Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

N°. 150. 
Kassel, 
Feuilleton 
des Westphälischen 
Mitivochen den 7. November 1810." 
od-r Supplement 
Moniteurs. 
Kassel. 
k^as hierdurch ein königl. Dekret etabllrte Prisen 
ge richt ist bereits in voller Thätigkeit. Mitglieder 
desselben sind zwei Generalinspektoren der indirekten 
Steuern und Herr W i n d e m u t h als Kriminalrichter. 
Von Sr. Exzell, dem Herrn Finanzminister ist eine 
Kommission ernannt worden, die aus den Generali«, 
spektoren der indirekten Steuern, Fein und Heili 
ger, dem Douanendirektor Sch löste und demZoll- 
kommissarius Niemeyer besteht, um das Douanen, 
wesen des Königreichs zu organisircn. Es sind des, 
halb von diesen Mitgliedern bereits verschiedene Vor 
arbeiten und Gränzbereisungen unternommen worden, 
die in der Kommission, welche nächstens in Hannover 
zusammentreten wird, geprüft werden sollen. Wenn 
alsdann die Entwürfe dieser Kommission zum neuen 
Douanen-Systeme die höhere Genehmigung werden 
erhalten haben, so wird dasselbe mit dem Anfange des 
nächsten Jahres im Königreich Westphalen in Kraft 
treten. 
Durch ein unglückliches Ereigniß, dessen nähere Ver 
anlassung man noch nicht kennt, brannten in der Ge 
meinde Klein - Berndten im Kanton Pustleben, 
Distrikt Nordhausen im Harzdepartement, vom löten 
bis i7ten Oktober die Kirche, das Schulhaus, sieben 
andere Wohnhäuser, io Scheunen und 40 Stallungen 
ab. Die Abgebrannten in diesem ohnehin sehr armen 
Dorfe verloren Alles, was ihnen bei dem herannahen 
den Winter am empfindlichsten seyn muß: die ganze 
Erndte und alles gesammelte Viehfutter. Wohlthätige 
Nachbaren, unter denen sich mit edlen Eifer, beson 
ders die nahe belegenen fürstlich Schwarzenburgischen 
Gemeinden rühmlich auszeichneten, haben sich be 
müht, die Verunglückten sowohl durch Beitrage an 
Geld als durch Lebensmittel, Getraide und Futter zu 
unterstützen; aber der Schade» ist zu groß, als daß 
nicht die Hülfe mehrerer erforderlich wäre, um ihn 
wirksam zu mindern. 
Bei dem Brande der am roten Oktober in eben die 
sem Departement zu Oberdorla vorfiel, verdankte 
die Gemeinde es hauptsächlich der entschlossenen Thä 
tigkeit des Zimmermannö IakobWeiß, daß das an 
die brennenden Wirthfchaftsgebäude stoßende Wohn- 
Haus gerettet und dadurch dem weitern Verbreiten der 
Flamme Einhalt gethan wurde. Auch zeichnete sich 
der Schx-iner Dübel bei dieser Gelegenheit dadurch 
aus, daß er aus dem in vollem Brande stehende» 
Stalle das darin noch befindliche Vieh rettete. 
In der Nacht vom 25ten auf den 26ten Oktober 
brach in dem Brauhaus zu Marburg plötzlich ein hef 
tiges Feuer aus. Nur der Thätigkeit der öffentlichen 
Behörden und dem kühnen, jeder Gefahr trotzenden 
Benehmen, womit die Bürger und besonders dieBau- 
professionisten sich der reißend um sich greifenden Flam 
men, mit einem des engen Lokals wegen besonders 
bewunderungswürdigen glücklichen Erfolg zu bemei- 
stern wußten, hat man die Verhütung eines größer» 
Unglücks zu verdanken. Rühmlich war bei dieser Ge 
legenheit zugleich der thätige Beistand der Studenten 
und das uncrmüdete Bemühen der Marbnrgcr junge» 
Mädchen in Herbeischaffung des nöthigen Wassers, 
womit diese mittelbar zur Löschung das meiste mitge 
wirkt haben. Mit Dank verdienen auch mehrere aus, 
wattige Gemeinden genannt zu werden, worunter die 
Gemeinde Gladebach aus dem Großhcrzogthum 
Hessen sich besonders auszeichnete, die unter Anfüh 
rung ihres würdigen Schultheißen mit 30 Mann und 
ihrer Feuerspritze zu Hülfe eilte und die schönste und 
wirksamste nachbarliche Theilnahme an den Tag legte. 
M i S z e l l r n. 
Allgemein hört man die Klagen, daß das Geld in 
unsern Tagen so selten sey, und doch ist es zu keiner 
Zeit in so großer Menge vorhanden gewesen als eben 
jetzt. Das Geld ist gegenwärtig nicht selten, son 
dern wohlfeil, und diese Wohlfeilheit bringt allein 
die Erscheinung hervor, daß man jetzt bei weitem nicht 
so viel mit der nämlichenSumme Geldes auszurichten 
vermag,' wie ehemals. Als Beleg hierzu diene fol 
gender Auszug aus der Haushaltungcrcchuung des 
ehemaligen Landgraflich - hessischen Hofes im rzten 
Jahrhundert, noch vor Philipp dem Großmü 
thigen, als noch alle hessische Lander sich unter ei 
ner Herrschaft vereinigt befanden. Merkwürdig ist 
dabei zugleich die damalige Einfachheit der Sittin in 
Vergleichung mit dem Luxus unsers Zeitalters. 
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