Full text: Hessenland (49.1938)

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vollen Auftakt. Eine Wiederholung der Aufführung 
am 28. August fand wieder uneingeschränkten Beifall. 
Den musikalischen Teil der Veranstaltungsfolge 
leitete das Musikkorps des Fliegerhorstes Nothwesten, 
das anläßlich der großen NotkreuZtagung am 16. und 
17. Juli in Hersfeld weilte, unter Leitung von Stabs 
musikmeister Fischer mit Märschen und anderen Weisen 
ein. Ein klassisch-romantischer Abend am Mittwoch, dem 
29. August, in der Kulturhalle bildete die Fortsetzung. 
Ausführende waren das Kromcr-Quartett vom Kasseler 
Staatstheater (Richard Krom, 1. Violine- Oskar Riege, 
2. Violine- Bruno Sach, Viola- Walter Rühle, Violon- 
Cello), Siegfried Ringolf-Kassel (Baß-Bariton) und Al 
fred Fischer-Hersfeld (Flügel). 
Am Sonntag, dem 11. September war dem Tondichter 
Bruno Stürmer in der Kulturhalle eine Morgenfeier ge 
widmet, in der seine jüngste Schöpfung, ein Klavier 
konzert, die Uraufführung erlebte. Musikdirektor Hans 
Petsch gab einleitend einen Überblick über die Werke 
Zeitgenössischer Komponisten. Aus dem großen Schatz 
Stürmer'schen Schaffens brachte Maria Reinhold-Schä- 
ser (Alt), Kassel, drei Lieder zu Gehör. Die „Woche 
der deutschen Hausmusik" in der Mitte des Monats 
November sah alle Musiktreibenden der Stadt Hersfeld 
auf dem Plan. Kurorchester, Musiklehrer, Musikschüler 
und die Schulen halfen mit, diese Woche auszugestalten. 
Sonntag, den 20. November, gab außer der Reihe 
das Kurhessische Landesorchester in der Kulturhalle un 
ter der Stabführung von Kapellmeister Paul Dörrie ein 
Konzert. Den 1. Konzertmeister des Orchesters, Ladislaus 
von Szerdahelyi, lernte man bei dieser Gelegenheit durch 
den Vortrag von Beethovens einzigem Violinkonzert als 
Solisten kennen. 
Dem Meister des Humors, Otto Franz Krauß Kö 
nigsberg, war am 22. Juli ein Abend vorbehalten. Er 
brachte es fertig, zwei Stunden lang eine lachende Re 
sonanz in der ausverkauften Kulturhalle auszulösen. Es 
war schwer zu sagen, was man bei Krauß mehr bewun 
dern sollte, seinen meisterlichen Vortrag, seine mimische 
Vielseitigkeit oder sein eigenschöpferisches Talent. 
Die beiden Nicbelings aus Kassel gaben der ersten 
Freilicht-Aufsührung im Kurpark am 15. Juli unter dem 
Motto „Der Tanz" Form und Inhalt. Ihre große 
Freundesschar war restlos zur Stelle. Ein ausverkaus- 
tes Haus sah auch die Kulturhalle als Lucie Englisch 
mit ihren Ensemble am Dienstag, dem 26. Juli ein 
Gastspiel mit Zdenko von Krasts „Große Rosinen" gab. 
Am Donnerstag, dem 4. August, gaben sich die Spitzen 
könner der deutschen Kleinkunst-Bühnen in Hersfeld ein 
Stelldichein, um einen Abend auszufüllen, der das hielt, 
waö er versprach: „Triumph der Heiterkeit" .In einem 
fast dreistündigen Programm begeisterten Marita Gründ 
gens, Grete Oeditsch, Kurt Engel, Oscar Albrecht, E. 
und W. Blacker, Erwin Hoffmann, Batzerini und Gustav 
Beck das ausverkaufte Haus. Die bekannte Kabarett- 
tistin Claire Waldoff hat mit ihrem Auftreten am Don 
nerstag, dem 11. August, das bewahrheitet, was große 
Zeitungen schrieben: Ob im Süden oder im Norden, 
immer ist der Wiederhall gleich groß. 
