Title:
Kreis des Eisenberges
Creator:
Ganßauge, Gottfried Wikipedia Kramm, Walter Wikipedia Medding, Wolfgang Wikipedia
PURL:
https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1339494911887_0003/12/

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Einführung
bronzenen Gürtelschmuck und l5 geschmiedete Nägel mit rundem Kopf, die wohl als Schild
beschlag verwendet wurden.
Die Anlage des Neihengräberfriedhofs der Karolingerzeit, in dessen Raume die germanischen
Brandgrubengräber liegen, ist gewiß nicht rein zufällig an der Stelle des älteren Begräbnis
platzes erfolgt. Ls unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die Bevölkerung des karolingi
schen Dorfes, denn um einen vorffriedhof handelt es sich, mit vorbedacht die alte Begräbnis
stätte zu der ihrigen gemacht hat. Vas setzt aber Kontinuität der Bevölkerung in diesem
Siedlungsraume voraus.
Die Gräber, es sind bisher 46 untersucht worden, zeigen eine ziemliche Regelmäßigkeit. Die
Toten liegen bis auf wenige markante Nusnahmen in Gstwestrichtung; das Gesicht ist nach
Osten gewendet. Männer-, Frauen- und Rindergräber wechseln ab. Da der Erhaltungszustand
der Skelette dank des Kalkbodens ein recht guter ist, bietet das Schädelmaterial eine reich
haltige Fundgrube für die anthropologische und Rassenforschung. Die zahlreichen Beigaben
geben recht wertvolle Aufschlüsse über die Lebensweise, Kleidung und Bestattungssitten der
damaligen Zeit. Da sie dem Korbacher Museum zugeführt wurden, ist im Inventar des
Museums ausführlicher darüber berichtet worden. Ls erübrigt sich daher an dieser Stelle eine
eingehende Behandlung.
Geschichte
Die Geschichte des Kreises des Eisenberges ist für den Verlauf eines Jahrtausends unlöslich
mit der Geschichte der beiden anderen waldeckischen Kreise, des Kreises der Twiste und des
Kreises der Eder, verknüpft, mit denen ihn gleiche Schicksale unter einem gemeinsamen lferr-
scherhause verbinden. Mit dem Eintritt in die Geschichte zu Beginn unserer Zeitrechnung saßen
in dieser Gegend die T h e r u s k e r, während südlich davon in der Edergegend die Ehalten
ansässig waren. Im Jahre 9 u. Zr. geboten die Cherusker dem Vordringen der Römer Ein
halt. Ihr Fürst Hermann vernichtete die römischen Legionen unter varus an den hängen des
Teutoburger Waldes, wahrscheinlich haben die Züge der Römer nach dem Teutoburger Walde
und an die untere Weser durch die „Waldecker Pforte" über das Hochland von Korbach ge
führt, da dieser Weg auch im späteren Mittelalter eine der wichtigsten südnördlichen Ver
bindungsstraßen vom Mittelrhein-Main-Gebiet nach Westfalen, von Frankfurt über Wetzlar,
Frankenberg und Korbach nach der Eresburg, Paderborn und der unteren Weser gewesen ist.
In der Völkern» anderungszeit waren die Sachsen von Osten kommend über die
Weser und Diemel bis an den Rhein vorgedrungen und hatten auch den ganzen nördlichen und
westlichen Teil Waldecks erobert und besiedelt. Die Städte Sachsenberg und Sachsenhausen
kennzeichnen die Grenzen ihres Vordringens und bestimmen bis auf den heutigen Tag ihre
südliche Sprach- und Stammesgrenze auf Waldecker Boden. Der Kreis de; Eisenbergs gehört
damit in seiner gesamten Nusdehnung dem niedersächsischen Stammesraum an. In der ersten
Hälfte des 8. Jahrhunderts stießen die Sachsen von der waldeckischen Pforte aus in die mitt
lere Edergegend weit ins Hessenland vor. Zu einer Gegenbewegung kam es unter Kaiser
Karl dem Großen, der in seinen Sachsenkriegen in einem konzentrischen Angriff die
Grenzen des Frankenreiches weit nach Norden bis über die Diemel vortrug, die alte Sachsen
feste Eresburg im Jahre 772 eroberte und zu einem Hauptstützpunkt seiner Eroberungen aus
baute. Die Lroberungszüge Kaiser Karls führten durch Waldecker Gebiet und folgten wahr
scheinlich der alten südnördlichen Verkehrsstraße von Frankfurt über Frankenberg und das
Hochland von Korbach zur Eresburg. Diese alte Heeres- und Handelsstraße führte innerhalb
unseres Kreisgebietes von Frankenberg über die höhe zwischen Sachsenberg und viermünden
hinab zur Totenfurt unterhalb der Niederorker Mühle, stieg von hier hinauf zur Fürstenkirche
östlich von Fürstenberg, führte dann östlich von Immighausen vorüber über die Itter ober
halb von Dorfitter, dann über den Kappenberg nach Korbach und von hier über Dingering
hausen, am Totenkopf vorbei über die Giershagener Hochfläche nach Marsberg. Kaiser Karl
legte zur Sicherung seiner rückwärtigen Verbindungen und zum Schutze dieser Verkehrswege
befestigte Reichshöfe und Straßenfestungen an. Lin solcher fränkischer Königshof hat zweifel
los in Korbach selbst auf dem Kilianshügel, dem vom Altstädter Markt, Tränkestraße, Neuer
weg, Tempel und Stechbahn umgrenzten Raume, gelegen, um den die alte Heeresstraße im