens drei Werktage vor 
her zu bewirken. Hat die Anmeldung nicht rechtzeitig erfolgen 
können, weil die Veranstaltung noch nicht feststand, so ist sie späte 
stens bis zum zweiten Werktag nach der Veranstaltung nachzuholen. 
Ebenso sind Tanzstundenzirkel vor Beginn und die für jeden 
Tanzstundenzirkel stattfindenden Zubehörveranstaltungen vor der 
Veranstaltung unter Angabe der Zeit und des Ortes vom Tanz 
lehrer anzumelden. 
Uber die Anmeldung wird eine Bescheinigung erteilt. 
Zur Anmeldung verpflichtet ist sowohl der Unternehmer der 
Veranstaltung wie der Inhaber der dazu benutzten Räume oder 
Grundstücke. Letzterer darf die Abhaltung einer steuerpflichtigen 
Veranstaltung erst zulassen, wenn ihm die Anmeldebescheinigung 
vorgelegt ist, es fei denn, daß es sich um eine unvorbereitete und 
nicht vorherzusehende Veranstaltung handelt. 
Bei Veranstaltung einzelner Unternehmer kann die Steuerstelle 
(Magistrat, Etadtsteueramt) eine einmalige Anmeldung für eine 
Reihe von Veranstaltungen für ausreichend erklären. 
8 9. Eintrittskarten. 
Bei der Anmeldung (8 4) der Veranstaltung hat der Unter 
nehmer die Karten, die dazu ausgegeben werden sollen, der Steuer 
stelle (Magistrat, Stadtsteueramt) vorzulegen. Die Karten müssen 
mit fortlaufender Nummer versehen sein und den Unternehmer, 
Zeit, Ort und Art der Veranstaltung sowie das Entgelt oder die 
Unentgeltlichkeit angeben. Die Karten werden von der Steuer- 
stelle abgestempelt. 
Die Steuerstelle kann bei der Anmeldung die Leistung einer 
Sicherheit in der voraussichtlichen Höhe der Steuerschuld verlangen; 
ebenso kann sie Ausnahmen von den Erfordernissen für den Inhalt 
der Karten gestatten und von der Abstempelung absehen. 
4. Vergnügungssteuern. 
81. SteuerpflichtigeVeran st alt ungen. 
Alle im Stadtbezirke veranstalteten Vergnügungen unterliegen 
einer Steuer nach den Bestimmungen dieser Steuerordnung. 
Als steuerpflichtige Verguügungen im Sinne des Abs. 1 gelten 
insbesondere folgende Veranstaltungen: 
1. Tanzbelustigungen, Kostümfeste, Kostümbazare, Maskenbälle, 
Narrenabende, Rummelplatzveranstaltungen; 
2. Volksbelustigungen, wie Karusselle, Schaukeln, Hippodrome, 
Schieß- und Würfelbuden, Krafthämmer und ähnliche Appa 
rate, Vorrichtungen zur mechanischen Wiedergabe musikalischer 
Stücke oder deklamatorischer Vorträge, Geschicklichkeitsspiele, 
Glücksräder, Veranstaltungen zum Ausspielen von Geld oder 
Gegenständen, Rutsch- oder ähnliche Bahnen, Velodrome oder 
dergl.; 
5. Wirtschaftserlaubnis-Steuer. 
Bei Erlangung der Erlaubnis zum ständigen Betriebe 
einer Gastwirtschaft, 
einer Schankwirtschaft, 
eines Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus, 
sowie zur räumlichen oder sachlichen Erweiterung eines der vor 
bezeichneten Betriebe wird eine Steuer von 3,5 v. H. des Anlage- 
und Betriebskapitals und 7 v. H. des Ertrags erhoben. 
Bei Betrieben, die den Charakter einer Diele, einer Bar, einer 
Likörstube oder eines Kabaretts haben, wird das Doppelte der vor 
stehenden Steuersätze erhoben. 
Die Hälfte des Steuerbetrages wird erhoben, wenn jemand 
die Erlaubnis zum Betriebe einer bestehenden Gast- oder 
Schankwirtschaft oder eines bestehenden Kleinhandels mit Brannt 
wein oder Spirituosen erhält.
        

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