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Das Kasseler
Ein Gemälde im
Als das neue Kasseler Rathaus im Juni vorigen
Jahres eingeweiht wurde, hatten die hessischen
Fürstenbilder und viele andere Werke alter Meister
aus städtischem Besitze bereits ihren Platz erhalten.
Dazu hatten sich Ansichten aus dem älteren und
ältesten Kassel in erklecklicher Anzahl gesellt, doch
fehlte hie und da in einzelnen Räumen noch der
Bilderschmuck, den die Liste der Stiftungen ver
hieß. Paul Scheffers „Kasseler Bürgertypen aus
der Gegenwart", ein figurenreicher Fries für den
Magistratssitzungssaal, war damals noch im Ent
stehen begriffen, und erst geraume Zeit nach der
Einweihung erhielt auch der braungetäfelte Sitzungs
saal des Kaufmannsgerichtes seinen Schmuck von
Künstlerhand, ein großes Gemälde, das der Kafleler
Kaufmännische Verein gestiftet hat. Der Lehrer
an der Kunstgewerbeschule, G. Wittich, der durch
das Wandgemälde „Die Auferweckung des Jüng
lings zu Rain" (in der Kaffeler Christuskirche)
die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, wurde
von dem genannten Verein beauftragt, für den
Saal des Kaufmannsgerichtes ein Historienbild
zu malen. Daß es eine Historie sein mußte
— diese Bedingung erhöhte die Schwierigkeit des
Auftrages beträchtlich. Einfacher wäre es sicher
gewesen, durch ein symbolisches Motiv die Be
stimmung des Raumes zu kennzeichnen; wo aber
einen geschichtlichen Vorgang finden, der nur
einigermaßen Bezug auf das Kaufmannsgericht,
Marktgericht.
Kasseler Rathaus.
eine der allerjüngsten Einrichtungen neuzeitlicher
Rechtspflege, haben konnte? Indessen — Ben Akiba
behielt wieder einmal Recht: es ist alles schon
dagewesen. Nicht ganz genau dasselbe freilich, aber
doch wenigstens etwas dem modernen Kaufmanns
gericht in einiger Hinsicht Vergleichbares hat es
bereits einmal gegeben, und zwar zu einer Zeit,
da die deutschen Städte ihre eigene Gerichtsbarkeit
besaßen. Es war das Marktgericht. Auch Kassel
hatte im 16., 17. und 18. Jahrhundert sein
Marktgericht, das auf dem heutigen Altmarkte
abgehalten wurde. Das Gericht, das man auch
„Das Handelsgericht auf dem Markte" nannte,
war eingesetzt zur sofortigen Erledigung von Markt
streitigkeiten, namentlich auch zur Schlichtung von
Differenzen zwischen Handelsleuten und ihren
Arbeitnehmern. Die Mitglieder des Marktgerichtes
waren landgräfliche Beamte: der Bürgermeister,
Schultheißen, Schöffen und Ratsschreiber. Sie
tagten unter freiem Himmel auf einer Estrade
vor dem altstädtischen Rathause, deffen Bild im
vorigen Jahre gelegentlich der Einweihung des
neuen Rathauses in zahlreichen Reproduktionen
nach alten Darstellungen wieder aufgelebt ist.
Das hier reproduzierte Wittichsche Gemälde gibt
eine recht lebendige Vorstellung davon, wie sich
das alte Handelsgericht auf dem Markte aus
genommen haben mag. Rechts haben wir die
am Tische sitzende Gruppe der Gerichtspersonen,