Full text: Hessenland (49.1938)

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Raumes enthält eine Kriegssammlung mit Waffen aus 
alter und neuerer Zeit. Aus der reichhaltigen Samm 
lung kann nur einiges hervorgehoben werden: die kleinen 
mittelalterlichen Völler, die Stadttrommel von Korbach, 
die vielen Steinschloßgewehre, das schwere Tankabwehr 
gewehr, Schlachtenpläne und Kanonenkugeln aus der 
Schlacht im Streitholz bei Korbach — einer Kampf 
handlung aus dem siebenjährigen Kriege —, Flieger 
pfeile und die ersten Fliegerbomben aus dem Weltkriege 
u. a. m. Dieser Raum fesselt besonders unsere männ 
liche Jugend. Es ist erfreulich, zu sehen, wie der wieder- 
erstarkte Wehrwillen in ihrem gesteigerten Interesse für 
des freien Mannes Waffen sich auswirkt. 
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Wetterfahne (von einem Korbacher Bürgerbaus) mit germanischen 
Sinnbildern. Hahn, Sechsstern und Doppelspirale. 
Die andere Hälfte des Mittelgeschosses enthält altes 
bäuerliches Werkgerät. Wie oft zeigt es sich bei Besich- 
tigungen, daß selbst die Jugendlichen vom Lande keine 
Ahnung haben von den früheren Arbeitsgeräten ihrer 
Väter und Großväter. Um späteren Geschlechtern zu zei 
gen, wie schwer die Arbeit ihrer Vorfahren mit diesen 
einfachen Geräten war und um in ihnen Ehrfurcht vor 
dieser Arbeit zu wecken, ist die Abteilung aufgebaut. 
Viel Geschick gehörte dazu, mit Wann und Wursschaufel 
das Getreide zu reinigen. Schon einfacher ging das 
mit der Wannemühle, einer Vorgängerin der späteren 
Windfege. Oie wertvollsten Stücke dieser Abteilung sind 
ein alter Holzpflug, eine mit alter Bauernmalerei ge 
zierte Schneidelade und ein Feldharken aus Holz. Die 
Räder des Pfluges haben mit ihrer uralten Speichenform 
schon als Einzelstücke Museumswert. 
Noch ein anderer Grund bewog uns zur Sammlung 
alten bäuerlichen Geräts. Diese Abteilung kann uns zur 
lebendigen Vermittlerin mancher sprachlich interessanten 
Erkenntnisse werden und zeigt uns so recht die Bauern 
sprache als starke bildhafte Gestalterin. Der Bauer der 
alten Zeit stand in einer besonders innigen Verbindung 
mit seinem Arbeitsgerät, in seiner Sprache wurde es ge 
radezu zu einem persönlichen Wesen. Das zeigt sich be 
sonders deutlich am alten Holzpflug. Der hintere Teil 
des Pfluges heißt in einem unserer Dörfer Stert, sein 
Nebenarm der „Hülper" (Helfer)- der „Grengel" (Holz 
verbindungsstück mit dem Vorderpflug) ruht auf dem 
„Püll" (Pfühl). Ueber ihm befindet sich ein Holzgestell' 
der „Galgen". Vorn ist ein breites, zungenförmiges 
Holzstück, die „Schwelltunge" (Schwellenzunge). — Gut 
gewählt ist auch der Name „Schmachtharken". Wir 
schauen ihn uns an. Der Schmachtharken ist ein breiter 
Holzharken, der an einem vor der Brust hergehenden 
Querbrett gezogen wurde, in dem man sich also ein 
spannte, und der dazu diente, die letzten Ähren der abge 
ernteten Felder zusammenzurechen. Daß diese anstren 
gende Tätigkeit großen Hunger (Schmacht) verursachte, 
kann man sich denken. Auch war es oft so, daß die Ar 
beit so wenig einbrachte, daß man dabei schmachten 
(hungern) mußte. 
Leider hat man die Notwendigkeit der Sammlung 
von altem bäuerlichen Werkgerüt in vielen Museen noch 
zu wenig erkannt. Wenn wir uns aber verpflichtet füh 
len, Webstühle und Webgerät zu sammeln, haben wir 
mindestens dieselbe Verpflichtung auch dem anderen 
bäuerlichen Arbeitsgerät gegenüber. Ist nicht eine alte 
Wannemühle auch ein schönes Museumsstück, besonders 
dann, wenn es sich um eine mit Holzräderwerk und Holz- 
sederung handelt! Außerdem ist es höchste Zeit zur Sicher 
stellung dieser Dinge. Vieles hat der Holzwurm schon 
erledigt, das andere beseitigen die überall einsetzenden 
Entrümpelungen. — Zur Vervollständigung der Abtei 
lung haben wir auch eine Schuhegge und eine Holzegge 
mit formschönen handgeschmiedeten Zähnen mit hinein 
genommen. Mögen beide auch noch hier und da im Ge 
brauch sein, so nimmt ihre Zahl doch immermehr ab. 
Auch ein schweres Haferheck, handgeschmiedete Forken 
und Misthaken und zwei Fruchtmaße mit großen wal- 
deckschen Eichstempeln beherbergt unsere Geräteabteilung. 
Das obere Stockwerk des Steinhauses enthält eine 
vollständig eingerichtete Bauernstube und ein Bieder 
meierzimmer. Die in ihnen enthaltenen Gegenstände sind 
so harmonisch aufeinander abgestimmt, und die gesamte 
Raumaufstellung ist so gut gelungen, daß man sich sofort 
heimisch in ihnen fühlt und garnicht das Gefühl hat, sich 
in einem Museum zu befinden, sondern in einer Privat 
wohnung, die der Besitzer nur gerade für einen Augen 
blick verlassen hat. Neben einzelnen schönen Möbeln be 
merken wir im Biedermeierzimmer ein sehr wertvolles 
Qlgemälde. Es stellt den Fürsten Friedrich von Waldeck 
dar, der am Ende des 18. Jahrhunderts regierte und ist 
wahrscheinlich von dessen Hofmaler August Tischbein ge 
malt. 
Eine besondere Trachtenschau aufzubauen, war aus 
Raummangel nicht möglich. Auch hat bei uns in Wal 
deck die Tracht fast nur noch rein geschichtliche Bedeu 
tung. Um aber den Besuchern auch hierin einen gewissen 
Einblick zu verschaffen, sind eine Anzahl kleiner Trach 
tenpuppen in anschaulicher Weise zu einem Brautzüge 
Zusammengestellt. — Vitrinen und Schaukästen beherber-
	        
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