Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

( 1678 ) 
geknüpft sey. In England ist diese Meinung allge 
mein herrschend, und sie ist cs, worauf das brittische 
Kabinet so viele seiner Plane bauet; aber wer wird 
leugnen, daß dieselbe bei uns immer mehr anfängt, 
Gegner und Vestreiter zu finden, und das wohl mit 
Recht. Wenn harter Zwang oder sonstige Ursachen 
das Erlangen der fremden Produkte verhindern, so 
muß natürlich der Gebrauch sich vermindern, die Ge 
wohnheit sich abstumpfen und nur das Unentbehrliche 
wird angeschafft werden. Dieses UnenlbchrUche ist 
jedoch nur als Mittel $11 einem gewissen Zweck unent 
behrlich, so wie der Indigo zum Blaufärben, die 
Baumwolle zu gewissen Zeugen u. d. gl. m. . Abge 
sehn also davon, daß diese Zwecke selbst noch immer 
entbehrlich bleiben oder daß die Mittel durch Aehnlich- 
keiten vielleicht zu ersetzen sind, so schreitet man erst 
zu Hauptverfuchen, wenn sie auch noch so schwierig 
scheinen und vielleicht auch sind, bevor man sich den 
Bcdingnissen unterwirft, die man ohne solche eminen 
te Nothwendigkeit nicht eingehen will. Diese Versu 
che gehn darauf hinaus, die Kultur des Bodens zu 
jenen Erzeugnissen zu eignen. Europa entbehrt nun 
schon seit drei Jahren den freien, also dl n großen Ver 
kehr mir den andern Weltthcilen, und obgleich es dcn- 
noch ansehnliche Zufuhren erhalten hat, so sind die 
Verändexnngeii doch schon sichtbar, die der Zwang 
und die Beschränkung in die gewohnte Weise hervor 
zubringen, zu bearbeitet, und zu genießen eingeführt 
haben. Die Kultur der Baumwolle im Neapolitani 
schen, in Spanien und selbst im südlichen Frankreich 
ist bei weitem bedeutender, als man noch vor dreiIah- 
ren sie möglich glaubte; die allmählige Entwöhnung 
von dem, in Deutschland selbst Herrschern trotzenden, 
Kaffee; die uncrmudetc Aufmunterung des Zucker- 
siedens aus Trauben und andere Dinge mehr geben 
Gründe irriD Beweise für das Hinzielen nach einer Un 
abhängigkeit Europas von den Erzeugnissen ariderer 
Welttheile. Mag man auch dieses Ziel noch sehr ent 
fernt, sehcschwiccig zrr erreichen sich vorstellen; so kann 
man doch eben so werrig die Unmöglichkeit des Gelin 
gens behaupten, als man die sichtbare Hinwirkung 
aufdieftnPunkt leugnen kann—und was die Energie, 
die Ausdauer, die Kräfte des neuern Frankreichs vermö 
gen, braucht man nicht erst in Erinnerung zu bringen. 
Ist der Zweck einmal: Unabhängigkeit von amerikani 
schen und indischen Kolonien, so wird er im Frieden, 
wie im Kriege nicht hintangesetzt werden — und je 
länger der Zwang der Feinde Frankreichs mit dazu 
Beitragt, es von diesin Kolonien abzuschneiden, daß 
näher kommt die Ausführung zum Ziele. Auch in 
Westphalen wird thätig auf diesen großen Zweck hin- 
t earbeitct: allenthalben hört man von Versuchen, von 
'rfindungeuf die Erzeugnisse fremder Himmelstriche 
durch europäische zu ersetzen und bald werden vielleicht 
diese Blätter manche glückliche Resultate in dieser 
Hinsicht mittheilen können.' 
Präfektur - Verfügungen und Bekanntma 
chungen anderer öffentlichen Behörden. 
Cirkular-Schreiben andre Herren Kantons- 
Maires des Distrikts Härter im Fuldade 
partement. 
Meine Herren! 
Verschiedentlich habe ich zu bemerken Gelegenheit 
gehabt, baß mehrere unter Ihnen, die Ihnen oblie 
genden Dienstpflichten, keineöweges mit demjenigen 
Eifer erfüllen, deu das allgemeine Beste erheischt, ja 
daß Sie weit entfernt das Vertrauen zu rechtfertigen, 
weiches die Regierung in Sie setzt, sich vielmehr oft 
unverantwortliche Nachlässigkeiten zn Schulden kom 
men lassen. 
Eine neuerdings bei mir eingegangene Anzeige, hat 
diese Bemerkung vollends bestätiget und das Wohl 
meiner Avmmistrmen, welches durch fernere Sr« 
tuirung solcher Mißbrauche nur zu sehr in Gefahr kom 
men wurde, macht cs nur daher juc Pflicht, Sie an 
Ihre Obliegenheiten nachdrücklichst zu erinnern. Es 
wird unnöthig seyn, Ihnen alles dasjenige in das Ge 
dächtniß zurückzuführen, was der Staat, was Ihre 
Vorgesetzten von Ihnen zu erwarten berechrigr sind; Sie 
selbst haben sich gewiß mit der Wichtigkeit Ihres Wir 
kungskreises hinlänglich vertraut gemacht ^ und ich 
darf daher hoffen, daß die eigene Ueberzeugung von 
der Nothwendigkeit der strengen Erfüllung Ihrer Be 
rufs-Pflichten , Ihnen der stärkste Bewegn ngsgrui'.d 
zum Eifer und zur Thätigkeit seyn wird. 
Damit indessen ähnlichen Vernachlässigungen wie 
bisher vorgefallen sino, für die Folge vorgebeugt wer 
be; so habe ich den Herrn Unterprafekten aufgefordert, 
mir am Schluffe des Jahrs, eine Cvndnitenliste ein 
zusenden, um solche Sr. Exzellenz dem Herrn Mun 
ster zu überreichen. Den Erfolg davon können Sie 
berechnen, und eben so wird ein Jeder son Ihnen sich 
selbst sagen können, ob und m wie weiter an der Ver 
anlassung ;u dieser Verfügung Theil h be. 
. Mit Vergnügen gestehe ich, daß mehrere von Ihnen 
Auszeichnung verdienen, und werde ich diesen solche, 
bei meiner Berichts-Erstattung, gewiß widerfahren 
lassen. 
Indem ich Ihnen dieses zur Nachricht bekannt ma 
che, versichere ich Sie meiner Hochachtung. 
Kassel, den toten Oktober k8i2. 
Der Präfekt des Fuloadcpartements, 
von Re im an. 
Cirkulare an sämmtliche Herrn Kantons-^i ai 
res im Fuldadepartement. 
Meine Herren! ¿ 
Aus dcm Sitnations-Elar des Trupvenverpflcguna' 
fonds vom Departement, den ich mir habe vorlege 
lassen, ergiebt sich, daß auf die, für diesesJahr au '
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.