Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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sis anlegt, ohne die kreisförmigen Faden, wel 
che ihr Rad ausmachen, hinzuzuthun. Dieß 
ist eine Vorbedeutung, daß ein heftiger 
Wind nimmer ferne sey, aber spätestens in 
iO bis 12 Stunden sich wieder legen werde. 
Oder 
3) sie lichtet und zerreißet plötzlich ein Vier 
tel oder ein Drittel ihres Gewebes, um dein 
Luftstrome freyen Durchgang zu verschaffen, und 
wenigstens die Grundpfeiler ihres Gewebes vor 
Zerstörung zu sichern, und kriecht dann in ih 
ren Schlupfwinkel. Diese Aeußerung zeigt uus 
an, daß nur ein vorübergehender Sturmwind 
erfolgen, und die vorige heitere Witterung bald 
wieder zurückkehren werde. 
d) Von der Kälte. 
Wenn uns die Spinnen schönes und heite 
res Wetter ankündigen, so zeigen sie damit 
zugleich an, daß es warm seyn wird. Es 
bleibt uns also noch übrig, zum Voraus zu 
wissen, ob und wann in den Wintermonaten 
Kalte oder Thauwctter einfallen wird. Auch 
in diesem Stücke dienen uns die Spinnen als 
_ bte besten Prophetinnen, und zwar jene, wel 
che ich oben Wintcrspinnen genannt habe. Es 
giebt aber zwei Arten von Winterspinncn, 
oder vielmehr zwei in den Wintcrspinnen wohl 
zu unterscheidende Arten von Aeußerungen und 
Thätigkeiten. Die eine Art Spinnen beschrän 
ket sich darauf, der, während des vorherigen 
Sommers vollendeten Gewebe sich zu bemäch 
tigen; da es dann bei dem Eintritte des Win 
ters rasende Kriege unter ihnen giebt, die keine 
andere Absicht haben, als die, zu entscheiden, 
welche aus ihnen in den: Besitze des bcstgele- 
genen Gewebes bleiben soll; die tapferste und 
stärkste erhält es. Eine andere Art, welcher 
ohne Zweifel die Benennung Winterspinne vor 
zugsweise gebührt, ist diejenige, die sich nicht 
darauf beschränkt, sich schon fertiger Gewebe zu 
bemächtigen, sondern die sich selbst ein Gewebe 
spinnet, und zwar jedesmal ein neues, bei 
jedem neuen Anschuß von Kälte, wie im Som 
mer bei jedem neuen Anstammen von Hitze: 
ja beim Herannahen eines beträchtlichen Ueber- 
gangcs von Thauwettcr zur trocknen Kälte, 
spinnen sie oft drei Gewebe über einander. 
Man merke vor allen, daß unter den'sogenann 
ten Wintcrspinnen nur die W i n k e l sp i n n e n 
begriffen sind, deren einige, und zwar nur sehr- 
wenige, in unsern Zimmern, Kammern oder 
Ställen überwintern. Bei Beobachtung dersel 
ben hat der Landwirth nur auf folgende zwei 
Aeußerungen zu sehen. 
i) Wenn die Winkelspinnen der ersten Art 
zur Winterszeit sehr geschäftig sind, hin und 
her rennen, kühn'mit einander kämpfen, und 
von fertigen Geweben Besitz nehmen, so nähert 
sich dic Kälte. 
L) Wenn die Winkelspinnen der zweiten Art 
neue Gewebe verfertigen, oder wohl gar meh 
rere Gewebe über einander spinnen, so deuten 
sie uns dadurch an, daß eine heftige Kälte und 
Eis eintreten werde, und zwar gewöhnlich nach 
neun, längstens zwölf Tagen. 
Eine Bestätigung von der Richtigkeit dieser 
Ankündigung der Wintcrspinnen hat uns die 
im vorigen Stück erzählte Eroberung von Hol 
land geliefert: ich will aber zur mehrer« Be 
kräftigung noch eine andere Erfahrung Quatre- 
mcres von dem Winter von 1792 bis 179z an 
führen. Den ersten Beweis, daß die Winkel 
spinnen bei der ersten, auf Schnee und Eis zie 
lenden Kälte- die fertigen Gewebe in Besitz 
nehmen, hatte Quatremcre schon zu Anfange 
deS Novembers, den zweiten, Anfangs deS 
Dezembers »1792, den dritten Beweis im Jän 
ner 1793. Eine noch angenehmere Erfahrung 
machte er zu Anfange des Februars. Das 
Wetter war schön und warm, nicht mehr der 
geringste Anschein von Kälte war vorhanden; 
man hätte glauben sollen, sagteer, man könne 
nun alle Oese» entbehren. Aber am 4ten Fe 
bruar bemerkte er drei kleine Spinnengewebe, 
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