Full text: 70 Jahre Flugplatz Fritzlar 1938 - 2008

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Flugsicherheit 1/94 
 
„Ein bisschen Luftwaffenhistorie“ 
von Peter Sturz, Hauptmann d. D. 
 
Dies ist die wahre Geschichte eines VIP-Fluges in den 
60er-Jahren. 
 
Das Ganze spielte sich im östlichen (!) norddeutschen 
Raum ab und begann recht harmlos. Der 
verantwortliche Luftfahrzeugführer (VLF) und ich 
sollten einen wirklich hochrangigen VIP zu einer 
Fernmeldeeinrichtung nahe der damaligen 
Zonengrenze fliegen.  
Mit einer Alouette II nahmen wir den als 
VIP nicht gerade beliebten General auf und folgten 
einer Straße südlich eines Mittelgebirges, um trotz der nicht gerade guten 
Wetterbedingungen auf jeden Fall unseren Ablaufpunkt für den Endanflug nicht zu 
verpassen. Wir mussten zum Teil zwischen Nebelbänken unseren Weg suchen, teils 
blieben wir über den Nebelfeldern, mit einem Wort: terrestrische Navigation war nicht 
immer möglich.  
Es kam, wie es kommen musste! Den Ablaufpunkt haben wir nie gesehen, und 
nachdem eine verflucht unruhige Zeit verstrichen war, versuchten wir, aufs Geratewohl 
und querfeldein den Landeplatz zu finden. Die Stimmung in unserem Hubschrauber 
schlug Wellen, der VIP wollte eine Karte haben, und so bestimmte der VLF, dass er 
aufgrund der Wichtigkeit des Auftrages die Navigation übernehmen werde und ich sollte 
die Steuerführung übernehmen – das hätte ich ja schließlich gelernt. Der vorgesehene 
Landeplatz lag nur einen Kilometer von der Zonengrenze entfernt, und jeder kann die 
Anspannung verstehen, mit der wir uns aus der Situation herauszulavieren versuchten. 
Die Zeit verstrich unerbittlich, und das trug bestimmt nicht zu unserer Beruhigung bei. 
Unser VIP hatte wichtige Akten für eine Konferenz von NATO-Generalen bei sich und 
sorgte auch nicht gerade für eine heitere Atmosphäre . . .  
Wir irrten nun nahezu planlos und fast entnervt in der Gegend herum, kannten 
unsere genaue Position nicht mehr und taten das, was man mit Hubschraubern in 
solchen Fällen eben tut: man holt sich eine „Fahrkarte“, indem man ganz nahe an einem 
Ortsschild vorbeischwebt, um den Namen zu entziffern und so die eigene Position 
wieder festzustellen. Solches taten wir und waren mehr als beunruhigt, da das Ortsschild 
WEISS war! 
Wir hatten uns also total verfranzt, hatten unseren VIP in die sowjetisch 
besetzte Zone geflogen und versuchten nun verzweifelt, den Ortsnamen auf den hin und 
her gedrehten Karten zu finden. Schließlich konnten wir das Nest auf der Karte 
bestimmen und unsere „Flucht“ in die Wege leiten. Also: go west! Mit unglaublich 
heißen Ohren, ob der verständnisvollen Kommentare unseres VIP und mit einer vorher 
nie gekannten, bedrohlichen Angst beschleunigte ich die brave Alouette auf 
Höchstgeschwindigkeit und flog so tief wie nie zuvor in Richtung Westen.
        

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