Full text: Kreis des Eisenberges (N.F., Bd. 3)

Niederense 
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felform entwickelt. Nn der Westseite eine gleiche Doppelarkade mit schlichtem Zwischenpfei 
ler. — vierseitige Glockenstube in holz, mit achtseitigem Helm, verschiefert. 
Inneres. Der Eindruck des Kirchenraumes wird vornehmlich durch die barocken Um- und 
Einbauten bestimmt. Der Thor trägt heute eine rohe Flachbogentonne von holz. Die schwach 
abgesetzten Wandauflager eines spitzbogigen Gewölbes sind noch sichtbar. Ls ruhte auf noch 
vorhandenen Lckvorlagen mit Kräftigem Kantenstab (flbb. 60); Kämpferprofil 
im Osten aus Platte, Kehle, Kerbe und Wulst, im Nordwesten aus Platte 
und Wulst, im Südwesten aus Platte, Plättchen und Wulst. Die Fenster in 
steiler Schräglaibung. Unter den seitlichen je eine rechteckige Nische. Die nörd 
liche in gekehlter, im Kielbogen geschlossener Umrahmung; im Vogenfeld 
Schild mit Schlüssel; in den Zwickeln je ein Schild, das rechte mit achtstrahli- 
gem Stern, das linke leer. 
Das Schiff trägt eine rohe, ohne Profil ansetzende Holztonne mit geraden 
Einschnitten für die Dachfenster, klls Neste des romanischen wölbspstems sind 
an den Langwänden Mittel- und Lckvorlagen über Kehlsockeln erhalten, da 
zu kräftige Wandauflager für die Gewölbe selbst. Die Hochfenster der Süd 
wand in Schräglaibung mit stark abgeschrägter Sohlbank. Die Laibung der Nordfenster ist stark 
erweitert und fast gerade. — 3n Schiff und Thor der Fußboden mit Sandsteinplatten be 
legt. wände und Decken geputzt und, wie auch die Nrchitekturteile, geschlemmt. Der ganze Kir 
chenraum sehr wiederherstellungsbedürftig. — Das Schiffsdach mit nicht unterstützter Kehl 
balkenlage und moderner Firstpfette, das Lhordach mit doppelter Kehlbalkenlage, unterstützt 
durch aufgeplättete Kreuzstreben. 
Turm. Über der Erdgeschoßhalle hängekuppelgewülbe mit Gratansätzen. Ls ruht auf Wand- 
bögen, die ohne Kämpfer in die doppelten Lckvorlagen überlaufen. Der nach Nusweis eines 
Bogenrestes im Scheitel einst rundbogige Durchgang zum Schiff ist stark erweitert, wände, 
vorlagen und Gewölbe geputzt. Zementfußboden. Zum ersten Obergeschoß Zugang von der 
Kirchenempore aus. Die wände in den Obergeschossen steinsichtig verputzt, vom dritten aus 
roher Zugang zum Kirchendachboden. — Der Helm auf mehrgeschossigem Sterngebälk. 
A 
flbb. 60. Niederense, 
Kantenprofil der 
Lckvorlagen im 
Thor. 1:20 
Taf. 92' 
Ausstattung. Nltar (mit Aufsatz) in Blockform. Unterbau gemauert und verputzt. Deck 
platte aus Stein, verputzt, h. 1,18 m. Noch mittelalterlich? Aufsatz (K a n z e l a l t a r) aus Taf. 93- 
holz geschnitzt mit zum größten Teil alter farbiger Fassung, h. ca. 5, Br. 3,40 m. hohe 
Predellazone, darüber rundbogig geschlossenes Mittelfeld, flankiert von je zwei gedrehten Säu 
len. Uber reichverkröpftem Gebälk als oberer Abschluß rundbogig geschlossenes Jnschriftfeld 
zwischen zwei Giebelecken mit geflügelten Putten. Ornamentik: besonders Akanthuslaub. vor 
dem Rundbogen der Hauptzone die Kanzel, Korb aus drei Seiten eines Rechtecks, Brüstung 
mit Blendfüllungen, an den zwei vorderen Kanten Halbsäulen. Die konsolartige Korbstütze im 
Mittelfeld der Predella. Die Kanzel im Gegensatz zum Altaraufsatz schmucklos, vielleicht im 
18. Ih. erneuert. Holztreppe mit Brettdocken, von Iosias wolrad Brützel. A. 18. Ih. 
Taufe aus Sandstein, h. 0,83 m, Beckentiefe 0,31 m. Fuß im Lhorfußboden eingelassen. Ge- Taf. 9t' 
drungene schwere pokalform, auf rundem Schaft ISseitiges Becken mit senkrechter Wandung, 
darauf zwei Sprüche, der waldecker Stern mit „Wolrad Grave zu Waldeg" und „1550" ein 
gehauen. 3m Becken tiefe Linsatzaushöhlung (0 0,55 nt). 
Gestühl, gelb gestrichen, mit teils nur schmalem Gesangbuchbrett und verschieden abgeschräg 
ten Seitenwangen. Die Vorderseite des Schiffgestühls mit Faltwerk und Blendfüllungen (mit 
Flammleisten) verziert. Am Thorgestühl Wappen mit Rollwerkkartusche darunter, von Ar- 
nold von viermund, Hofrichter und Amtmann, 1581. 16./17. und 18. Ih. 
Empore, gelb gestrichen. Ruf Holzpfeilern. Ouergebälkkonstruktion ohne Füllholz. Brett 
dockengeländer mit oberem Abschlußgesims, an der Westseite eingelegte Füllungen mit Deck 
leisten. 18. Ih. Zweite Westempore mit Breitdockengeländer und unterem und oberem Ab- 
schlußgesims, 19. Ih. 
Wandgrab der Gräfin Anna von waldeck, geborene von viermünden, Erbtochter zu Nor 
denbeck, Freifrau zu „Winnenberg und Bilstein". Alabaster und Sandstein, h. ca. 3, Br. 1,40 m.
	        

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