Einen humorgcladenen und pointenreichen, parodisti- 
schen Zeitüberblick vermittelten „Oie 8 Entfesselten" am 
5. September. „Gute Besserung" war ihr Leitmotiv und 
wahrlich dem vertrocknetsten Griesgram wurde bei freiem 
herzlichen Lachen leichter. Zu Sonntag, dem 19. Sep 
tember, hatte der Reichssender Frankfurt am Main zu 
einem bunten Abend eingeladen, zu dem er Hedi Kuhn 
(Sopran) und Luitpold Ganther (Tenor), beide Berlin, 
das Männerquartett des Reichssenders Frankfurt am 
Main unter der Leitung von Günter Bruchhaus, das 
Kurorchester mit Hans Petsch und den Ansager Franz 
Otto Krüger verpflichtet hatte. In die drückende Schwüle 
dieser kriselnden Septembertage brachte dieser Abend 
einen erfrischenden Wind. 
Die Kreisdienststelle Hersfeld der NS.-Gemeinschaft 
„Kraft durch Freude" eröffnete ihre Winterarbeit am 
Freitag, dem 14. Oktober, mit einem Variet6-Abend. 
Ein Weltstadt-Programm, aufgebaut auf Akrobatik, Ge 
schicklichkeit und Humor, mit einer Fülle von Spitzen 
leistungen fand ungeteilte Zustimmung. An den Beginn 
der Winterspielzeit stellte der Theaterring inner 
halb der NSG. „Kraft durch Freude" am Freitag, dem 
28. Oktober, Heinrich von Kleists „Prinz von Homburg". 
Das Stadttheater Eisenach brachte eine glanzvolle Auf 
führung unter der Regie von Willi Schmitt. Die gute 
Bühnentechnik unserer Kulturhalle hat sich auch bei der 
Gestaltung dieses Dramas bewiesen. 
Hans Dachelhoffert. 
Vücherschau 
Kart Frölich, Stätten mittelalterlicher Rechtspflege 
auf südwestdeutschem Boden, besonders in Hessen und den 
Nachbargebieten. Arbeiten zur rechtlichen Volkskunde hersg. 
von Dr. Karl Frölich. Heft 1. Tübingen, Osiander, 1938. 
48 S., 20 Taf. und 85 Abbildungen. Preis brosch. 1.60 JlJl. 
Hier sind die zahlreichen Zeugnisse mittelalterlicher Rechts 
pflege, die unsere Heimat birgt, gesammelt und übersichtlich 
dargeboten. Das Büchlein enthalt Gerichtssteine aus vor 
geschichtlicher Zeit, mittelalterliche Gerichtsstätten anderer 
Art, Marktkreuze, Rolande und verwandte Erscheinungen, 
Richtplütze, Pranger und ähnliche Strafvorrichtungen. Der 
Verfasser weiß überall Zusammenhänge mit älteren germani 
schen Rechtsverhältnissen aufzudecken, wobei er vorsichtig die 
verschiedenen, oft stark voneinander abweichenden Meinungen 
gegeneinander abwägt. So ist ein sehr anregendes Werk ent 
standen, das nicht zuletzt durch die reichen Literaturangaben 
gut geeignet ist, in die Probleme der mittelalterlichen Rechts- 
pslege einzuführen. Das Buch vermittelt aber auch die über 
aus große Fülle der Rechtsdenkmäler unseres Hessenlandes. 
Deshalb sei es hier besonders empfohlen. Fr. Uhlhorn. 
Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins. Reue 
Folge, 35. Band. Gießen 1938. 308 S. 18 Bildtafeln und 
Zahlreiche Tabellen und Stammtafeln. 
Wir haben bereits öfter Gelegenheit genommen, auf diele 
vortreffliche Zeitschrift hinzuweisen. Der neue Band enthält 
zunächst eine Arbeit von Fr. C l a u ß über Wetzlarer Richter-, 
Schöffen- und Ratsfamilien des 13. und 14. Ihdts. Die Arbeit 
bietet nicht nur eine Zusammenstellung sämtlicher urkundlich 
festzustellender regierender Familien der Reichsstadt in dem 
angegebenen Zeitraum, sondern auch eine große Zahl familien 
geschichtlicher Zusammenhänge. Darüber hinaus bemüht sie
	        
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