Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

Der Gebetbuch-Torso und seine Veränderungen: 
Die Handschrift ist leider nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustande erhalten. 
Nach dem Eintrag auf der Innenseite des Vorderdeckels (von der Hand Wilh. Grimms) 
wurde 1817 von den damaligen Beamten der Landesbibliothek Ludwig Völkel und den 
Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm festgestellt, daß der Band zwei Abteilungen enthielt, 
von denen die erste 24 bezifferte Blätter, die zweite weitere 20 (anschließend 25 bis 44) 
aufwies, bei denen aber das Blatt 30 bereits ausgeschnitten war. Aber auch diese 44 Blätter 
sind schon ein Torso gewesen, wie man aus einer Nachprüfung der unvollständigen und 
ungleichartigen Bildreihen und dem Vorhandensein von nur ganz wenigem Text gewiß 
folgern darf. Neben den Bildern aus der Heils- und Mariengeschichte und den Heiligen 
ist offenbar die Reihe der Apostel unvollständig, entweder bereits früher verstümmelt oder 
überhaupt nicht vollendet worden. Im allgemeinen gehören zum Breviarium auch Kalen- 
der, Seiten mit Initialbildern, schmalen Bildleisten u. a., die ebenfalls im Kasseler Exem- 
plar fehlen. 
Die 1817 vorhandenen 43 Blätter sind nach einem Eintrag von Rommel vom 8. No- 
vember 1840 und einer ergänzenden Bemerkung Lohmeyers (nach einer Abschrift von 
Groß' Hand) zum größten Teil aus dem Buche ausgeschnitten worden, und zwar die erste 
aus 24 Stücken bestehende Abteilung ganz, von der zweiten noch weitere 12, also im Ganzen 
36 Blätter, die unter Glas mit schwarzer Holzleiste gerahmt und in einem besonderen 
eichenhölzernen verschließbaren Kästchen verwahrt wurden. Diese pietätlose Behandlung 
des Buches geschah auf Antrag des Bibliothekars Bernhardi (vgl. Akten 1840 B. 2 a Nr. 12 
u. 13) sder Schonung halbem. Die 36 Blätter sind in 24 Rahmen eingefügt, von diesen ent- 
halten die Rahmen 1, 2, 12-21 je zwei Blätter, die bis an den Bildrand beschnitten mit 
den leeren Rückseiten gegen einander auf Pappe aufgeklebt sind, die Rahmen 22-24 je ein 
aufgeklebtes Blatt; die übrigen 9 doppelseitigen Blätter (Rahmen 3-11) wurden am Rande 
nach Art der Transparente eingefaßt. Herausgenommen wurden nur die wertvolleren, nach 
Größe und technischer Vollkommenheit mehr gleichwertigen, während die Blätter 38-44 
in dem ursprünglichen Einbande verblieben, da man sie als minderwertig ansah. Die ein- 
zelnen Blätter sind beim Einbinden auf Papierfälze gehängt, die bei den abgeschnittenen 
im Buche zurückgeblieben sind. Eine Nachprüfung ergibt, daß es 37 sind, das Buch also 
außer dem oben erwähnten einen früher schon ausgeschnittenen Blatt nur noch die vor- 
handenen 36 enthielt. Ob bei der Herausnahme dieser Blätter und bei ihrer Einrahmung 
die alte Reihenfolge innegehalten wurde, läßt sich nicht mehr sicher entscheiden, da genaue 
Angaben darüber nirgends festgehalten sind, man darf dies aber mit einiger Wahrschein- 
lichkeit aus der jetzigen Folge der Bilder annehmen. 
Bilderfolge (nach den Rahmen und Blättern): 
R. 1. BI. 1 . Wappen des Kardinals und Erzbischofs Albrecht von Brandenburg mit 15 Fel- 
dern; 17 X 12 cm. 
B1. 2. Das gleiche Wappen mit 9 Feldern; 17 X 12 cm. 
R. 2. BI. 3. Der heilige Bartholomäus (Vollfigur) mit den Attributen (Messer in der Rechten 
und Tasche [BuchbeuteH] in der Linken). Reicher landschaftlicher Hintergrund, 
links Felsburg, rechts Haus, gegenüber Stadt am Ufer. Umrahmung: Renaissance- 
Tier- und Engelornamentik im Goldton. Unbezeichnet. [FB_?, nach Destree ist eher 
an Simon Bening als an Horenbout zu denken.] Etwa 17 X 12 cm. 
BI. 4. Das gleiche Wappen mit 9 Feldern wie R. 1, B1. 2; 17 X12 c1n. 
R. 3. BI.5P. Der Apostel Matthias (Vollfigur) mit Axt und Buch, im Hintergrunde eine 
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