Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

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der sich derselbe sofort zu unterziehen und wenn | 
er Merkmale der Viehseuche dabei wahrnimmt, 
davon demjenigen Landphysikus, zu dessen Bezirk 
der Ort gehört, Anzeige macht, zugleich auch 
wegen der Behandlung des kranken Viehes das 
Nöthige vorschreibt. Ist über die Krankheit 
nicht gleich mit Bestimmtheit zu urtheilen, so 
bleibt das erkrankte Stück Vieh demohngeachtet 
von dem gesunden Vieh völlig abgesondert und ist 
dafür zu sorgen, daß die Vorschriften des Thier 
arztes genau befolgt werden. 
Art. 3. Sobald durch die Untersuchung des 
Thierarztes es außer Zweifel gesetzt ist,, daß das 
erkrankte Vieh von der Vieh, Pest befallen wor 
den ist, so zeigt der Orts-Maire solches dem 
Kanton-Maire unverzüglich an; er giebt auch 
den benachbarten Kommunen und insbesondere 
unverzüglich denjenigen derselben Nachricht da 
von, die mit seiner Kommune am «reisten Ver 
kehr haben, und hebt solchen auf eine Zeitlang 
auf. 
A r t. 4. ' Der Orts - Maire sorgt für die 
Anlegung eines eigenen und allgemeinen Kran- 
i enstalls und sind die Eigenthümer des erkrankten 
Wiehes, ohne alle Ausnahme der Person, ver 
bunden, solches in denselben hinzustellen; sie kön- j 
rren aus keine Weise verlangen, solches abgeson 
dert in ihren Stallen zu behalten und cs muß» der 
etwaigen Weigerung durch Zwangsmittel begegnet 
werden. 
Art. 5. Für jeden Kranken stall wird von 
der Gemeinde ein Viehwarter angestellt, dessen 
Geschäft darin bestehet: 
a) das kranke Vieh gehörig zu futtern, zu 
tranken und überhaupt zu warten; 
b) das Milch - Vieh täglich zwei oder mehr 
mal zu melken, und die Milch zu vergra 
ben; 
c) die Stalle mehreremalen des Tages zu 
reinigen und den herausgebrachten Mist tief 
unterzugraben; 
Z) die Ställe gehörig zu lüften und nöthigen- 
falls mit luftreinigenden Dingen zu durch 
räuchern ; 
e) auf das Verhalten des kranken Viehes ge 
nau acht zu haben, um dem Thierarzt bei 
den täglichen Visitationen davon Nachricht 
geben zu können. 
Art. 6. Giebt der Thierarzt, in Ei Ver 
ständniß mit dem Kommune-Maire, die Her 
stellung und Erhaltung eines Stücks Vieh ans, 
so muß solches, selbst wider Willen des Eigen- 
thümers, getödtet werden. Dieß kann jedoch 
nur auf der Grabestelle geschehen, nnd es muß 
der Mist und das Blut, welches auf dem Wege 
dahin dem Vieh etwa entfällt, sofort einige Fuß 
tief untergegraben werden. 
Art. 7. Das indem Krankenstall krepirte 
Vieh wird auf einer Schleife zur Grabstelle ge- 
schaft. Diese muß von öffentlichen Wegen und 
Triften so viel, wie möglich, entfernt gewählt,— 
wenigstens in großer Entfernung von dem Trift- 
Vieh vermieden werden. Der Transport des 
gefallenen Viehes, vorzüglich wenn der Weg vom 
Krankenstalle zur Grabstelle durch den Ort gehet, 
muß zu einer Zeit geschehen, wo das gesunde 
Vieh ausgetrieben ist. 
Art. 8. Die Gruben zur Verscharrung des 
Viehes müssen 6 bis 8 Fuß tief angelegt und der 
zu der Grabstelle bestimmte Bezirk etwa mit einem 
Graben umgeben werden, um dessen Zugänglich 
keit zu vermeiden. 
Art. 9. Die Ablederung des gefallenen oder 
getödteten Viehes ist durchaus verboten, es soll 
mit Haut und Haare, nachdem die Haut über den 
ganzen Körper eingeschnitten worden, vergraben 
werden. Zeigt sich starke Verbreitung der Krank 
heit , so muß selbst das verscharrte Vieh in der 
Grube mit ungelöschtem Kalke bedeckt werden. 
Art. io. Die Oeffnung der Kadaver darf 
nur dann zugegeben werden, wenn eine Obduktion 
derselben durch den Landphysikus vorgenommen 
werden soll. Sie muß aber immer auf der Gra 
bestelle geschehen und es bleibt jederzeit verbothen, 
Talg n. s. w. herauszunehmen. 
Art. ir. Es versteht sich von selbst, daß 
von dem Augenblicke an, wo die mehrerwähnte 
Krankheit unter dem Vieh an einem Orte wahr 
genommen wird, davon auf keine Weise etwas 
verführt werden darf und um gegen die Eigen 
thümer des Viehes hierunter eine Controlle zu 
haben, müssen die Herrn Maires bei dem Aus-
	        

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