Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1778)

Z2kes Stück. 
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nehmen, weil außer den übrigen Symptomen er des Nachts sehr unruhig war. Einige Tage 
nachher verringerten sich die Zufalle, und ich fuhr mit den Mitteln fort. Ach war um diesen 
Menschen desto bekümmerter, weil wir die Wunden nicht zur Eiterung bringen konnten. Am 
Ende der Cur grenz er gesund nach Hause. Ich gab ihm Quecksilbersalbe, die antispa-modischen 
der Unken Hand gebissen. Seit dem zten hatte man ihn auf das regelmäßigste behandelt; er hat 
nie die geringste Beschwerde gehabt, außer daß er wenig Halsweh fühlte, das vom Quecksilber, 
welches auf den Mund und das Zahnfleisch ferne Wirkung äußerte, herrührte. Den iZten beklagte 
sich dieser Mensch, bey dem ich gar kernen Verdacht hatte, über starke Kopfschmerzen. Er hatte 
ein starkes Fieber, das Gesicht war sehr roth, ich ließ ihm am Arm die Ader öffnen, und strenge 
Diät halten, auch ihn verdünnende Ptisane brauchen, von der er sehr viel trank; den 29ten fieng 
er an zu rasen, gleich von der Zeit an ließ ich ihn allein bringen, weil er den übrigen Kranken 
sehr beschwerlich wurde. Er nahm ein Fußbad, und ihm wurde eine Aber am Fuß geöfnet. Den 
Zoten wurde das Aderlaß wiederholt, weil das Irrereden stark wurde, er wurde sogar wüthend, 
und bildete sich ein, daß alle, die ihm zunahe kamen, ihn bestehlen wetten Da alle diese Zeichen 
einen sehr convulsivischen Zustand anzudeuten schienen, ließ ich ihn in laulicht warmen Wasser ba 
den; er blieb mit Vergnügen anderthalb Stunden darinn; er trank wie gewöhnlich; am Abend 
nahm er einen beruhigenden Trank, daraufer auch ruhiger schien. Den Ziten stieg das Delirium 
erstaunend, er wolte die Ptisane nicht trinken, sondern federte Wein, den er auch nicht trank. 
Gegen Abend gieng alles schlimmer, er zeigre Widerwillen gegen flüßige Sachen, er wolte mit 
Gewalt nichts zu sich nehmen. Den folgenden Tag war die Wuth sehr heftig, ich mußte ihn vest- 
dinden lassen, weil er jedem drohete. Sein Puls war sehr geschwind, zusammengezogen. Es 
zeigten sich deutliche Symptomen der Wasserscheu. Er hatte übrigens keine Beängstigung noch 
Schlucken, noch sonsten Zufälle, welche die andern fühlten. Er starb den folgenden Tag an einer 
Art von Schlafsucht. 
Den Tag darauf, nachdem dieser Mensch schlechter geworden, erfuhr ich, daß er drey Ta-- 
ae nacheinander eine starke Debauche in Wein gemacht. Unter dem Vorwände in ein geheizte- 
«immer zu gehen, gieng dieser Unglückliche ohne Jemands Vorwissen aus, und trank mit einem 
Freunde vis zum Uedermaaße. Ich bin fast überzeugt, daß jdie große Menge Weins, die dieser 
Mensch trank, vieles zu seinem Tode beytrug. Es äußerten sich inzwischen von der Wasserscheu 
vicht undeutliche Zeichen. Sollte der Wein den Ueberrest des Gifts, der nicht hinreichend war, 
deutliche Symptome der Wuth hervor zu bringen, entwickelt haben, und würde es wohl nicht 
ganz verbessert worden seyn, wenn der Mensch regelmäßiger gelebt, und man Zeit gehabt härte, 
die Mittel fortzusetzen ? 
y) G. der Schwager des vorigen. Er war am Arm verwundet, 25 Jabr alt, von star 
kem Temperament. Er zeigre während der ganzen Cur nichts besonders; er ließ sich zwanzig mal 
einreiben, und hatte einen geringen Speichelfluß, er fühlte nicht die geringste Beschwerde. 
Eben so befand sich 
10) C. L. 21 Jahr alt. Dieser junge Mensch war im Arm und am Unterleibe gebissen. 
Ob ihn gleich im Anfange eine große Furcht beunruhigte, so überstand er ohne große Ermattung 
die Cur; er hatte einen besondern Widerwillen gegen das Lau de luce, ich zwang ihn daher auch 
nicht es zu gebrauchen. Das Quecksilber wirkte etwas auf den Mund, und erhalte einen gerin 
gen Speichelfluß. - • 
n) H. C. 28 Jahr alt, und von starker Constitution. Per Wolf hatte ihn am Arm und 
an
        

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