Full text: Die Landesbibliothek Kassel 1580 - 1930

Blüten und Knospen, dem Differenzieren der Blätterfärbungen und in den welken Blät- 
tern am Wurzelstamm erkennen lassen. Allerdings sind die einzelnen Stücke nicht immer 
einheitlich, manche sind flächig-grob und koloristisch-stumpf, andere sind sehr locker, ja 
linienmäßig fein im Farblichen ausgesponnen, ohne daß man deshalb wohl mehrere Hände 
anzunehmen braucht. Ob Schreiber und Maler identisch sind, läßt sich nicht entschei- 
den. Weder Text- noch Bildgestaltung, die abgesehen vom Anhang rein kompilatorisch ist, 
lassen irgend welche Ordnungsprinzipien erkennen, nach denen etwa disponiert wäre. 
Jedenfalls haben aber beide - falls es nicht nur einer war - fortlaufend Hand in Hand 
arbeiten müssen, da im allgemeinen der Text um die Abbildungen herumgeschrieben 
wurde. Gelegentlich mag diese auch einmal später eingefügt sein, wie der ausgesparte 
Buchstabe bei XXVII oder der übermalte bei XXXI zeigen. Man darf daher wohl bei die- 
sem Pseudo-Apulejus auch das für das Urbild aller dieser Wurzel- und Kräuterbücher, 
den Krateuas erschlossene Verhältnis annehmen, daß in der Illustration der Grundstock 
des Werkes zu sehen ist, zu dem nur ein kurzer erklärender Text ohne viel beschreibende 
Zusätze hinzukam. Auch das würde auf eine weit zurückliegende Vorlage und auf eine 
größere Nähe zu einem etwa möglichen Archetypus schließen lassen. Zu untersuchen wäre 
evtl. noch, inwieweit die Pflanzendarstellungen etwa Bildtypen der älteren Tradition wider- 
spiegeln odcr davon abweichen und ob daraus vielleicht weitere Schlüsse auf die verloren 
gegangenen Teile des Codex, seinen Zusammenhang mit andern Handschriften und mög- 
licherweise auch auf die Herkunft gezogen werden könnten. Ich muß mich hier mit dem 
begnügen, _was über Entstehung, Geschichte und Herkunft bereits beim Antonius Musa ge- 
sagt wurde. 
Literatur: 
Außer den beim Antonius Musa genannten Nachweisen sei allgemein noch angeführt: 
Köbert, Hermann: De Pseudo-Apulei Herbarum Medicaminibus. Bayreuth 1888 (Progr. kgLbayr. Studien- 
anstalt) [kennt den Cassellanus nicht]. 
M. Schanz, Gesch. der röm. Literatur, Tl. 3, 3. Aufl. von Carl Hosius und Gustav Krüger (1922), S. 130 f. 
(Handbuch der klass. Altertumswissenschaft 8.) 
2. Geistlich-liturgisches Schrifttum des Mittelalters. 
a) Graduale, Psalter, Gebetbuch. 
1. Das sogen. Gebetbucrh der Kaiserin Kunigunde. 1020: 
(Psalterium et Litaniae veteres): 40 Mss. theol. 15. - Tafel 4. 
Beschreibung: 
Pergt. Hs. 11. Jahrh. 196 Blätter. Blattgröße: 23 X 10 cm, Schriftspiegel: 17 X 7 cm. 
Durchschnittlich 19 Zeilen [bis Bl.166] und 29 Zeilen lBl.167 ilÄ]. Einheitliche Schreiber- 
hand bis Bl.161 v, daran schließt sich 162! eine gleichzeitige andere Hand, die 1631 auf- 
hört [Kyrieleison]. Dann folgt eine spätere Hand, die den Anhang lBl. 167 P 111] vollständig 
schrieb und bei dem ursprünglichen Text radierte Stellen ersetzte, resp. leere Seiten und 
Stellen ausfüllte, so Bl. 147 v, 148 v und 151 v, ferner Bl. 161 v, 163 P v bis 166 v, bei diesem 
letzten Teil mag Bl. 164 vf. noch eine weitere spätere Hand beteiligt gewesen sein. Rote 
Überschriften für die einzelnen Tage und Feste. Reicher Initialschmuck. Schrift gemischt 
aus strenger karolingischer Kapitale, der Rustikakapitale und der Minuskel des 11. Jahr- 
hunderts. 
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