Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1790, [1])

Von dem Gebrauch des Glaubersalzes. 
so oft ->n mir geschehene Abfordemng eines GebmuchzettelS des Dlanberischen Satze», 
macht mich so dreist, nach dem Beyspiel anderer, und besonders der Gravenhorstischen Fa 
brik in Brannschweig, durch dieses das Nöthige davon anzuzeigen. — Man denke sich aber 
unter dem Glaubersalz kein universelles Arzeneymittel, welches alle kränkliche Infalle unsers 
Körpers schlechterdings zu heben vermögend sey; auch keines, welches bey wichtigen Fallen ohne 
den Rath eines Arztes unausgesetzt angewandt werden könnte. Nein, beydes ist cs nicht; und 
ob es gleich wider alle Krankheiten, die von einer Übeln Verdauung herrühren, nach der einstim 
migen Erfahrung der Aerzte, das sicherste Mittel ist, so möchte ich eS doch nicht wagen, das 
Glaubersalz so allgemein, wie es andere gewohnt sind, zu empfehlen. — Es wird immer, 
wenn es auf nachgesetzte Art zum innerlichen Gebrauch vorbereitet worden, bey denen Krankhei 
ten, deren Grund in den ersten Wegen des menschlichen Körpers zu finden ist, und sch durch 
den verlohrnen Appetit zum Essen, durch Uebclkcir, durch Magendrücken, durch Blähungen, 
durch Kopfschmerzen, durch Leibesschmerzen, durch Hartleibigkeit oder Verstopfung, durch 
den Durchlauf, durch das Verhalten oder Schneiden des Urins u. s. f. zu erkennen geben, 
das scinige thun; und besonders demjenigen, der blos die Absicht hat, ausführende Mittel zu 
gebrauchen, als das beste und wohlfeilste zu wählen, übrig bleiben. Weil aber die oben ange 
führten ersten Kennzeichen einer schwankenden Gesilndheit des Körpers auch von andern Ursachen, 
als von einer schlechten Verdauung herrühren können, so enthalte ich mich, hierüber alles weitere 
ui sagen, was ich nicht verstehe. Ich habe also nur anzuzeigen: i) Die beste Vorbereitung 
dieses Salzes, a) als Larirmittel zum einmaligen Gebrauch, b) als gelinde abführendes Mit 
tel zum anhaltenden Gebrauchund 2) die Kennzeichen eines ächten Glaubersalzes und dessen 
beste Aufbewahrung. 
i) a) Wer blos die Absicht hat, ein Laxir- oder Purglrmittel zu gebrauchen, trift das 
beste unter allen bekannten l'm Glaubersalz an. Eine envachscne Person hat zu diesem Behuf 
zwey Loth krystallinisches - oder ein Loth trockenes und in Pulver zerfallenes Salz nöthig. Wer 
schwer Stint Larircn zu bewegen ist, nimmt diese Portion anderthalbmal. Man laßt die ganze 
Portion in einen Thcetopf voll warmen Wassers zergehn, schüttet sie in ein Glas und so viel 
kaltes Wasser dazu, als man nöthig findet, um es mit einmahl austrinken zu können. 
b) Der anhaltende Gebrauch des Glaubersalzes hat folgende Art, als die beste Vorbei 
rcitung zum innerlichen Gebrauch in allen Fallen, nur die Veymischung zu andern Mitteln aus 
genommen, nöthig gemacht. Man schüttet in diesem Fall in eine Flasche so viel Loth Glauber. 
salz als die Flasche Pfunde oder Nösel Wasser fassen kan, und gießt hierauf dieselbe ganz voll 
gutes, kaltes Quell- oder Brunnenwasser. Das Salz wird bald in dem Wasser gänzlich zer 
flossen, wenn man nur dann und wann die Flasche schüttet, welches sich sodann aufgelöst er 
halt und keines weitern Schüttelus bedarf. Man wähle zu dieser Allflösimg kein hartes oder 
kalkartiaes Wasser, weil das Salz weit ehender dadurch zum Verderben geneigt wird, welches 
zwar allemal geschehen wird, wenn die Salzanflösung lange steht ohne gebraucht zu werden. 
Es ist daher rathsam, nie mehr als eine Flasche voll, kurz vor dem Gebrauch, auf obige Art zu 
bereiten. Der Gebrauch dieser Salzaustösung besteht darinn: So bald man einen Mangel an 
seinem Gesundheits- Zustande wahrnimmt, so nehme man von dom aufgelösten Salze alle zwey 
Stunden ein gewöhnliches Weinglas halb voll. Dieser Gebrauch wird bisweilen in einer kürzern 
oder langem Zeit ein Lariren und selten ein Erbrechen erregen. Man lasse sich aber durch diese 
Wirkung nicht irre machen, und fahre nach angezeigter Weise fort, bis während dem Gebrauch
	        

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