Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1779)

4) Hinfüro keinem Juden der Schutz mehr verliehen, oder darauf angetragen werden 
solle, wann derselbe nicht der älteste Sohn, auch im Stande ist, die übrigen in der Jndeu-Ord- 
nung de 1749. §. 3, vorgeschriebene RequUlta beyzubringen, es wäre dann, daß dessen Vater 
nicht mehr am Lebert, und seine und der Wittib Haushaltung wirtlich eingehen wüßte. In die 
sem Fall, und wann besagte Umstände von den Beamten gerichtlich attestiert worden. Wir Uns 
vorbehalten, auf beschehenes unterthänigstes Ansuchen gnädigst zu dispensiren. Da Wir hiernächst 
L) MiSfällig wahrgenommen haben, daß bey denen des ordnungsmäßigen Vermögens 
halber producirt werdenden Attestatis oftmalige Unterschleife begangen werden; So soll ausser 
sothanen Attestatis ein jeder den Schutz suchender Jude, und, wann der Vater noch am Leben, 
auch dieser mit einem Eide dahin belegt werden: daß ein jeder von beyden nach Abzug aller 
Schulden wenigstens fünfhundert Rthlr. eigenthümliches Vermögen, welche jeder in seinem Han 
del habe und respective anlegen könne, besitze und übrig habe. Und nachdem 
6) Unsere getreue Landstande verschiedentlich den Wunsch geäussert, daß die allzngrosie 
UebermaaD derer seit einiger Zeit sich in Unseren Fürstlichen Landen niedergelassenen Juden mög 
lichstem! außen eingeschränket werden ruöge. Wir auch kein Bedenken getragen', denen selben hier 
innen zu willfahren; Als soll hinfüro, wiewol Unsrer anderwärten Verordnung auch in diesem 
Stücke jederzeit vorbehaltlich, in diejenige Dorfschaften, wo sonst kein Jude gewöhnet, kein 
Schutz4nehr ertheilet, auch nirgendswo eine größere Anzahl, als wie sie in Anno 1744. vermö 
ge derer in diesem Jahr zum Druck beförderten Tabellen bestanden, auf- und angenommen wer 
den. Obgleich auch 
7) Wir gehoffet, daß auf das in mehrbesagter Jnden-Orbming §. iy. und im 2ten §. des 
wegen der wucherllchen Conti acte der Juden unterm 7ten'April 1772. erlassenen Edicti bereits 
verbotene Hausiren der Juden mehr gesehen, und dieselbe hiervon möglichstermaaßen abgehalten 
werden würden, diesem aber entweder nur zum Theil, oder gar nicht nachgelebet worden; So 
befehlen Wir hierdurch allen Unseren Beamten, Landbereutern, Zoll- und anderen Amtsbedien 
ten auf das Hausi'ren der Juden fleißiger, als bisher geschehen, zu invigiliren, und die darauf 
betretene ohne einige Nachsicht zur behörigen Bestrafung beym Amte anzuzeigen, mit dem Bey 
fügen, daß dem Denuncianten die auf einen jeden Betretungsfall sogleich bey Amte zu erlegende, 
und hiermit auf einen Rthlr. bestimmte Strafe ausgehändiget werde» solle. 
Wie Wir nun wollen, daß über vorstehendes sowohl, als auch über die jüngste Inden- 
Ordnung, insofern selbige hierinuen nicht erläutert oder abgeändert worden ist, mit allem Ernst 
und Schärfe von denjenigen, so es angehet, gehalten werden solle: AIs befehlen Wir Unsrer 
Regierung allster, diese Unsre Ordnung zu jedermanns Wissenschaft gewöhnlichermäaßen kommen 
zu lassen. . « 
Urkundlich Unsrer eigenhändigen Namens-Unterschrift, und beygedrückten Fürstlichen 
Secret-Jnsiegels. Cassel den 2Zten Inn. 1779. 
Friedrich i, z. Hessen, (L. 8.) vt. wittorff. 
Citationcs Ediföales, 
i') Es hat sich Jacob Schneider gebürtig aus Ropperhausen Adl. von Banmbachischen Gerichts, 
'bereits vor 24 Jahren ohne einige Ursache entfernet, und bis dabin nicht das geringste von 
' sich hören lassen; da nun seine nächste Erben, bey hiesigem Samt-Gerichte, um dessen Vorla 
dung, im Nicht-Erscheinnngsfalle aber um die Verabfolgung seines sub Cura stehenden Ver 
mögens geziemend gebeten; und dann diesem Suchen statt gethan, auch des Endes Terminus 
auf Dienstag den 2lten Decembr. schierskünftig anbezielet worden; so wird solches ersaqtem 
Jacob Schneider, mit dem Anhang bekannt gemacht, um ersagten Tages vor dem hiesigen 
Samt-Gerichte zu erscheinen, widrigen Falles aber zu gewärtigen, daß seinen Freunden, das 
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