Full text: Gesamthochschule Kassel 1971 - 1981

DIE ENTSTEHUNG DER GESAMTHOCHSCHULE KASSEL - HOCH- 
SCHULPOLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN 
Christoph Oehler 
Zur Ausgangssituation in der Bundesrepublik 
Der Entstehung der Gesamthochschulen liegen sehr unterschiedliche 
Konzepte zugrunde, die sich auch in unterschiedlichen Organisations- 
modellen niedergeschlagen haben. Sie sind nur verständlich auf dem 
Hintergrund der bildungspolitischen und auch gesellschaftspolitischen 
Ziele der gesellschaftlichen Gruppen, die diesen Konzepten in der Re- 
formphase seit Mitte der sechziger Jahre Gewicht in der Auseinander- 
setzung um den Hochschulausbau gegeben haben. 
Die eine Gruppierung hat ihre Vorstellungen wohl am geschlossensten 
durch die Bundesassistentenkonferenz im sogenannten Kreuznacher 
Hochschulkonzept (1968) 1 und auf dem auf ihm aufbauenden Bergneu- 
städter Gesamthochschulplan (1970) 2 artikuliert. Das Kreuznacher 
Hochschulkonzept ist Bestandteil eines bildungspolitischen Programms, 
das mehr Chancengleichheit und mehr Selbstbestimmung im Bildungs- 
wesen unter anderem mit Hilfe der strukturellen Zusammenfassung der 
Sekundarstufe bei gleichzeitiger innerer Differenzierung anstelle der 
überkommenemeher selektiven Trennung der Bildungswege verwirkli- 
chen will. Deshalb soll einem System von Gesamtschulen die Zusam- 
menfassung des Hochschulbereiches in integrierte Gesamthochschulen 
entsprechen. Diese umfassen zwar nur diejenigen Absolventen des 
Schulsystems, die eine Hochschulreife erworben haben. Immerhin sol- 
len diese aber am Hochschulort ein nicht mehr nach Zugangswegen 
hierarchisch gegliedertes Angebot an wissenschaftlichen Ausbildungs- 
wegen vorfinden. Außerdem sollen der Übergang von dem - integrier- 
ten - allgemeinbildenden Schulwesen durch stärkere Förderung anstelle 
von Selektion quantitativ verbreitert und vor allem durch ein stärker 
integriertes Curriculum bis zum Abitur I die individuellen Bildungswe- 
ge offener gehalten werden. Die zugrundeliegende Bildungsvorstellung 
ist die der Verwissenschaftlichung immer weiterer Lebensbereiche, die 
sich auch in den Lehrplänen niederschlagen und den Übergang zum Hoch- 
schulbereich bruchloser gestalten müsse. Dem entsprechen einzelne 
Reformmodelle für diesen Übergang, so der Zielsetzung nach der Evers-
	        

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