Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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schem Bilk werk vorkommen; um den Hals des Ge 
säßes herum läuft die fremde Schrift. Da Hr. H. 
eine Sammlung von Zeichnungen der übrigen Gefäße 
hat, so war er im Stande, die verschiedenen Gegen 
stände anzuführen; aberda die Zahl der Zeichnungen 
von jenen angeblichen Gefäßen bis gegen hundert ge 
het, so läßt sich nur im Allgemeinen so viel anführen: 
ein großer Theil sind Gegenstände aus der gewöhnli 
chen Knnstmytholoaie, wie sie auf alten Werken vor 
kommen: Neptun, Venus und Kupido, Fortuna, Ne 
reiden und Tritonen, vorzüglich eine Menge Priapen; 
nur einzeln kommen vor: Jupiter, die Dioskuren, 
Merkure, Harpokrates, Pan, Satyrn, gehörnt, zwei 
Mal die Göttinn Occafio: allein im Ausdruck, 
der Stellung, Handlung, dem Attribut, Symbol, 
kömmt immer Etwas vor, was vom Gewöhnlichen 
abweicht; dagegen sind eine Menge ganz fremde, selt 
same, abenteuerliche, Gegenstände vorgestellt, die 
ans spätern Zeiten oder von ganz eigener Dichtung 
sind, einige Römische Rellcfs, Vieles aus dem Ae- 
gyptifchen, auch aus dem Phönicischen, entlehnt; aber 
nicht immer erblickt man das echte Kostüme,, noch 
Etil, noch Zusammenstellung; Schlangen häufig; 
Vögel, die man für Ibis, Specht, Phönix, halten 
kann; daneben auch solche, wie sie auf den Abraxas, 
Talismanen, gnostischcn Steinen und bronzenen Ble 
chen oder Platten, bemerkt werden; endlich auch un 
bedeutende Figuren von Menschen und Sachen, mit 
denen der leere Raum ausgefüllt wird, oder die an 
derwärts bloß Künstler-Ideen ohne weitere Bedeutung 
sind. Nur wird das Auge wieder beleidigt, daß man 
keinen Zusammenhang, auf der andern Seite aber 
Mischung von den heterogensten Dingen, antrifft, 
welche wohl einzeln sonst auf alten Kunstwerken vor 
kommen. 
(Der Beschluß folgt.) 
F r n a n z - M i n i st e r i u m. 
Airkularschreiben Sr. Exzellenz des Herrn Finanz- 
ministers, für die Beamten der indirekten 
Steuern. 
Kassel, den 4ten Novemb. i8io. 
Mein Herr! 
Es ist angefragt worden: ob die anfStempelpapie- 
ren der vormaligen Gouvernements ausgefertigten Ur 
kunden, wenn sie jetzt bei den Gerichten präftntirt 
werden, mit neuen Stempelpapieren belegt seyn 
müssen; welche Stempelpapicre zu den Aufgebotsur- 
kundcn die an die Kirchthüren angeheftet werden, und 
zu den nach der Proklamation ertheilten Dimissorialles 
zu adhibircn; ob mehrere von den Civilstandsbeamten 
auszustellende Geburts- und Todtenscheine auf Einem 
Stempclbvgeu auszufertigen; ob die Instruktions-oder 
Unrersuchungsprotokolle in Strafsachen stempelftei, 
und endlich welche Urkunden unter dem im LarifNr. 79. 
genannten, ehemals üblichen, jetzt abgeschafften Edik- 
talzitationen verstanden sind, weshalb ich hierdurch 
folgende Entscheidung zur weitern Bekanntmachung 
erlasse. c 
Alle ältere Urkunden, welche schon mit frühern Stem 
pelpapieren versehen sind, bedürfen, vorausgesetzt, 
daß sic ein gewisses Datum im Sinne des Code Napo 
leon enthalten, der neuen Stempel nicht, weil die Ge 
setze keine rückwürkende Kraft haben können; zu den 
Aufgcboteanschlägen an den Kirchlhüren aber, ist Nr. 
28 des Tarifs, so wie zu den Bimtssorialcs nach der 
Proklamation, im Dekret Art. Z. Nr. 16, die Anwen 
dung eines Stempels von überhaupt 25 Centimen vor 
geschrieben. 
Für einen jeden der Geburts - und Todtenscheine setzt 
der Tarif Nr. 107 und 214 einen Stempelsatz fest, 
folglich kann es auch nicht gestattet werden, zum Nach 
theil des Stempelinteresse auf Einem Bogen mehrere 
dieser Scheine auszufertigen. 
Was dieInstruktionsprotokolle in Strafsachen anbe 
trifft, jo sind diese, da nur die Register der Tribunäle 
nebst der dazu gehörigen Mmute, aber nicht der Sre- 
zialprotokolle der Partheicn Stempelfrcihcit erhalten 
haben, dem dafür besonders bestimmten Stempel un 
terworfen, in Ansehung der Ediktalcirationen, welcher 
der Tarif Nr. 7 y gedenkt, muß ich jedoch bemerklich 
machen, daß der dabei allegirte Art. des Code Napo 
leon nicht^Nr. 115, sondern ns heissen soll, und daß 
also der Stempel von 2 Franken besonderer Steuer le 
diglich für die darin genannten Abwesenheitserklärun 
gen nöthig ist. 
Ich habe die Ehre Sie mit Achtung zu begrüßen. 
Der Finanz-Minister, 
unterz. v. Bülow. 
General-Stempel-Administration. 
An den Herrn Präfekten des Fuldadepartements. 
Mein Herr Präfekt! 
Nach Ansicht der unter Nr. 209 enthaltenen Dispo 
sition in dem, dem königl. Dekret vom 7ten Juni d. I. 
über die Stempelabgabe «»geschlossenen Tarif ist an 
einigen Orten bezweifelt worden, ob und welche 
Stempel die Subhastativns-Patente, wenn die Taxr 
unter 1000 Franken beträgt, tragen müssen, weshalb 
ich hierdurch folgende Entscheidung erlasse. 
Alle Subhastatione-Patente von Immobilien, bis 
zu iooo Franken, bezahlen 50 Centimen, die über 
1000 Fr., r Fr. besondern und 25 Cent, ordentlichen 
Stempel, folglich bezahlen auch die Cubhastarions- 
Patente unter 1000 Fr. den Stempel von 5^- Cent, be 
sonderer und 25 Cent, ordentlicher Steuer. Wollte 
man annehmen, daß der letztgedachte Steuersatz ledig 
lich für die Subhastarions.Patente von iqoo Fr. be 
stimmt sey; so würden dazu drei verschiedene Ltemptl,
	        

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