Full text: Kreis Hofgeismar : Teil 1. Schloß Wilhelmstal (7)

GARTEN 
ROKOKOANLAGE 
Tafel 1 
Tafel 2 
Tafel 3 
Eine Reihe von fünf Plänen, die etwa 1746, 1753, 1810, 1814 und 1824 entstanden sind und die bis auf 
einenl bisher unbekannt waren, geben im Anschluß an die Geländekarte vom Jahre 1723 ein besseres Bild 
von der Entwickelung des Gartens als alle bisher vorliegenden Beschreibungen. Für die Zeitbestimmung des 
großen Planes vom Rokokogarten? kann es als Anhalt dienen, daß eine absolute Klarheit über den Grundriß 
des Hauptgebäudes noch nicht besteht. An Stelle der anscheinend vom Landgrafen gewünschten Altane sind 
hier den besonders eingefriedigten rJardins secretsm an der Nord: und Südseite des Schlosses wenig erhobene 
Terrassen vorgelagert. Dafür ist das Obergeschoß in gleicher Ausdehnung wie das Erdgeschoß hochgeführt. 
Der Silberkammeranbau des südlichen Nebenflügels ist noch nicht vorhanden. Der innere Schloßhof (Ehren: 
hof) ist durch ein kurviert geführtes Gitter abgeschlossen. Es ist wahrscheinlich deshalb nicht zur Ausführung 
gekommen, weil die hier in Form von zwei viertelkreisförmig geschwungenen Flügeln mit Endpavillons um 
einen Hof mit ovalem Bassin gruppierten Wirtschaftsgebäude auf einen Platz außerhalb des Parkes, an der 
Südseite der großen Allee, verlegt und aus diesem Grunde auch die beiden Wachtgebäude im Anschluß an 
das große Rondell näher zusammengerückt worden sind. Alles das deutet darauf hin, daß der Plan gezeichnet 
worden ist, bevor mit der Ausführung des Hauptflügels begonnen wurde, oder kurz nach diesem Zeitpunkt. 
Da das Ganze den Namen Wilhelmstal trägt, ist die letztere Annahme die wahrscheinlichere, so daß der 
Plan vermutlich der zweiten Hälfte des Jahres 1753 angehören wird. Auf jeden Fall handelt es sich nicht um 
einen neuen Entwurf zum Garten, sondern um die zeichnerische Wiedergabe eines älteren, dessen Entstehung 
um etwa ein halbes Menschenalter zurück zu datieren und der hier durch den Du Ry'schen Grundriß 
des Schlosses und einen an Renaissancevorbilder eng angeschlossenen Wirtschaftshof ergänzt worden ist. 
Der Plan läßt deutlich erkennen, in welcher Form Wilhelm VIII. die bei der Grundsteinlegung des Haupt: 
flügels erwähnte Erweiterung des Gartens von Ameliental vorgenommen hat. Die Richtung des vom Pferde: 
kamp kommenden Gewässers ist aufgenommen und die Grenze des Parkes parallel dazu in gerader Linie 
auf die Südecke des alten Lustgartens zugeführt, um gleich darauf in stumpfem Winkel nach Nordosten 
umzubiegen und die Hauptachse der Gebäude in rechtem Wänkel zu schneiden. Die Fortsetzung der Grenzen 
nach Nordosten ist nur angedeutet, doch ist wohl damit zu rechnen, daß eine symmetrische Gesamtform 
angestrebt gewesen ist. Sodann sind hier schon Weinberg und beide Mühlenwiesen in den Park einbezogen. 
Die Anlage selbst ist dreiachsig gedacht, wovon aber nur der mittlere, fächerförmig um die Hauptachse 
entwickelte Teil und die südliche rechtwinklig konturierte Nebenachse an der Allee zur Ausführung ge: 
kommen sind. Es ist zu verstehen, daß das vorn Pferdekamp kommende Gewässer den an holländische 
Anlagen gewöhnten Landgrafen dazu angeregt hat, den Garten nach dieser Richtung hin zuerst auszubauen, 
und daß dem in Fülle vorhandenen Wasser von vornherein eine Hauptrolle dabei zugedacht gewesen ist. 
Das erste Stadium der Entwickelung veranschaulicht der älteste der Pläne (Plan General d'Amelienthal, 
handgezeichnet und aquarelliert)? der, wie die Unterschrift besagt, von Simon Louis Du Ry gezeichnet ist. 
Grottenbau nebst Kanal und Teich sind fertiggestellt. Der Entengarten ist noch nicht in Angriff genommen. 
Es ist also, wie weiter unten noch auszuführen ist, der Zustand des Jahres 1746..Anscheinend ist der Plan 
eine Wiederholung desjenigen, von dem Simon Louis Du Ry 1746 schreibt, daß er ihn vor seiner Abreise 
nach Stockholm angefertigt hat! Allerdings enthält der Plan bereits den Grundriß des Hauptgebäudes, wie 
er im Jahre 1750 in Paris entstanden ist, was damit zu erklären sein mag, daß Du Ry mit Schreiben vom 
22. August 1749 seinen Vater bittet, durch seinen Bruder Carl einen Lageplan mit einem Stück des Gartens 
zeichnen zu lassen (s. S. 7) und ihm diesen nach Paris zu übersenden. Wahrscheinlich wird Carl Du Ry 
l S. Brunner a. a. O. Wiedergabe des Planes von Cathrinenthal gez. v. Schaeffer. 
2 Samml. der Landesbibliothek. Die Auffindung danke ich den freundlichen Mitteilungen des Herrn Bibliothekar Israel. 
3 Wilhelmshöher Samml. in der Landesbibliothek. 
4 Brief an seine Schwester v. 1. 7. 1746, Denkmälerarchiv in Cassel. 
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