Full text: Technisches Gemeindeblatt (9.1906, 13)

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überall gut bedeckt gehalten wird, nicht entsprochen werden kann, 
falls die Luftzufuhr ausschließlich durch den Rost vor sich geht. 
Die Folge solcher Arbeitsweise ist allerdings der Eintritt eines guten 
mittleren Kohlensäuregehalts, also mäßigen Luftüberschusses, aber 
auch starker Rauchentwicklung unmittelbar nach der Beschickung. 
Die Vermeidung letzterer, also die Erzielung vollkommener Ver- 
brennung der aus der Kohle sich entwickelnden Gase, ist, wie der 
Versuch zeigt, ohne Zuhilfenahme besonderer Sekundärluftzufuhr 
zwar dadurch zu erreichen, daß der Rost nur teilweise bedeckt wird, 
die zu vollkommener Verbrennung der Gase erforderliche Luft also 
durch unbedeckte oder nur schlecht bedeckte Stellen des Rostes 
eintritt. Eine solche Arbeitsweise hat aber, da der Luftbedarf mit 
fortschreitender Entgasung erheblich abnimmt, zur Folge, daß die 
Luftzufuhr, die bei dem allmählichen Abbrande zunimmt, nach 
der Entgasung viel zu groß ist, worunter die Wirtschaftlichkeit. im 
allgemeinen noch stärker leidet als durch die periodisch auftretende 
unvollkommene Verbrennung bei geringem Luftüberschuß. Nur bei 
schwacher Belastung, wobei es möglich ist, in der Weise zu arbeiten, 
daß die Kohle vorn aufgelegt und erst nach erfolgter Entgasung 
zurückgeschoben wird, läßt sich mäßige Rauchentwickelung bei ge- 
ringem Luftiibersclniß erzielen. Indessen können auch bei dieser 
Arbeitsweise und besonders gasreichen Kohlen bei dem alsdann ein- 
tretenden Schwelen des Feuers größere Verluste durch unverbrannte 
Gase eintreten, als gemeinhin angenommen wird. Ist solche Arbeits- 
weise mit Rücksicht auf die Belastungsverhältnisse nicht durch- 
führbar, so muß entweder mit geringerer Ausnutzung vorlieb ge- 
nommen werden, oder man hat nach dem Aufwerfen starke Rauch- 
entwickelung zu gewärtigen, wobei indessen die Verluste durch 
unvollkommene Verbrennung auch recht erheblich werden können. 
„Demgegenüber hat die selbsttätig regelbar erfolgende Zufuhr 
von Sekundärluft den unbedingten Vorteil, daß sie beides, gute 
Ausnutzung und mäßige Rauchentivickelung auch bei den gasreichsten 
Kohlen zu vereinigen gestattet unter der Bedingung, daß durch ge- 
eignete konstruktive Durchbildung der Einrichtung dauernd ein 
pünktliches Funktionieren gesichert ist. Dadurch, daß der während 
der Entgasung überschießende Bedarf an Luft durch besondere, un- 
mittelbar in den brennenden Gasstrom einmündende Kanäle zu- 
geführt wird, deren Abschlußorgane allmählich den Zutritt ver- 
ringern und schließlich ganz absperren, ist die Möglieheit gegeben, 
den Rost in vollständig gleichmäßiger, ebener Schicht von hinten 
bis vorn flach zu beschicken und gut bedeckt zu halten, wobei die 
Luftzuströmung jederzeit dem wechselnden Bedarf angepaßt werden 
kann. Man ist daher, wenn auch die Abhängigkeit vom Heizer hin- 
sichtlich Erzielung guter Brennstoffausnutzung ebenso bestehen 
bleibt, wie beim gewöhnlichen Planrost ohne Sekundärluftzufuhr, 
bei Verwendung letzterer unbedingt in der Lage, auch bei Ver- 
heizung von sehr gasreichen Kohlen mit mäßigem Luftüberschusse 
zu arbeiten und gleichzeitig die Rauchentwickelung in durchaus be- 
friedigendem Maße einzuschränken. Die Arbeitsweise ist dabei nicht 
nur sehr einfach, sondern auch leicht kontrollierbar, da bei dieser 
Art der Feuerführung der Rost immer übersichtlich bleibt und leere 
Stellen sofort bemerkt werden können. Wird die Kohle vorn auf- 
gegeben und nachher zurückgeschoben, so ist eine Kontrolle in 
dieser Richtung, besonders hinsichtlich Bedeckung der hinteren Rost- 
hälfte, in ungleich geringerem Maße möglich, und soll der Heizer 
ohne Zuhilfenahme von Sekundärltift bei gasreicher Kohle rauch- 
schwache Verbrennung erzielen. so ist es überhaupt ausgeschlossen, 
allein nach dem Zustande des Feuers die Beschickung des Rostes 
zu kontrollieren, da. dieser alsdann nicht vollständig bedeckt werden 
darf. Dabei ändert sich mit dem Abbrande des Feuers d__ie Luft- 
zuströmung entgegengesetzt dem Wechsel im Luftbedarf. Uberdies 
ist es ohne gleichzeitige Untersuchung der Heizgase kaum möglich, 
hinsichtlich des Maßes der Rostbedeckung, bezw. der Ausdehnung 
der freizulassenden Stellen jeweils das Richtige zu treffen. Auf alle 
Fälle ist bei solcher Bedienungsweise die Kontrolle viel schwieriger, 
und außerdem hat der Heizer ungleich mehr Aufmerksamkeit auf- 
zuwenden, als es bei völlig gleichmäßiger Rostbedeckung natur- 
gemäß der Fall ist. Das Gleiche gilt auch von der zuvor erwähnten 
Art der Feuerführung mit Aufwerfen vorn und nachherigem Zurück- 
schieben. 
