Full text: Adreß- u. Einwohnerbuch der Stadt Cassel (Jg. 90.1926)

Ein Mahnruf zur Vorsicht! 
Fm Jahre 1920 haben sich die Verleger der 
Einwohnerbücher Deutschlands zu einer Vereinigung 
zusammengeschlossen, die eine gleichmäßige Bearbeitung 
unb regelmäßige Ausgabe van Einwohnerbüchern nach 
großstädtischen Gesichtspunkten für alle Städte Deutsch 
lands anstrebt. Der Verlag des Casseler Adreß- und 
Einwohnerbuchs ist Mitglied der Vereinigting. 
Der Reichsverband der deutschen Stadt-Adreß- 
buch-Verleger erließ damals folgenden Aufruf: 
Zur Aufklärung und Warnung. 
Rach Kriegsende sind in zahlreichen Städten 
Deutschlands Unternehmungen aufgetaucht, die sich 
für ihre Verlagswerke zu deren Einführung und 
Empfehlung des Wortes „Adreßbuch" im Titel be 
dienen, denen jedoch in Wirklichkeit die Vollständig 
keit des Stadt-Adreßbuches ganz abgeht, und vor allem 
nichts mit der besonderen gemeinnützigen Eigenart 
eines solchen zu tun haben. Vielmehr sind es nur 
Bruchstiicke, Auszüge und lückenhaft gereihte Zu- 
sammenstellungen, zu denen unter Nichtachtung der 
Grenze zwischen Mein und Dein die Stadt-Adreßbücher 
Unterlagen liefern inußten, und denen es zur Haupt 
sache um deren Branchenteil, um b e n Abschnitt zu 
tun ist, der in materieller Hinsicht den Stadt-Adreß- 
buch-Verlegern es ermöglichen hilft, ihr Buch auch 
in schweren Zeiten zu mäßig gehaltenen Preisen heraus 
zubringen. Während das bewährte Stadt-Adreßbuch 
mit viel ehrlichem Wollen und einem großen Außvand 
von Zeit und Unkosten und unter Einsetzung von 
emsigem eigenen Schaffen die Berücksichtigung 
aller lokalenZnteressen sich angelegen sein läßt, 
haben es die neu auftauchenden Gründungen von 
diesen sogen. Adreßbüchern nur auf einen Fischzug in 
der Geschäftswelt abgesehen. Meistens sind die 
Herausgeber überdies Auswärtige, die dem Er 
scheinungsorte ihrer spekulativen Schöpfungen fern 
sind und dessen mannigfaltigen Interessen völlig fremd 
und gleichgültig gegenüberstehen. Der Mangel an 
Orts- und Sachkunde wird zu ersetzen versucht durch 
überschwengliche Ankündigungen und lockende An 
preisungen, welche den Bestimmungen zur Bekämpfung 
des unlauteren Wettbewerbes bedenklich nahe kommen. 
Vorauszahlungen werden genommen, wann jedoch 
das sogen. Adreßbuch erscheint, ist eine Frage der 
Zeit, die zuweilen in IV 2 Fahren noch nicht beant 
wortet iverden konnte. Angesehene Handelsfachschriften, 
Vereine zum Schutze von Handel und Gewerbe, wie 
auch Handelskammern haben Veranlassung genommen, 
vor solchen Gründungen zu warnen, und das allge 
meine Urteil geht dahin, daß fiir diese Branchen 
auszüge ein Bedürfnis nicht vorhanden ist. Feder 
Geschäftsmann mag daher in seinem eigenen Interesse 
vor Auftragserteilung an ein Adreßbuch sich Klarheit 
darüber verschaffen, für welches Buch der Auftrag 
gelten soll, und sich immer sagen: was die Gesamt 
heit an dem eigenen Stadt-Adreßbuch hat, und anderer 
seits sich fragen: was bieten die sogen. Adreßbücher 
dem Gemeinwesen an Gegenleistungen und Gemein 
nützigkeit? Und Vorauszahlungen an Fremde sollte 
man niemals leisten. 
* 
Der Verlag des Casseler Adreß- und Einwohner 
buchs ist, soweit möglich, gern bereit, Auskunft über 
den Wert von neu auftauchenden Unternehmungen 
wie Adreßbiicher, Branchen- und Fernsprechverzeich 
nissen usw. zu geben. 
Gerade in den letzten Fahren wurde die hiesige 
Geschäftswelt oft für solche Unternehmungen von 
Werbern sehr viel aufgesucht. 
Es ist für fragwürdige Unternehmungen in Cassel 
viel Geld ausgeworfen und im voraus bezahlt, ohne 
daß die Bücher erschienen, oder aber beim Erscheinen 
fiir den Inserenten fast vollkommen wertlos waren. 
Deshalb die hier ausgesprochene Warnung.
        

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