Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

( Ivy- ) 
2 Cvt. ir. Die Vagabunden oder Herumläu 
ft, das heißt, Leute, welche wcdcr bestimmten 
Wohnort, noch Unterhaltsmittel, .Stand, Ge-, 
werbe oder Profession haben, welche sie gegenwär 
tig treiben, sollen vor die Korrektions-Tribunale 
gebracht, und für das erste Mal wenigstens auf 
zwei und höchstens auf sechs Monate zu gefäng 
licher Haft in einem Zucht - oder Arbeitöhause 
verurtheilt werden. 
Art. lg. Die fremden Vagabunden sollen, 
nachdem sie ihre zuerkannte Strafe gelitten , mit 
der Bedeutung, daö Königreich nicht wieder zu 
betreten, über die Gränze gebracht werden; ihre 
Namen, Vornamen und Bezeichnung sollen durch 
den Prokurator des Königs bei dem Korrektions 
Tribunal, das sie gerichtet hat, an die Gendar 
merie, und überall, wo es nöthig seyn wird, ge 
schickt werden. Die Einheimischen sollen nach 
der Gemeinde, zu welcher gefunden worden, daß 
sie gehören, in Gemäßheit der Artikel 2 und 7 
des Dekrets vom 24. März 1809, zurückgeschickt, 
und unter die besondere Aufsicht ihrer Ortsbehör 
den gesetzt werden. 
A r t. 14. Die auf dem Wiederholungsfall be 
tretenen Vagabunden und Leute ohne anerkannten 
Stand, Gewerbe:c. sollen zum Doppelten ihrer 
ersten Strafe verurtheilt werden; die Zeit dieser 
früher erlittenen Strafe soll bei jedem Wiederho 
lungsfälle anfS neue verdoppelt werden. 
Art. 15. In den Departements sollen Zucht 
häuser seyn, und in denselben zugleich Arbeiten an 
gelegt, und die Vagabunden und Bettler mit Ge 
walt dazu angehalten werden. Die Präfekten 
und Unterprafekteu werden sich mit der Einrich 
tung dieser Arbeiten beschäftigen, die etwa dazu 
erforderlichen Verordnungen aufsetzen, und sie Un- 
serem Minister des Innern zur Genehmigung 
vorlegen. 
Art. 16. Die zwei Drittthcile dcsTagelshns 
des Gefangenen sollen dazu dienen, dem Hanse 
einen Theil seiner Nahrungs- und Uuterhalts- 
kostcn zu ersetzen. Jeden Monat soll ihm Rech- 
ming von dem anderen Drittthcil abgelegt tvcrden, 
welches ihm, wenn er wieder in Freiheit gesetzt 
wird, zugestellt werden soll; im Fall seines Ab- 
sterbens fallt dieses Dritttheil aber der Admini 
strationskasse der Anstalt anheim. 
Art. 17. Da jeder Arme, in Gemäßheit des 
Dekrets vom 24ten,März 1809, von seiner Ge 
meinde unterhalten werden muß, so sollen die, 
welche noch stark und rüstig sind, und ausser ihrer 
Gerneinde betteln,, vor den Friedeltsrichter des 
Kantons geführt, und zu 24stündiger Gefang- 
nißstrafe verurtheilt werden. Im Wiederbetre- 
rungsfall soll die Strafe wenigstens dreitägiges 
und höchstens achttägiges Gefängniß seyn. Zu 
beiden Fallen sollen die Bettler, nachdem ihnen 
die Verfügungen des gegenwärtigen Dekrets, wel 
che die Bestrafung der Vagabunden und Bettler 
betreffen, vorgelesen worden, nach ihrem Wohn 
ort zurückgewiesen werden. Sind sie auf fernere 
Wiederholung betreten, so sollen sie vor die Kor 
rektions-Tribunale gebracht, und. zu derselben 
Strafe, wie die Vagabunden, verurtheilt werden. 
Irn Wiede^betretuugsfall soll die Strafe wenig 
stens dreitägiges und höchstens achttägiges Ge 
fängniß seyn. Zn beiden Fällen sollen die Bett 
ler, nachdem ihnen die Verfügungen des gegen 
wärtigen Dekrets, welche die Bestrafung der Va 
gabunden und Bettler betreffen, vorgelesen wor 
den, mach ihrem Wohnort zurückgewiesen werden. 
Sind sie auf fernere Wiederholung betreten, so 
sollen sie 'vor die Korrektions-Tribunale gebracht, 
und zu derselben Strafe, wie die Vagabunden, 
verurtheilt werden. 
Art. iz. Die alten und gebrechlichen Bett 
ler sollen, in Gemäßheit der Artikel 7 und 8 Un 
seres Dekrets vom 24. März 1809, nach ihrer 
Gemeinde zurückgeschickt werden, mit dem Ver 
bot, sich bei Strafe, laut vorstehendem Artikel 
behandelt zu werden, sich daraus zu entfernen, 
um zu betteln. 
2 kre. 19. Ein jeder Bettler oder Vagabund, 
welcher in irgend einer Verkleidung oder bei Vor-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.