„Ein Nachteil der Feuerungen mit Sekundärluftzufuhr, der darin 
besteht, daß bei unrichtiger Einstellung der Abschlußklappe mehr 
Luft als notwendig zutreten und dadurch die Wirtschaftlichkeit Ein- 
buße erleiden kann, läßt sich bei einer regelmäßigen Kontrolle, wie 
sie vom Vereine für Feuerungsbetrieb und Rauchbekämpfung in 
Hamburg in den ihm unterstellten Anlagen ausgeübt wird, in hin- 
reichender Wejse begegnenff) Ubrigens ist noch zu bemerken, daß 
auch bei unsachgemäßer Wartung von diesen Feuerungen im all- 
gemeinen nicht behauptet werden kann, sie arbeiten unwirtschaft- 
licher als der einfache Planrost unter denselben Bedingungen, 
während es umgekehrt nach vorstehenden Versuchen als zweifellos 
erscheint, daß mit ihnen unter sachgemäßer Anwendung und Be- 
handlung bei gasreichen Kohlen bessere Ausnutzung zu erzielen ist 
als ohne Zuführung von Sekundärluft. Außerdem ist erwiesen, daß 
sie, ohne ihrer rauchvermindernden Eigenschaften verlustig zu gehen, 
f) VgL F. Haier, Zeitschr. d. Vereins Deutscher Ingenieure 
1905, S. 20 u. f. 
beträchtliche Rostanstrengungen zulassen, die zu überschreiten 
jedenfalls auch durchaus nicht im Interesse der Wirtschaftlichkeit 
liegt. Selbst bei Anstrengungen bis zu 150 kg pro Quadratmeter 
Rostfläche und Stunde ist auch bei sehr gasreicher Kohle durch- 
aus befriedigend vollkommene Verbrennung bei einem mittleren 
Kohlensäuregehalte von etwa 12 v. H. am Kesselende zu erzielen. 
Ohne Sekundärluftzufuhr tritt bei so hohen Beanspruchungen sehr 
starke Rauchbildnng ein, so daß bei den Versuchen Verluste bis 
zu 14 v. H. durch unvollkommene Verbrennung zu konstatieren 
waren, die allerdings bei der durch die Sekundärluftzufuhr bewirkten 
vollkommeneren Verbrennung insofern nicht vollständig nutzbar ge- 
macht werden konnten, als hierbei der Abwärmeverlust etwas zu- 
nahm. Immerhin war bei diesen hohen Belastungen durch die 
Sekundärluftzufuhr eine ganz nennenswerte Steigerung der Aus- 
nutzung bei weitgehender Einschränkung der Ranchentwickelung 
herbeizuführen. Ebenso ließ sich bei den niedrigen Belastungsstufen, 
trotzdem es sich dabei um geringere Verluste durch unvollkommene 
Verbrennung handelt, die günstige Beeinflussung der Ausnutzung 
nicht verkennen, und es traten sehr befriedigende Rauchverhält- 
nisse ein. Rostanstrengungen unter 60-70 kg erweisen sich für 
gasreiche Kohle als nicht besonders günstig. Zur Erzielung mäßigen 
Luftüberschusses muß dabei mit sehr geringem Zuge gearbeitet 
werden, so daß selbst mittels Seknndärluftzufuhr nicht vollständig, 
befriedigende Verbrennungsverhältnisse"zu erreichen sind. Auch 
bei Auflegen der Kohle vorn und Zuriickschieben nach erfolgter 
Entgasung, welche Bedienungsweise überhaupt nur für mäßige Rost- 
anstrengungen in Betracht kommt, ist es schwer, einigermaßen voll- 
kommene Verbrennung herbeizuführen; besonders der Verlust in 
unverbrannten Gasen kann noch recht erheblich werden. e i 
„ Die zuweilen geäußerte Befürchtung, daß bei Zufuhr von Sekundär-j! 
