Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

Die Bereitung eines reinen und wohlfeilen Sy- 
rups aus Runkelrüben. 
'(Man sehe das vorige Stück/ Art. Göttingen.) 
Die Runkelrüben, welche auf alt gedüngtem Lande 
und nicht in Lchafoünger gewachsen sind, geben den 
reinsten Saft. Sie werden zuoer gewaschen und ge 
schält, und die Krone, nebst dem Theile der Rübe, 
welcher über der Erde gewachsen und gewöhnlich holzig 
und saftleer ist, wird zu Viehfukter zurückgeworfen. 
Die gereinigten Rüben werden auf einer starken Reibe 
von Eisenblech, mit größcrn Löchern als in den ge 
wöhnlichen Reiben, so fein als möglich zerrieben, und 
der daraus entstandene Brei wird alsbald mittelst ei 
ner Obst- oder andern Presse rein ausgepreßt, der Saft 
in ein reines hölzernes Gefäß gethan, »ind darin 6 bis 
12 Stunden ruhig stehen gelassen, damit er sich fetze. 
Ist dieses geschehen, so wird der obere klare Saft ab, 
gegossen, der Bodensatz mit Wasser verdünnet, und 
nach nachmaligem Setzen ebenfalls abgegossen- Der 
klare abgegossene Saft wird sodann zu Feuer gebracht, 
jedoch ein wenig kalter Saft zurückbehalten, um zu 
Verhütung des Uebcrkochens etwas hinzugießen zu 
können. Zu jedem Eimer voll Saft giebt man zwei 
Loth Kreide in groben Stücken, und eine Handvoll 
Holzkohlen, welche bis.zur Größe einer Feldbohne zer 
stoßen und durchgesiebet seyn müssen, damit alle Asche 
und der Kohlenstaub zurück bleibe. 
Wenn der Saft mit der Kreide und den Kohlen zwei 
Stunden gekocht hat, so wird auf jeden Eimer voll 
rohen Safte ein viertel Quartier frisches Rinderblut 
genommen, welches, nachdem es zuvor mit einem Bis- 
qurtbesen stark geschlagen und anfänglich mit etwas 
kalten Runkelnsaft, und zuseht mit dergleichen heilen 
verdünnet worden, zu dem kochenden Safte langsam, 
unter beständigem Umrühren hinzugegossen wird. Hat 
nun hiermit der Saft unter fernern Umrühren noch eine 
Stunde und so lange gekocht, daß man sieht, das dar 
unter befindliche Blut gerinne etwas, und der Saft 
werde merklich klarer, so wird die ganz^Maffe in höl 
zerne Gefäße ausgefüllt, und 6 bis 8 Stunden stehen 
gelassen, bis sie sich gefetzt und abgekläret hat. Un 
terdessen werden einige linnene Tücher dergestalt lose 
aufgespannt, als wenn man Gelee abklären will. Hier 
durch wir» der Saft, und zwar zuerst der obere klare 
, filtriret und nunmehr bei mäßigem Feuer bis zur Sy- 
rupsdicke eingekocht, der Bodensatz aber, welcher 
langsamer durch die Filtrirtücher ziehet, nach und nach 
zu der kochenden Masse hinzu gegossen. 
Da ans einem Himbtcn Runkelrüben, welcher etwa 
6 Ggr. kostet, 5 bis 7 Pfund des reinsten au dck mchr- 
sten Speisen start des Zuckers zugebrauchcndcnSyrups , 
gewonnen werden; von den Rüben selbst aber noch 
vieler Abgang zur Viehfutterung bleibt, so wird durch 
diese Fabrikation die angewandte Mühe und Feurung 
hinlänglich belohnt. 
Präfektur = Verfügungen und Vekannt.ua- 
chungen anderer- öffentlichen Behörden. 
Präfektur - Beschluß. 
Der Präfekt des Fulda-Departements. 
Nach Ansicht des roten Artikels des Königl.Dekrets 
vom 6tcn August 1508 , welcher cs den Mairie»Ad 
junkten zur Pflicht macht, in denjenigen Kommünen, 
deren Bevölkerung sich nickt auf5000 Seelen belauft, 
die Polizei-Kommissaire bei den Mauizipal-Polizei- 
Gerichten zu vertreten; 
In Erwägung: 
1. daß die gedachten Herren Adjunkten hierdurch 
den Munizrpal-Kasscn einen bedeutenden Vortheil ver 
schaffen, 
2. daß dieses Geschäft jedoch mit mannigfachen Be 
schwerden und Versäumnissen verbunden ist, und daß 
es daher 
Z. den Herren Adjunkten bei dem Mangel eines 
fixen Gehaltes um so weniger zugemurbet werden kann, 
sich demselben ganz unentgcldlich zu unterziehen, 
beschließt 
Art. i. Den Mairie-Adjunkten, welche die Stelle 
der Polizei-Kommissaire bei den Munizipal-Polizei- 
Gerichten vertreten, soll vom neu Jan. künftigen Jah 
res an, Ein Driltheil dcr.auf ihr Betreiben erkannten 
in die Munizipal »'Kassen fließenden Polizei-Strafen 
als Entschädigung für Vcrsäunmiß und Reisekosten 
zugebilliget werden. 
Art. 2. Die Herren Untcrpräfecten und Kantons- 
Maires des Fulda-Deparrements sind mit der Vollzie 
hung des gegenwärtigen Beschlusses beauftragt, wel 
cher in die hiesige allgemeine Zeitung eingerückt wer, 
den soll. 
Kassel, den i4ten Dccemb. i8io. 
Der Präfekt drs Fuldadepartements, 
von Reim a n. 
Cirkulare an die Herren Kanton - Maires deS 
Fuldadepartements. 
Es sind Beschwerden darüber eingclaufen, daß Sei 
tens der Herren Kanton Maires die in die Munizipal- 
Polizei-Kassen fließenden Geldstrafen, gleich andern 
Gemeinds-Rückständen, im Wege der Exekuliou bei 
getrieben wären. Um ähnlichen Beschwerden zuvor zu 
kommen, mache ich daher sämmkliche Herren Maires 
meines Departements' auf das Königliche Dekret vom 
i2ten Jan. d. I. Art. 6. aufmerksam, woruach die 
Beitreibung dieser Geldstrafen bloß den Hussiers ob 
liegt, und fordere Sie zugleich auf, nach diesen Be 
stimmungen auf das genaueste sich zu achten. 
Kassel am i4ten Decemb. igio. 
Der Präfekt des Fuldadepartcments,. 
von Reiman.
	        

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