Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1789)

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Um ii Uhr wird ihnen aufs 
neue ein Futter von guter und 
nahrhafter Art eingeschüttet. 
An den meisten Orten wird 
von Michaelis bis MariäVer- 
kündigung das Kuhvieh zu Mit 
tage nicht weiter gemo ken, denn 
man hält es vor eine vergebliche 
Arbeit, wenn man nachdem die 
Kühe um L oder 7 Uhr gemol- 
ken worden, man solches schon 
um »i oder irUhr «ach so we 
nigen Stunden wiederholen wol 
le. Man hält davor, daßman 
solches füglich bis auf den Abend 
»ersparen könne, und die Kuh 
alsdenn eben so viele Milch ge 
ben werde, als wenn siezu Mit 
tage gemolken wäre. Allein das 
»st ern offenbarer Irrthum. Je 
öfter die Kühe gemolken werden, 
jr mehrere M lch geben sie. So 
bald aber oft Milchgefäße ange 
füllet sind, höret die Natur auf, 
ihnen eia mehrereS zuzuführen 
und sie verwandelt d»e vorhan 
denen Säfte in Blut und Fett. 
Die Eriahrung wird es lehren, 
daß das V-eh auch »m Winker 
bey einem dreymaligen Melken 
den Tag über mehr Milch gie- 
bek, als wenn es nur zweymal 
gemolken wird Wo nun das 
dreymalige Me ken gewöhnlich 
ist, so kann solches unter der 
Zeit geschehen, da dir Kühe das 
ihnen um n Mr eingeschüttete 
Futter verzehren. 
Um i2 Uhr, nachdem das 
Vieh gemolken ist, erhält es 
wieder eine Portion Heu, und 
Um i Uhr, wenn die Mäg 
de vom Mittagseffen kommen, 
wirdOvaS Vieh rum rweyten 
male getränket. . 
Um 2 Uhr bekommen sie ein 
Futter von dem mit gutem An- 
mengftl aufgebrüheten Hecksek. 
Um 4 Uhr erhalten sie ein 
gleiches. 
Um 5 Uhr wird ihnen die drit 
te Portion Heu gegeben, und 
werden, nachdem sie solches ver 
zehret haben, wieder getränket. 
Gleich darnach erhalten sie die 
beyden letzten Abendfutter, die 
ebenfalls aus den schlechter» und 
gemeinern Anmengselarten be 
stehen können, dabey sie zugleich 
gemolken werden. Wenngleich 
die Kühe diese Futter nicht so 
begierig fressen werden, so holen 
sie es voch m der Nacht nach, 
was sie übrig gelassen haben. 
Von selbst v rsteht fichs, daß 
in den kurzen Winrertagen die 
se Fütter - und Wäfferungsftun- 
den nicht so genau beobachtet 
werden könuen. 
Wegen der Einstreue und 
Reinlichkeit des Viehes gilt 
hier eben das, was schon im 
ersten Abfchnitt gesagt worden,
	        

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