Full text: Gedichte und Uebersetzungen

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Dachte so allerlei, wohl ein Stündchen und zwei, . . . 
Als ihr prächtiges Haus plötzlich vor mir ich merk' ! 
Pfiff eins, fuhr mit der Hand übers Auge, vorbei — 
Und ging fleißjger nur an mein bäuerlich Werk. 
Aber öfter seitdein nahm sie dorthin.den Weg, 
Blieb wohl stehen und sah, wie die Arbeit mir ging; 
Lachte bald auch mit mir, führte manches Gespräch: 
Weshalb ich so betrübt? Und so wenig nur sing'? 
Darauf sage ich nichts; kehr' zur Seite nur mich. 
Und der wirbelnde Kopf sinkt herab auf die Brust. 
„Gieb das Bäumchen mal her ; ich will's pflanzen für dich ! 
Du bist müde und hast auszuruhen wohl Lust!" 
„„Nun, wenn dir es beliebt, Fräulein, üb' dich nur zu; 
Hilf dem Bauern und so mal ein Stündchen verbring' !"" 
Wie die Schaufel sie nahm, fiel ihr Auge im Nu 
Auf die Hand und daran auf den goldenen Ring: 
Dunkler ward es ihr da, als ein regnichter Tag, 
Aus den Wangen ihr wich plötzlich jegliches Blut — 
„ „Fräulein ! Wurde dir schlecht ? That ich dir etwas, sag' ! 
Daß so zürnend dein Blick auf mir Armen nun ruht?" " 
„Von wem hast du den Ring ? Und was ist's für ein Ring ?" 
„„Werd' nur älter und bald ist dir Alles bekannt!"" 
„Gieb mal ! Laß mich ihn sehn! Welchem unnützes Ding !" 
Und die schneeweiße Hand hielt den Finger umspannt. 
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