Full text: Hessenland (49.1938)

meister wurde. Er trat zum katholischen Bekenntnis 
über und war dadurch am kaiserlichen Hofe sehr beliebt. 
Im Vertrauen darauf suchte er sich zum reichsunmittel 
baren Herrn von Auburg zu machen. 
Zunächst bedrückte er die ihm unterstellten hessischen 
Bewohner des Amtes Auburg in der schlimmsten Weise, 
und als diese sich bei der Regierung in Kassel beschwer 
ten, ließ er die an ihn ergangenen Befehle der hessischen 
Negierung unbeachtet, ging sogar soweit, den hessischen 
Kommandanten auf Schloß Auburg, Hauptmann Kusel, 
zu verhaften. Hessischerseits wollte man daraus die auf 
dem Schlosse liegende Garnison verstärken. Dem wider 
setzte sich von Cornberg und erhob nun den Anspruch, er 
sei Nachfolger der Grafen von Diepholz, sei demnach 
reichsunmittelbar und besitze die volle Landeshoheit im 
Amte Auburg. Durch seine Beziehungen zum Wiener 
Hofe, bei dem ihm sein Neligionswechsel zustatten kam, 
gelang es ihm, mehrere kaiserliche Mandate zu seinen 
Gunsten zu erwerben, namentlich ein mandatum de milite 
ubducendo, wodurch dem Landgrafen Karl aufgegeben 
wurde, seine hessische Garnison von Schloß Auburg weg 
zunehmen. Landgraf Karl setzte sich aber kräftig zur 
Wehr, brachte die Sache vor das Neichskammergericht 
und es gelang ihm, obzusiegen. Mit anerkennenswerter 
Schnelligkeit fällte das Neichskammergericht bereits am 
16. Dezember 1702 ein Urteil, durch das von Cornberg 
mit allen seinen Ansprüchen, namentlich dem der Neichs- 
unmittelbarkeit, abgewiesen wurde. 
Nun drehte Landgraf Karl den Spieß um. Er berief 
gegen von Cornberg wegen Verletzung der ihm obliegen 
den Lehenspflicht ein sogenanntes Manngericht, welches 
hessischerseits aus dem waldeckischen Landdrosten und 
Hofrichter von Gaugreben, dem kurbraunschweigischen 
Schatzrat Odomar von Dodenhausen und dem hessischen 
General von Schenk zu Schweinsöerg bestand. Dem von 
Cornberg wurde überlassen, auch seinerseits eine ent 
sprechende Anzahl Mitglieder des Manngerichts zu er 
nennen. Er unterließ das aber, suchte vielmehr einen 
Spruch des Gerichts auf allerlei Art zu verhindern. Das 
mißlang ihm aber. Durch Urteil des Manngerichts vom 
23. März 1706 wurden von Cornberg seine hessischen 
Lehen aberkannt und dem Landgrafen von Hessen als 
Lehensherrn wieder zugewiesen. Dies Urteil kam aber 
erst im Jahre 1711 zur wirklichen Vollziehung. August 
Wilhelm von Cornberg, dem übrigens in Wien aus mir 
nicht bekannten Gründen durch Urteil vom 21. Juli 1705 
seine Stelle als Generalfeldwachtmeister aberkannt wor 
den war, starb in Wien am 28. Juli 1721, ohne aus 
seiner Ehe mit einer Gräfin Dohna Kinder zu hinter 
lassen. 
Die Familie von Cornberg suchte nun die Belehnung 
mit Auburg wiederzuerlangen. Landgraf Karl erkannte 
an, daß die Familienmitglieder an dem Vorgehen Au 
gust Wilhelms von Cornberg unbeteiligt gewesen seien. 
