Full text: Kreis Cassel-Stadt : Text, Teil 2 (6)

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Gebäude. QQQQQQEQ 
zeiten überlassen und die Freiheit, die sie über den Hof hatten, bestätigt. Ob der Hof um diese Zeit in seinen 
Bauten noch Reste der ursprünglichen Anlage aufwies, ist schwer zu sagen. Die älteste Abbildung, die wir 
besitzen, rührt zwar ebenfalls aus der Mitte des 16. Jahrhunderts her, bringt aber nur das Hauptgebäude. Sie 
erscheint auf Müllers Stadtplan} Trotz des kleinen Maßstabes kennzeichnet sich das Bauwerk, das seinen Platz 
neben dem Salzhause hat, deutlich als das Herrenhaus einer Hofanlage. Im Gegensatz zu den Bürgerhäusern, 
die Giebelausbildung aufweisen, zeigt das freiliegende Gebäude ein Sattelwalmdach von auffallender Höhe. Der 
Unterteil ist als Steinbau, der auskragende Oberteil als Fachwerk dargestellt. Die Fenster besitzen rechteckiges 
Format. Von größter Bedeutung sind die Erker, die sich an den Ecken des Oberteils finden und diesen als Wehr- 
geschoß ausweisen. Ihre spitzen Helme sind mit Schiefer gedeckt, während die Deckung des Hauptdaches aus 
Ziegeln besteht. Daß der Bau, wenigstens was seinen oberen Abschluß angeht, nicht mehr der romanischen 
Zeit angehört, sondern in gotischer Zeit entstand, ist wahrscheinlich. Daß er eine gewisse Höhe besaß, ergibt 
sich daraus, daß er den Stadtwall überragt, hinter dem die Nebenanlagen verschwinden. A, 
1557 trat in der Besetzung des Hofes wiederum eine Änderung ein. Der jüngere Hans Schalfnit ver- 
kaufte am 22. August dieses Jahres das Haus mit seinem ganzen Bezirke, dem Hofe und den Stallungen, für 
1200 Taler bei einer Anzahlung von 600 Talern an Landgraf Wilhelm. Ob indessen der Landgraf wirklich 
vom Hofe Besitz nahm, muß fraglich erscheinen. Denn am 20. April 1558 veräußerte derselbe Hans Schaffnit 
gleichfalls für 1200 Taler das Haus mit Zubehör an den Hofmarschall Friedrich von Rolshausen, der 1563 
Leutnant des zum Obersten in Cassel ernannten Landgrafen Wilhelm, 1567 Landvogt an der Diemel und 1568 
Oberster in Kriegssachen wurde. Die Benutzung des Hofes durch Rolshausen sollte für die Benennung der 
Anlage insofern nicht ohne Folgen sein, als das Haus schon bald als Oberstenhof erscheint, wie eine Stadt- 
rechnung des Jahres 1572 ergibt, in der ein Betrag verbucht ist für Jost Schneider, der „die trenkepforten beis 
Obersten haus ufgeräumbt" hatte? Dafür, daß sich die neue Bezeichnung einbürgerte und den alten Namen 
verdrängte, sorgte der Umstand, daß Landgraf Wilhelm lV. 1573 die Besitzung zurückkaufte, um sie dauernd 
zur Wohnung des iedesmaligen Obersten und Stadtkommandanten von Cassel zu bestimmenß 
Bezeichnend für das Interesse, das der Landesherr an der Besitzung hatte, ist die Äußerung Rolshausens 
vom 26. Februar 1573: „Ferner wußte unser gnediger Fürst und Herr sich zu erinnern, welchermaßen er 
Friedrich von Rolshausen hiebevor seine Behausung erkauft. Ob er dann hiebevor wohl Kaufleut darzu gehabt, 
so habe doch s. f. g. ihme durch den Statthalter ansagen lassen, daß er mit Verkaufung des Hauses gemach 
thun, dann s. f. g. nit leidlich wer, daß ein jeder solch Haus bewohnete, der nit in s. f. g. Dienst were. Bitt 
derhalben underthenigk, weil sein Gelegenheit net wer, das Haus lenger zu behalten, s. f. g. wollen ihme, das 
davor gegebene Gelt wieder erlegen und das Haus entweder selbst behalten oder sonsten irer Diener einen, 
dem sie es gonneten, zukommen lassen wolten." Am 27. April 1573 quittierte Rolshausen dem Kammermeister 
Simon Bing und dem Pfennigmeister Johann Kaufunger über die Auszahlung von 1500 Talern. für seinen Casseler 
Hof. Die Erwähnung von Arbeiten im Jahre 1586, die „hinter des hern obersten haus" vorgenommen wurden} 
läßt annehmen, daß auch um diese Zeit der Oberst wirklich auf dem Hofe saß. Auch im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts ist der Oberst im Hause noch nachzuweisen. Das Häuserverzeichnis vom Jahre 1605-" führt die 
Anlage auf als „Vnsers gned. F. undt Hern hauß undt holf mit seinen vmbgreiffenden gebauden, darin anitz 
J. F. G. Obersten Leutnant." Eine Berichtigung des Jahres 1610 hat das Wort „Obersten Leutnant" in „Oberst" 
abgeändert, ein Zeichen, daß auch um diese Zeit das Haus noch _als Kommandantenwohnung diente. Viel 
länger kann allerdings die Anwesenheit des Obersten im Hause nicht gedauert haben. Bereits unter Wilhelms 
1 Stadtplan v. Müller 1547. 
3 Stadtarchiv Cassel D 956. . r 
3 Landau, Kollektaneen, Landesbibliothek Cassel. Nebelthau, Kollektaneen, Stadtarchiv Cassel. Bernhardi, Cassel S. 15 f. Nebelthau, 
Gebäude S. 38: „Die Anlage des Gartens auf dem sogenannten Finkenheerd hängt hiermit noch zusammen; er ist immer noch ein Nutzstück 
der Commandantur." 
4 Prot. B. Ortsrepositur Staatsarchiv Marburg. 
5 Handschrift. Stadtarchiv Cassel. 
Tafel 4 u. 5 
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Bau- und Kunsldenkmäler im Reglerungsbezirk Cassel. Vl. Cassel-Stadt. 
433 
 

        

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