Full text: Adreßbuch der Residenzstadt Cassel sowie der Ortschaften Harleshausen, Ihringshausen, Niedervellmar, Niederzwehren, Oberzwehren, Sandershausen, Waldau, Wilhelmshöhe, Wolfsanger, Gartenstadt Brasselsberg und Gutsbezirk Fasanenhof (Jg. 80.1913)

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Stiftungen. 
Teil II. 
JVI. Stiftungen. 
I. Stiftungen unter der Verwaltung 
des Magistrats. 
1. Vermächtnis der Frau Gräfin Hose zu 
Stipendien für Maler und Bildhauer. 
Die Zinsen (jährlich 2000 Mk.) sollen würdigen 
und bedürftigen, aus dem ehern. Kurfürstentum 
Hessen gebürtigen Malern und Bildhauern zu 
ihrer weiteren Ausbildung verliehen werden. 
Ausschreibung erfolgt jährlich zu Beginn des 
Etatsjahres. 
2. Vermächtnis des Medizinalrats Br. Fiedler 
zum Stipendium eines Pharmazeuten. 
Die Zinsen (jährlich rd. 400 Mk.) sollen wür 
digen und bedürftigen, aus dem ehern. Kurfürsten 
tum Hessen gebürtigen Apothekern zum Studium 
auf der Universität Marburg verliehen werden. 
Ausschreibung erfolgt im August jeden Jahres. 
3. Vermächtnis von ltudoif Goldschmidt zu 
Dunsten eines jungen Ehepaares. 
Die Zinsen (jährlich rd. 1400 Mk.) sollen jähr 
lich, vom Todestage des Stifters (Juni) ab ge 
rechnet, einem Paare würdiger Eheleute, die sich 
während des Jahres heiraten und von denen 
mindestens eine Person in der Residenzstadt 
Cassel ihren Wohnsitz hat und den Nachweis 
erbringt, daß er oder sie von einer Person ab 
stammt, die vor dem 18. Juni 18GB ein hessischer 
Untertan war, verliehen werden. Ausge 
schlossen von der Zuwendung sollen die 
jenigen Paare sein, bei denen der Ehemann 
oder der Vater der Ehefrau preußischer Zivil 
beamter ist oder im aktiven Militärdienst steht. 
Ausschreibung erfolgtim Oktober jeden Jahres. 
4. Vermächtnis des Geh. llofrats l>r. Harnier 
zum Besten eines Schülers der hiesigen 
Kunstakademie. 
Die Zinsen (jährlich rd. 300 Mk.) werden auf 
Vorschlag der Kgl. Direktion der hiesigen Aka 
demie der bildenden Künste auf die Dauer von 
je 2 Jahren vergeben. 
o. Herzogsche Schenkung,Friedrich-Auguste* 
Stiftung zum Besten der Ferienkolonien. 
Die Zinsen (jährlich rd. 660 Mk.) sollen all 
jährlich dem hiesigen Komitee für Casseler 
Ferienkolonien zur Verwendung für die Ferien 
kolonien mit der Maßgabe zur Verfügung ge 
stellt werden, daß nur armen und bedürftigen 
Kindern, die ihren Wohnsitz in Cassel haben, 
die Wohltat des Aufenthalts in einer Ferien 
kolonie gewährt werden soll. 
6. Vermächtnis des Geh. Kriegsrats Meyer 
zur Ausbildung eines bedürftigen talent 
vollen BUrgersohnes. 
Die Zinsen (jährlich rd. 170 Mk.) sollen zur 
Erziehung und zum Unterricht eines armen, 
mit Talent begabten hiesigen Bürgersohnes ver 
geben werden. Zu Universitätsstudien wird das 
Stipendium nicht bewilligt. 
Ausschreibung erfolgt im Oktober jeden Jahres. 
II. Stiftungen unter Verwaltung be 
sonderer Kuratorien usw. 
1. Ottilie Kellermann-Stiftung f. Lehrerinnen. 
Die Zinsen werden als lebenslängliche Pension 
(z. Zt. jährlich 11)0 Mk.) an würdige und be 
dürftige ehemalige Lehrerinnen, die an einer 
hiesigen Privatunterrichtsanstalt mindestens 10 
Jahre lang als Lehrerinnen oder Vorsteherinnen 
tätig gewesen sein müssen, verliehen. Wird die 
Pension nach Ableben der jeweiligen Empfängerin 
frei, so erfolgt deren öffentliche Ausschreibung. 
Kuratorium: Oberbürgermeister Dr. Scholz, 
Vorsitzender, Stadtsyndikus Brunner, Stadtschul 
rat Bobritz, Pfarrer Mörschel. 
2. Stiftung der Ehegattin des Oberst a. I). 
Kellennann, Marie Elisabeth geh. Liebehenz 
zur Heilung oder Pflege Geisteskranker. 
Die Zinsen (jährlich rd. 3550 Mk.) werden 
jährlich als Zuschüsse zu den Verpflegungs- 
kosten von in Anstalten oder in Familienpflege 
untergebrachten Geisteskranken der Stadt Cassel 
an bedürftige Anverwandte vergeben. Gesuche 
sind bis zum 15. Februar jeden Jahres einzu 
reichen. 
Kommission zur Verwaltung: Oberbürger 
meister Dr. Scholz, Vorsitzender, Stadtrat Scheffer, 
Stadtrat Sanitätsrat Dr.Willich, Geh. Medizinalrat 
Dr. Gottfr. Krause. 
3. Vermächtnis des Generalleutn. Schirmer 
zur Unterstützung unbemittelter Witwen u. 
Waisen von Militärpersonen. 
Die Zinsen z. Zt. (jährl. rd. 1600 Mk.) sollen nur 
an Witwen und Waisen solcher ehemaligen kur 
hessischen Militärpersonen, die bis zu ihrem 
Tode entweder aktive Soldaten oder Mi 
litärpensionäre waren, verliehen werden. 
Ausschreibung erfolgt im August jeden Jahres. 
Verwaltung: Oberbürgermeister Dr. Scholz, 
Vorsitzender, Stadtrat Scheffer, Stellvertreter, 
Stadtrat Hoffa. 
4. Stiftung der Brüder George und Conrad 
Lenoir zur Erziehung von Waisen in Cassel. 
Die Stiftung hat den Zweck, Waisenkinder, 
und zwar zunächst nur Mädchen, zu erziehen. 
Die Waisenanstalt ist am 1. April 1909 auf dem 
Stiftsgut Teichhof bei Fürstenhagen eröffnet 
worden. Voraussetzungen der Aufnahme sind : 
Gänzliche Mittellosigkeit des Kindes, geistige 
und körperliche Gesundheit und ein Alter von 
6, höchstens 8 Jahren. 
StiftungsVorstand: Der Magistrat der Resi 
denz (Oberbürgermeister Dr. Scholz, Stadt 
syndikus Brunner). 
Verwaltungsrat der Waisenanstält: Ober 
bürgermeister Dr. Scholz, Stadtsyndikus Brunner, 
Stadtschulrat Bobritz, Stadtbaurat Hopfner, 
Kommerzienrat Plaut, Gutsbesitzer H. Seidler,
        

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