Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

Ni i 85 . Kassel, 
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v Feuilleton 
des Westphäl ischen 
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Montag den 17. Decembcr i8lo. 
.... Supplement 
SB 0 « i t Ml t «. 
Kassel. 
f>„ Moniteur macht ein sehr wichtiges Dekret in 
Betreff des Loskaufs der zum Reffort der Domainen 
gehörigen Prästazionen und Grundabgaben vermittelst 
Westphalischer Staats-Obligazionen bekannt, wodurch 
die Nachfrage »ach diesen, wie leicht vorauszmehen 
ist, und das Steigen ihres Kourses in-Kurzem sehr 
beträchtlich werden muß. ' - - 
Aus einem Schreiben aus Göttingen, vom 6ten 
Dezember. . 
Bei den gegenwärtigen Verhältnissen,.welche einen 
Mangel, oder wenigstens eine bedeutende Ste.igeruyg 
der Kolonial «Waaren zur Folge haben müssen, wer« 
- den die Gedanken eines jeden Patrioten dahin Zcrich, 
tet seyn, sich und seine Mitbürger, so.viel möglich, 
< von der Zinsbarkeit unabhängig zu machen, welche 
uns der fortgesetzte Gebrauch der -Kolonial - Waaren 
bisher aufgelegt hat. 
Wenn viele Personen zwar zugestehen, daß die mei 
sten dieser Waaren sich ganz entbehren lassen, so fügt 
man sich doch gewöhnlich in Ansehung des Zuckers 
unter die harte Nothwendigkeit, und bezahlt, was 
nur gefordert wird. ES ist wahr, wir sind an den 
Gebrauch des reinen Süßungsmittels, welches der 
Zucker gewahrt, so vielfach und so durchgängig ge 
wöhnt, daß an eine allgemeine Entsagung desselben 
nicht leicht zu denken ist: und leider ist .man bis jetzt 
bei der Fabrikation des Zuckers aus inländischen Pro 
dukten noch aut so viele Schwierigkeiten.gestoßen, sie 
erfordert so große Anlagen, daß man eine allgemeine 
Befriedigung der Nachfrage mit solchem Zucker noch 
nicht hoffen darf. 
Der Gebrauch des Zuckers läßt sich indessen in vie 
len Fällen durch Syrup ersetzen, cs ist also schon viel 
gewonnen, wenn man versteht, auf eine wohlfeile uud 
leichte Weise aus einem wenig kostbaren inläudischen 
Produkte Syrup zu gewinnen, welcher dem Kolonial- 
Syrup an Güte und Reinheit vollkommen gleich kömmt. 
Solcher Syrup wird hier aus Runkelrüben von ei 
ner sehr achtungswerthen und kenntnißreichen Haus 
frau verfertiget, welche jetzt, wie-schon.früher, eben 
so bereitwillig in Mittheil« ng der DcLfahruugsvvr- 
schrift zur allgemeinen Bekanntmachung gewesen ist, 
als -sie nur mit Müche hat bewogen werden können, 
sich öffentlich nennen- zu lassen- Di-eß war aber doch 
nöthig, um die Landwirthe der hiesigen Gegend, Wels 
chen sie nicht unbekaimt ist, zu überzeugen, daß hier 
nicht von einem mianwerrdbaren Projekt, .sondern von 
einem recht praktischen Mittel.die Rede ist. 
Die Borschrist, welche die-Frau-Hypotheken'De, 
-wahrerm Zachariä-mitzutheilen die Güte gehabe 
hat, - steht - hierunter abgedruckt. 
Ueber die Vortrefflichkeit des Syrups iss bei allen, 
wckche ihn gekostet haben, nuv eine Stimme. Auch 
nicht der geringste Beigeschmack ist zurückgeblieben. 
Die Leichtigkeit der. Fabrikation, welche fle beinahe 
für jeden-Landhaushalt anwendbar macht, und dev 
große Vortheil, besonders da,-wo cs an Feuerungs, 
Material-nicht fehlte fallen in die Augen. 
Ich bemerke nur noch, daß auf Reinlichkeit und ge,' 
naue Befolgung der Vorschrift sehr viel ankömmt, 
daß — da die Runkelrübe gegen das Frühjahr nicht 
s» vielen und reinen Eaf: giebt, als tm Herbst und 
Anfange des Winters — die Bereitung alsdann ge 
schehen muß, und daß, wenn-über einen oder den 
andern Punkt der Fabrikation Jemand noch weitere 
Aufklärung wünscht, Madame Zachariä solche auf 
geschehene- Anfrage zu geben bereit ist. 
(Die Vorschrift für die Bereitung dieses Syrup't 
folgt im nächsten Stück.) 
Die Einwohner des im Helmstädter Distrikt des Okerr 
departcments belegenen OrtS Vorsfelde befinden sich in 
einer höchst beunruhigenden Lage, indem seit ü Wochen 
und zuletzt am 26. Nov. zum drirtenmale Feuer daselbst 
' entstand, welches schreck! rcheFolgni gehabt haben würde, 
' wenn nicht eine Windstille eingetreten wäre; doch brann 
ten jedesmal, einige Gebäude ab. Es ist mehr denn zu 
wahrscheinlich, daß Brandstiftung, sey cs auch, unter 
welchem Grunde cs wolle, dort statt gefunden; und es 
ist sehr zu wünschen, daß man dahin gelangen möchte, 
dieThätcv, aufweiche das kürzlich in Magdeburg gege 
bene schrecklicheBelspiel keinen Eindruck gemacht zuha 
ben scheint, zu entdecken, und zur wohl verdienten Strafe 
zu ziehen. '<« - 
. FolgendesistdervonSr. Exz.dcmHrn.Finanzminifter 
. genehmigte vollsiändigeTar f, nach welchem bei Kolo- 
* maiwaaren dieEingangsabgaben erhoben werden soll:
	        

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