Full text: Manuscripta musica

Dresden geschriebenen Hss versagen. Ein einschlägiges Findbuch der sächsischen Papier- 
marken ist abzuwarten (Deutsche Bibliothek Leipzig). Nachdem sich die Existenz meiner 
Papiermarkensammlung herumgesprochen hatte, drängte mich der Verein für hessische 
Geschichte und Landeskunde, ihm das Manuskript zur Veröffentlichung zu überlas- 
sen17. 
Selbstverständlich hat die musikalische Ausstrahlung des hessischen Hofes viele Komponi- 
sten ermutigt, Widmungsexemplare ihrer Werke nach Kassel zu schicken, etwa Mercker, 
Textor, Hassler (20 53 e) oder den württembergischen Hofkapellmeister Leonhard Lech- 
ner (20 15). Von Valentin Geuck war schon die Rede. Moritz hat nicht nur den dritten Teil 
von Geucks opus musicum vollendet, sondern mit diesem zusammen auch eine Musiktheo- 
rie18 verfaßt, die jedoch in diesem Katalog nicht beschrieben wird, weil die Hs eine andere 
Signatur besitzt (80 Math. 5)19. In der nämlichen Signaturgruppe finden sich noch weitere 
wichtige musiktheoretische Opera, so die Musica Guidonis (20 Math. 31), der Guidonische 
Micrologus (40 Math. 1)20 oder der Tonarius Bernardi (40 Math. 4)2'. Ferner wurde nicht 
berücksichtigt, was an Musikalien in den Archivalien des Collegium Mauritianum aufbe- 
wahrt wird, etwa die in Motettenform abgefaßten Neujahrswünsche für Moritz von Georg 
Schimmelpfennig (20 Ms. Hass. 57 [10, 151'-156') oder von Friedrich Kegel (20 Ms. Hass. 
57 [8, 189'-194'). Diese Sammlung enthält, nebenbei bemerkt, noch zahlreiche weitere 
Glückwünsche in Gedichtform von Schimmelpfennig, Schütz, Francis Segar, John Stanley 
(Hofkapellmeister 1632-38), Christoph Kegel, Ciriacus Kempff und Christoph Cornet. 
Moritz musikalisches Interesse galt jedoch nicht allein der repräsentativen Festmusik ve- 
nezianischen Zuschnitts, sondern auch dem, was man im 19. Jahrhundert kultivierte Kam- 
mermusik nannte. Da er selbst ein guter Lautenspieler war, suchte er Kontakt zu den füh- 
renden Virtuosen seiner Zeit. So weilten Jean Baptist Besard (1597) und Charles Tessier 
(1604) in Kassel. 1594 und 1596 hielt sich John Dowland in Kassel auf, und Moritz bemühte 
sich 1598 darum, ihn fest an Kassel zu bindenzz. Aber wie auch im Falle Hans Leo Hassler 
hatte er damit keinen Erfolg. In den Hss haben sich diese Gastspiele nur im Falle John 
Dowland niedergeschlagen. In dem von dem damaligen Hoflautenisten Victor de Mont- 
buysson angelegten, teilweise von Schimmelpfennig geschriebenen Lautenbuch (40 108.1) 
hat sich einiges von Dowland erhalten. Die zweite Hälfte dieses Lautenbuches wurde für 
Elisabeth von Hessen angelegt23. Elisabeth (1596-1625), Tochter Moritz' von Hessen und 
CLYTUS GOTTWALD, Die Papiermarken der Landgrafenschaft Hessen-Kassel 1590- 166(). Kassel 1991 (Hessi- 
sche Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskundefll.) 
Musica methodice conscripta et in ordinem brevem redacta Autore Valentino Geucio lll. Landgravii Has- 
siae Mauritii etc. cubiculario. Post mortem autoris edita. Cassellis 1598 (Druck nicht nachgewiesen) 
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GUTBIER, s. Anm. 3 
Guidonis Aretini Micrologus. Edidit Jos. SMITS VAN WAESBERGHE. 1955, 71 (Corpus Scriptorum de Musica. 4.) 
MICHEL HucLo, Les Tonaires: Inventaire, Analyse, Comparaison. Paris 1971, 252-284 (Publications de la 
Sociätä Francaise de Musicologie. Ser. 3, Bd. 2.) 
DIANA POULTON. John Dowland. London 211982, 50 
CLAUDIA KNISPEL. Das Lautenbuch der Elisabeth von Hessen. Frankfurt 1994 
XXI
	        

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