luft stärkere Temperaturschwankungen auftreten und damit eine" 
schädliche Einwirkung auf die Nietnähte usw. Platz greifen könnte, 
ist nicht gerechtfertigt. da ja tatsächlich die Sekundärluft sofort 
zur Verbrennung der Gase verbraucht wird, so daßinfolge derj 
hiermit verbundenen Wärmeentwickelung bei richtiger Regulierung 
eine schädliche Abkühlung durch sie ausgeschlossen ist. Ohne 
Frage treten bei dem sehr häufig angetroffenen Arbeiten mit vollem, 
Schornsteinzuge, wobei der Rost periodisch leer brennt, erheblich 
stärkere Temperaturschwankungen ein, als sie unter den. gleich- 
mäßigen Verbrennungsverhältnissen, die bei sachgemäßer Verwen- 
dung selbsttätig regelbarer Sekundärluftznfuhr festgestellt wurden, 
zu erwarten sind. 
„Unter den verschiedenen Arten der Sekundärluftzufuhr erwies 
sich diejenige durch die durchbrochene Feuerbrücke am wirksamsten. 
Wenn auch die Unterschiede sowohl hinsichtlich Rauchverminderung 
als Ausnutzung bei den verschiedenen untersuchten Arten der Luft- 
zufuhr nicht groß sind, so ließen sich solche doch feststellen. . Die 
Zufuhr von vorn läßt zweifellos die beste Kontrolle zu, da man die 
Regnlierklappe stets vor Augen hat, und es ist nicht ausgeschlossen, 
daß sich durch eine für möglichst gute Mischung Sorge tragende 
Anordnung hierbei dasselbe erreichen läßt, wie bei Zufuhr durch. 
die Feuerbrücke. Als die von den drei untersuchten Typen ver- 
hältnismäßig am wenigsten günstige Art der Zufuhr der Sekundär- 
luft erwies sich der Raum hinter der Feuerbrücke, da sich an dieser 
Stelle eine hinreichende Mischung schwieriger herbeiführen läßt. 
Die Anordnung eines Einbaues, welcher letztere bewirken soll, übt 
auf die Erzielung höherer Anstrengungen sowie auf die Wärme- 
ausnutzung einen nachteiligen Einfluß aus. 
„Mit dem untersuchten mechanischen Feuerungsapparate 
ließ sich bei Verheizung von Nußkohlen sowohl in bezug auf Rauch- 
entwickelung als auch auf Ausnutzung durchaus Befriedigendes er- 
zielen. Allerdings traten in letzterer Beziehung auch keine besseren 
Verhältnisse ein als bei aufmerksamer Handbeschickung unter sach- 
gemäßer Anwendung von Sekundärluftzufuhr. Die Verbrennung ist 
naturgemäß gleichmäßiger, doch kann hinsichtlich ihrer Vollkommen- 
heit bei der eben erwähnten Methode ungefähr dasselbe erreicht 
werden. Der Handbeschickung ohne Sekundärlüftzufnhr 
ist die mechanische dagegen entschieden überlegen, und ebenso 
besitztfsie gegenüber ersterer mit Sekundärluftzufuhr den 
nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß bei Verheizungen von Nuß- 
kohle die Herbeiführung befriedigender Verhältnisse in geringerer 
Abhängigkeit von der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit- des Hejizers 
möglich ist, was besonders da eine Rolle spielt, woeine genügende 
Beaufsichtigung der Feuerungsanlagen und deren Bedienung fehlt. 
Außerdem kann in größeren Anlagen bei gleichzeitiger Einrichtung 
selbsttätiger Bekohlung der Apparate an Personal gespart werden. 
„Zur Erzielung guter Ausnutzung ist aber "aufmerksame Be- 
handlung und richtiges Verständnis für die Feuerungsvorgänge auch 
nicht zu entbehren. Besonders bei wechselndem Betrieb ist eine 
sachgemäße Regulierung der Brenngeschwindigkeit mit Hilfe des 
Zugschiebers für die Ausnutzungsverhältnisse von ebenso großer 
Bedeutung wie bei Handbeschickung. Sobald mit zu hohem Zuge, 
also mit zu starker Luftzufuhr gearbeitet wird, leidet die Aus- 
nutzung genau so wie dort. 
„Die Zweckmäßigkeit von Wurfapparaten hängt ferner wesent- 
lich von den zur Verwendung kommenden Brennstoffen ab. So- 
bald die Korngröße ungleich oder die Kohle grushaltig wird, läßt 
die Rostbedeckung zu wünschen übrig, und es muß um so häufiger
	        
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