Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1811)

N» 20 . Kassel, 
Feuilleton 
des Westphäl ischen 
Sonntag den ivtenMärz i8u* 
' —g' " *+*+*« 
oder Supplement 
Moniteurs. 
. Kassel. 
Zufolge, einer Bestimmung Sr. Exzellenz des Herrn 
Finanz »Ministers sollen alle Verhandlungen, welche 
die Einsendung und Rückzahlung der Depositcn-Gelder 
betreffen, gleich allen, das Privat-Jntercsse betreffen 
den Sachen, in Gemäßheit des König!. Dekretes vom 
7ten Juni v. I., dem Stempel unterwerfen seyn. 
Zufolge einer Entscheidung desselben Herrn Mini 
sters Exzellenz sollen für dieZukunft die an die Amor- 
tisations - Kasse einzuschickende und von ihr zurückru- 
zahlende Depofiten-Telder mit der Hälfte deS gewöhn 
lichen Porto belegt werden, so wie auch dem ordent 
lichen Stempel unterworfen seyn. 
Industrie. 
Wenn wir das Gebiet der organischen Natur mit 
einiger Aufmerksamkeit beleuchten und den Gang der 
Schöpfung besonders in den Gewächsen mit forschen 
dem Auge verfolgen, so finden wir bald, daß die Vor 
sehung mchrenthcils alle unsere Bedürfnisse schon in 
der Nahe um uns ausgespendcl hat. 
Wir finden ferner, daß die gütige Natur gerade in 
aiejenigen Vcgetabilien, denen sie die Gabe versagte, 
als Nahrungsmittel für Menschen und Thiere benutzt 
werden zu können; solche Grundstoffe und Eigenschaf 
ten gelegt hat, die für die Gewerbe nützlich sind und 
sie zu Manufakturpfianzcn machen. 
Endlich finden wir, daß diese letzter«, da sic nur 
den zweiten Rang in der Nutzbarkeit einnehmen soll 
ten , auf den schlechtesten TheU des Erdbodens zu ih 
rer Fortpflanzung angewiesen sind. Mit diesen vor 
liebnehmend erfüllen sie auf steinigten und sumpfigen 
Boden ihren Beruf ohne den Nahrungspflanzcn am 
guten Boden Abbruch zu thun. Als Beispiele darf 
man nur die Farnkräuter, Brennesseln, Wermnth, 
den Wacholderstrauch, die Pestilenzwurzel und die 
Klette anführen. * 
Daß wir nun aber die Befriedigung unserer Be 
dürfnisse oft und vielfach nur in entfernten Wcltge- 
genden finden mußten, nicht.auf eigenen Boden fan 
den ' davon sind die Ursachen verschieden. 
Giebt die Vorsehung es zu, daß der Mensch man- 
ches Produkt des eigenen Bodens verkennt, so wie 
das des fremden Bodens begierig aufnimmt und sich 
unentbehrlich macht, so verbindet dies auf der <ww 
dern Seite ja auch Völker mit Völkern von einem Pol 
zum andern, und brüderlich bietet man sich die Hän- 
de, um abzunehmen und mitzutheilen, was jeder für 
sein Theil angemessen findet. Perioden aber, wie die 
jetzige, wo Feindschaft eine Scheidewand gezogen, be/ 
llchren uns nur zu schmerzlich, wie nachteilig es ist, 
wenn man sich in Betreff seiner Bedürfnisse zu sehr 
ans Ausland gewöhnt hat. 
Es gehört ohnehin zu den Eigenheiten der mensch« 
- ltchen Handlungen, daß man nur zu gern dem, was 
man nur in der Ferne haben kann, den Vorzug giebt 
vor dem was die Nähe darbietet, daher es dann 
kommt, daß man so manches vaterländische Produkt 
für nichts achtet und unbenutzt der Fäulniß überläßt, 
' was Loch bei näherer Beleuchtung ein und ebendas 
selbe ist, so man seit einem halben Jahrtausend aus Asien 
und Afrika, oft nur in einer andern Form geholt hat, 
und das die Völker jener Weltgegenden, in der dama 
ligen glücklichen Periode ihrer Aufgeklärtheit klng ge 
nug, dem noch roheren Menschengeschlecht unsers Welt- 
theils aufzubürden wußten. Daß hierdurch viele va 
terländische Erzeugnisse unbenutzt bleiben und die In 
dustrie Eurvpens auf eine Zeitlang gefesselt werden 
mußte, war wohl eine natürliche Folge, denn brauch 
ten die Menschen wohl ängstlich auf eigenem Boden zu 
suchen, was ihnen in ganzen Schiffsladungen wohl 
feil genug aus transatlantlfchen Himmelsstrichen zu 
geführt wurde? 
Aber wie sehr hat sich die Ansicht durch die allge 
meine Umwälzung der Dinge verändert; selbst in der 
jetzigen Periode der Entbehrungen und Verstopfung 
jener ausländischen Quellen, die uns nur gegen Gold 
rieseln wollen, schmachtet noch unsere Industrie zwi 
schen Finsterniß und Licht; und letzteres wird uns um 
so später leuchten, je länger man zaudert, durch kräf 
tige Maßregeln die Produkte unsers gesegneten DodenS 
mit denen der fremden Welttheile in richtige chemische 
Vergleichung zu stellen. 
Daß dieses aber, wenn es mit bedeutendem Erfolg 
gekrönt werden soll, nicht das Wcck-einzelner von den 
gehörigen Hülfsqurllen entblößter Individuen seyn 
kann ) daß aber dermalen dieser Gegenstand richtig ge 
nug ist, wenn die Regenten Europas dazu eine Kom 
mission sachverständiger Männer mit litterarischen 
, Hülfsmitteln versehe», erwählen wollten, dies bedarf 
45
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.