Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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Er berkieß an demselben Tage den Dickst, den er 
bis dahin auf dem Hofe seines verstorbenen Bruders 
verrichtet hatte, und zog zu seiner Schwester nach Le 
benstedt, die in zweiter Ehe mit dem Korhsassen Karl 
Homanu verehelicht war. Dieser nahm ihn nun in 
seinen Dienst, kündigte ihm jedoch nach Ablauf von 3 
Jahren denselben aus, weil Eggeling die Pferde vernach 
lässigte, behielt ihn inzwischen im Hofe, wo Eggeling 
»ach seinem Gefallen eine und andere Arbeiten ver 
richtete. 
Am 23. Iuniuc d. I. Morgens, etwa zwischen io 
und ii Uhr, begab sich Eggeling, seinen Geständnissen 
zufolge, mit einer Mülksiäcke versehen, auf das ohn- 
weit dem Dorfe belcgcnc Kartofleln-Feld seines Schwa 
gers, wo dessen beide Söhne (von denen der älteste 
ein Stiefsohn seiner Schwester war) bereits mir Be 
hacken beschäftiget waren. Auch Eggeling stellte sich 
zum Behacken an; als indeß der älteste Homannsche 
Sohn seine Reihe geendigt und um eine andere Reihe 
anzufangen, hinter Eggeling herdurchging, hob die 
ser feine Hacke auf und schlug damit den Heinrich Ho- 
mann so heftig auf den Kopf, daß dieser sogleich zu 
Boden stürzte. Hierauf wandte sich Eggeling gegen 
den jüugern, Karl Hamann, der seinem ältern Bru 
der gefolgt war, und da dieser die Hacke aufgehoben 
hatte, so versetzte Eggeling auch diesem einen so Hess 
tigen Schlag in die Schlafe, daß derselbe ebenfalls 
zur Erde stürzte. Seiner Angabe nach wandte sich 
nun Eggeling wieder zu dem ältesten Homann, ver 
setzte diesem einen zweiten Schlag, schlug auf den 
jüugern noch einmal ein, nahm hiernachst die beiden 
Kohlhacken der Erschlagenen, kehrte nach Hause zu- - 
rück und warf solche nebst der seinigen, die voll Blut 
bespricht war, hinter den Zaun au die Scheure. 
Erst spat um Mittag aus wurde die That durch die 
Mutter der Erschlagenen entdeckt, als dieselbe ihre 
Söhne zum Mittagsessen rufen wollte. Ihrer Angabe 
zufolge fand sie den ältesten, ihren Stiefsohn, bereits 
todt, den jüugern hingegen schwach athmend, jedoch 
auch dieser verschied nach Verlauf crner kurzen Zeit. 
Eggeling hatte gleich nach seiner Zuhausekuuft'seiue 
geladene Flinte und seinen Geldvorrath zu sich ge 
nommen und den Weg nach Braunschweig hin einge 
schlagen; da nun nach entdcckter-Mvrdthat unter den 
Lebcnstedtschen Einwohnern das Gerücht sich verbrei 
tete, daß Eggeling willens sey, auch seinen Schwa 
ger, der an diesem Tage nach Bräunschweig gefahren 
war, ume Leben zu bringen, so wurden mehrere Ein- 
wvhtrer abgeschickt, um diesen von dessen Vorsätze zu 
benachrichtigen. 
Inzwischen kehrte Eggeling nach Verlauf einer kur 
ten Zeit nach Lebenstedt zurück, schlug jedoch, als er 
in die Nähe Dorfes kam, den Weg seitwärts ein, 
und erreichte, ehe er verhaftet werden konnte, das Holz. 
Auf die Frage mehrerer Einwohner; 
„Hennig, was hast du gemacht?! 
antwortete er; 
60 ) 
. „wie die Alken pfiffen, so sangen die Jungen, ei- 
„ne.m Jeden ist sein Leben lieb. 
Unterweges erzählte Eggeling mehrern auf dem 
Felds arbeitenden Personen, er habe einen dummen 
Streich gemacht und seines Schwagers beide Söhne 
erschlagen; sie hätten aber ihn todtschlagen wollen: 
der Todtschläger gehe vor dem Ehebrecher ins Him 
melreich. 
Da zu vermuthen war, daß Eggeling seinen Weg 
nach Flachstöckheim nehmen würde, so wurde der Orts 
maire daselbst von dem Vorfall benachrichtigt, mit 
dem Ersuchen, denselben im Betretungsfalle zu ver 
haften. Am 24WN Morgens um 5 Uhr traf auch Eg 
geling auf dem Hofe feines verstorbenen Bruders ein, 
winkte dem daselbst dienenden Knecht mit in die Srube 
zu gehen und erzählte sowohl diesem als mehrern hin 
zukommenden Verwandten und Einwohnern Flachstöck- 
heims den Vorfall unter Lachen mit den Worten: „er 
- habe einen Hagelöstreich gemacht, und die Homanni- 
fchen Söhne erschlagen; eigentlich habe es nur dem 
ältesten gegolten, weil mit diesem die Mädchen lieber 
gespielt.und karessirt, als mit ihm, da aber der jün 
gere dem ältern beigestanden, so habe er auch Dissen 
erschlagen. Auch habe er leinen Schwager tvdtschie- 
ßen wollen, da er aber denselben nicht angetroffen, so 
wolle er jetzt an ihn schreiben und fragen, ob er ihm 
nunmehr ein Altvatertheil verschreiben wolle Dieser 
habe seinem ältesten Sohne geheißen, einen Knüppel 
zu nehmen, und ihn über den Kopf zu schlagen, wenn 
er ihn auch todtschlüge, so sollte nichts daraus her 
kommen. Freude mache ihm der Todtschlag nicht, er 
hätte lieber einen lebendig gemacht, als zwei totge 
schlagen;" wobei er mit Ruhe sein Frühstück verzehrte. 
In der Audienz vor dem königl. Kriminalhofe wa 
ren eine Menge Zeugen vorgeschlagen, zum Theil um 
den Gcmüthszustand des Eggeling auezumitteln; aus 
serdem waren drei Sachverständige, der Herr Hofrath 
Pockels, der Herr Doktor Bücking und der Herr 
Doktor Schmidt, in Vorschlag gebracht, nach den 
Aussagen der Zeugen über den Gemüthszustand des 
Angeklagten ihr Gutachten abzugeben. Seine Ver 
wandten und andere Einwohner zu Flachstöckheim 
waren einstimmig, daß er seit 5 Jahren Spuren von 
Wahnsinn gezeigt; hingegen die Einwohner zu Leben 
stedt versicherten, dergleichen nicht an ihm bemerkt 
zu haben. 
Das Gutachten der Sachverständigen fiel dahin aus, 
daß der Augeklagte zur Zeit der That partiell wahn 
sinnig gewesen und es auch noch jetzt sey, itwem er voll 
der fixen Idee beherrscht werde, daß er sein Leben 
durch den Todtschlag dessen, der ihm solches sein« 
Meinung nach nehmen wolle, sichern müsse. 
Die Herren Geschwornen erklärten jedoch, daß der 
Angeklagte weder zur Zeit der begangenen That noch 
jetzt von einer solchen ftxenIdce beherrscht werde, und 
auf den Grund dieser Erklärung wurde der Angeklagte 
zur Strafe des Schwertes verurrbeilt. DieEnipfeh«
	        

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