Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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Anstalten, daß eine Reihe von Jahren und öffentliche 
Zngestehung wechselseitiger Freiheit, so wie auch Der, 
schonung mit persönlichen Abgaben dazu erforderlich 
seyn möchten, ehe man darauf rechnen kann, mehrere 
Ausländer auch in unsern besser« Anstalten zu sehen. 
Mit dem ersten Mai hat die neue Ordnung der Dinge 
auf unserer Uuivcrsilät und mit dem i4ten Mai haben 
die Sommerlektioncn ihren Anfang genommen. Die 
Bibliothek und mehrere Institute haben bedeuten 
den Zuwachs und Erweiterung zu hoffen. Das aka 
demische Entbindungs-Institut hat dadurch 
bedeutend gewonnen, daß dem Professor der Entbinr 
dungskunst, Herrn Senf zugleich der Unterricht der 
Hebammen des Distrikts übertragen worden ist. Es 
bekommt jetzt ein sehr angemessenes Lokal in den vor 
maligen Resldcnjgebäuden, welche überhaupt seit der 
Wiederherstellung der Universität ganz,'den akademi 
schen Instituten eingeräumt und für sie ausgebauet 
worden sind. _ , 
Die hiesige naturforschende Gesellschaft hat ihre 
Thätigkeit erneuert. An die Stelle des Herrn Kefer 
st ein wurde für dieses Jahr Herr In spektor B ull- 
mann zum Sekcetair erwählt. Folgende sind einige 
der Abhandlungen, die in der letzten Zeit in den Si, 
tzungen der Gesellschaft vorgetragen wurden: 
Vom Professor Steffens, über das Wesen 
und die Bedeutung der Salz-, Mineral- 
und warmen Quellen. 
Nach einer vorher gegangenen Ansicht des allge 
meinen Lebens der ganzen Narur entwickelte der Ver 
fasser zuerst die Grunde, welche diejenigen anführen, 
die den Ursprung der Salzquellen aus Salzstöcken her 
zuleiten bemüht sind, indem sie vorzüglich die Höhlen 
der Gypsformation als solche ausgewaschene Salzstöcke 
ansehen, und führte gegen diese Ansicht an: 
i. daß wir-gar kein authentisches Beispiel hatten, 
daß auch nur Spuren von Steinsalz im nördlichen 
Deutschland gefunden waren, welches doch ganz von 
Salzquellen durchzogen sey; 
daß die Beständigkeit der eigentlich gediehenen 
Salzquellen diese Meinung ganz über den Haufen 
würfe; 
3. daß das Kochsalz in vielen andern Mineral 
quellen vorkäme, die in keiner Verbindung mit den 
Gypsgebirgen stehen; 
4. ließe sich die große Verbreitung der Sohle hier 
mit nicht in Verbindung bringen. 
Bey den Mineralquellen fanden sich, wenn 
man sie von der gewöhnlichen, blos chemischen Sette 
betrachtete, fast dieselben Schwierigkeiten. Bei Er 
klärung der «armen Quellen hätte man bis jetzt 
blos auf Erdbrande, Vulkane re. Rücksicht genommen, 
aber der so ganz konstante Wärmegrad, den wir bei 
einigen bis über tausend Jahre verfolgen könnten, 
widerspräche dieser Annahme. 
Der Verfasser suchte hierauf auszuführen, daß 
nur die Annahme eines inneren lebendigen Verhältnis 
ses der Gebirge hierüber Aufschluß geben könnte, und 
daß hier die Flötzgebirge als galvanische Platten wirk 
ten, durch welche eine wahre elektrische Spannung, und 
wie in der Säule, Wärme erregt wird, die sich in allen 
Kohlenschachten als Wärme zeigt, und welche unter 
gewissen Verhältnissen bis zur hohen Hitze gesteigert 
werden kann, die konstant ist und konstante warme 
Quellen erreugen kann. 
Das Ausführlichere kann in des Verfassers g e og- 
nostisch-geologischen Aufsätzen, die eben die 
Presse verlassen haben, und unter welchen sich auch der 
hier erwähnte befindet, nachgelesen werden. 
Vom Buchhändler Hendel, über die chemi- 
schenBestandtheile der Oele, sowohl der äthe 
rischen als der wesentlichen und fetten, mit besonde 
rer Hinsicht auf deren technische Nutzung, wobei er 
beiläufig auf den Anbau des Oelrettigs aufmerksam 
macht, welchen de Gardi und mehrere schon em 
pfohlen haben. 
Vom Bergakademistcn Germar aus Leipzig, 
über die Klassifikation der Insekten, be 
sonders in Hinsicht des Systems der Freßwerkzeuge, 
worin derselbe zuerst hie hauptsächlichsten Einwürfe 
aufstellte, welche gegen das System von Fabrici us 
gemacht werden; hierauf aber das letztere naher ent 
wickelte. Den Zweck der entomologifchen Klassifici, 
rung bestimmte er dabin, die natürlichen Verschieden 
heiten der Infekten in eine ihrer mehreren oder min 
deren Aehnltchkeit untereinander angemessene Ordnung 
zu bringen, und nachdem der Verfasser die Begriffe 
von Art und Abänderung, Gattung und Klasse näher 
entwickelt hatte, stellte er als Hauptregel bei der Klas 
sifikation auf, daß das Klassifikationsobjekt ein einfa 
ches und der Klassifikationsgrund ebenfalls ein einfa 
cher seyn müßte. Nachdem er zu entwickeln gesucht 
hatte, daß bei den Insekten die Freßwerkzeuge dea 
einfachsten und besten Klasslfikationsgrund für die 
Klassen und Gattungen abgaben, schloß er damit, 
daß, wenn das System von Fabricius gleich vieles za 
wünschen übrig gelassen hatte, dieses mehr der Man 
gel des Systematikers als des Systems selbst sey; und 
daß alle andere Systeme immer mehr oder weniger ge 
gen die Einheit des Klassifikationsgrundes verstießen. 
Vom Magister S crack, ebenfalls über die 
Klassifikation in der Entomologie, wori» 
derselbe auszuführen suchte, daß Linne's System, 
durch, die Entdeckungen der neuern Entomologen ver-
        

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