Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1818, [1])

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Polizei' Md WWW - ZMW. 
Mit Kurfürstlich 
Mittwoch/ den 8“" April i 
Hessischem 
Privilegw. 
818. 
Beförder- und Veränderungen. 
Der Staabö - Capitain Nosenthal vom 
Regiment Landgraf Carl ist zum Amts-Com- 
mijsarius in Steinau allergnadigst ernannt. 
Gemeinnützige Sachen. 
Ueber einige der wichtigstenSeuchen 
der vorzüglichsten Hausthiere. 
(Von dem Thierarzt Thielemann zu Niederaula.) 
;)Ueber dieLungenfeuche des Rindviehes. 
Die Lungenseuche, welche auch mit dem Namen 
Lungenfäule, Lungenbrand, belegt wird, ist ebenfalls 
eine gefährliche Krankheit, die das Rindvieh nicht 
selten, und zwar sowohl einzeln, als seuchenartig 
befällt. Gewöhnlich erscheint dieses Uebel im Herbst 
und Winter, seltener zu einer andern Jahreszeit. 
Kommt diese Krankheit als Seuche vor, so erstreckt 
Üe sich meistens nur auf einen, höchstens auf ein Paar 
^rte, und befällt nicht sämmtlichesRindvieh, sondern 
tmr bald größere, bald geringere Anzahl desselben 
bleibt gänzlich verschont davon. Mehreremale habe 
rch beobachtet, daß sie sich sogar nur auf einen ein; 
Wa Stall eines Ortes beschrankte, und alles übrige 
ml) desselben Ortes gänzlich davon befreiet blieb, 
tue Ansteckbarkeit dieser Krankheit ist man noch 
einig ; indessen geht aus den Erfahrungen der 
besten Beobachter hervor, mit denen meine eigenen 
••"‘fl übereinstimmen, daß sie nicht ansteckend sei. 
Die vorzüglichsten äußern Merkzeichen, welche die 
ses Uebel kennbar machen, sind folgende: die Thiere 
bekommen Anfangs einen kurzen Husten, wobei sie 
gewöhnlich noch ziemlich fressen; bald hierauf verliert 
sich aber mehr oder minder dieFreßlust, das Wieder 
kauen und bei den Kühen die Milch. Nicht lange hier 
nach bekommen sie Fieberanfälle, Schauder und Hitze 
wechseln mit einander, wobei ihnen die Mäuler heiß, 
die Ohren und Hörner bald kalt, bald warm sind. 
Das Athembolen wird geschwinder, die Herzschläge 
vermehren sich, die Thiere schlagen mck dem Flanken, 
und der abgehende Mist ist trocken und schwarz; irr 
der Folge stellt sich auch zuweilen ein Durchfall ein. 
Der Anfangs unbedeutende Husten vermehrt sich, s» 
wie die Lust zum Fressen sich vermindert. Die Kran 
ken bezeigen eine große Mattigkeit, und legen sich, 
dabei doch selten nieder, und wenn sie dieß ja thun,' 
so stehn sie bald wieder auf. Manchmal ist die Krank 
heit so schleichend, und nimmt einen so unbemerkba- 
rcn Gang, daß man an den davon befallenen Thie 
ren nicht eher etwas wahrnimmt, bis das Uebel seine 
höchste Stufe erreicht hat, und die Kranken ihrem 
Ende nahe sind. Der Verlauf der Lungenseuche ist 
meistens langsam; sie dauert oft mehrere Wochen, 
ehe sie sich auf eine oder die andere Art entscheidet. 
Bei der Oeffnung der an diesem Uebel gefallenen 
Thiere findet man die sämmtlichen Eingeweide in der 
Bauchhöhle selten von dem natürlichen Zustande ab 
weichend; in der Brusthöhle, dem eigentlichen Sitz 
dieses Uebels, sind die Lungen, meistens jedoch nur 
ein Flügel davon, hart, angeschwollen, von beträcht 
licher Schwere und rothbraun. Beim Durchschneiden 
haben sie eine marmor-rtige Farbe, und sind oft zum
	        

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