So kam es am 27. April 1729 zu einem Vergleich, wo 
nach die von Cornberg dem Landgrafen Karl Auburg 
und Wagenseld abtraten, dagegen aber mit den in der 
hessischen Grafschaft Schaumburg gelegenen Dörfern 
Hattendorf, Kathrinhagen, Nehren, Börstel, Rannenberg 
und Qhlbergen belehnt wurden. Es wurde dabei aus 
gemacht, daß die Landgrafschaft Hessen nach drei Jahren 
einen Tausch eintreten lassen dürfe. Daraufhin erhiel 
ten die von Cornberg durch Vergleich vom 30. Septem 
ber 1733 Uchte und Wagenfeld, die Landgrafschaft Hessen 
aber die genannten schaumburgischen Dörfer Zurück. 
Das Amt Auburg war übrigens recht unbedeutend. 
Es bestand neben dem Schlosse Auburg nur aus dem 
einem Dorfe Wagenfeld, das aus vier Quartieren: 
Vogel, Neustadt, Vorlingen und Haßlingen gebildet 
wurde, die etwa 250 einzelne, sehr zerstreut liegende 
Bauernhöfe umfaßten. Auburg hatte aber deshalb 
einen besonderen Wert für Hessen, weil das Schloß eine, 
wenn auch kleine, Festung darstellte. Die Garnison 
bestand im Frieden nur in einer Kompanie, die von der 
Festung Rinteln dorthin abkommandiert und in bestimm 
ten Zeitabschnitten abgelöst wurde- in der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts lag nur noch eine kleine Abteilung 
Invaliden vom Invalidenregiment Carlshafen auf 
Schloß Auburg. Als Kommandant fungierte ein Haupt 
mann. 
Bei der Ablösung der Garnison mußte diese auf ihrem 
Marsche von oder nach Rinteln durch braunschweigisches 
Gebiet marschieren. Das führte gelgentlich zu unange 
nehmen Zwischenfällen. Über einen solchen berichten uns 
die Akten des Staatsarchives in Marburg: 
Im Jahre 1660 wurde das bis dahin 70 Mann starke 
Kommando auf Auburg auf 30 herabgesetzt- die übrigen 
40 Mann sollte der Fähnrich v. Zerbsky nach Rinteln 
zurückführen. Er war aber nicht bei der Truppe geblie 
ben, die ohne Aufsicht in einem braunschweig-lüneburgi- 
schem Dorfe allerlei Erzesse beging. Durch einen Schuß 
war ein Haus in Brand gesteckt worden, ein Soldat 
hatte Gänse gestohlen und den Gänsehirten mißhandelt, 
andere hatten einen Wagen requiriert, ohne dafür zu 
bezahlen. Das Ende vom Lied war, daß die Bauern 
sich zusammentaten, die Soldaten verprügelten und drei, 
darunter den Günsedieb, gefangennahmen. Das Urteil 
der Landgräsin Hedwig Sophie war streng. Der Fähn 
rich von Zerbsky wurde zum Gefreiten, drei Unteroffiziere 
zu Gemeinen degradiert, die drei in die Hände der 
Bauern gefallenen Soldaten mußten viermal Spießruten 
laufen und einem weiteren, der seinen Unteroffizier tät 
lich angegriffen hatte, wurde durch den Scharfrichter der 
Degen zerbrochen und er dann als ehrloser Schelm durch 
den Scharfrichter aus der Stadt hinausgewiesen. 
Um das Jahr 1790 wurde das Schloß Auburg als 
Festung ausgegeben. 
Mährend der Zeit des Königreichs Westfalen gehörten 
die drei Ämter Uchte, Freudenberg und Auburg zu die 
sem. Als aber 1810 der nördliche Teil des Königreichs 
dem französischen Kaiserreich einverleibt wurde, traf dies 
auch die drei Ämter. Sie blieben französisch bis 1813, 
wo sie- wieder an Kurhessen Zurückfielen. 
Bei der dann nach der Befreiung Deutschlands von 
der französischen Herrschaft eintretenden Neuordnung 
der Gebiete der deutschen Staaten trat Kurhessen durch 
den Vertrag vom 16. Oktober 1815 die drei Ämter 
Uchte, Freudenberg und Auburg an Hannover ab, mit 
dem sie 1866 an Preußen fielen. Durch die mehr als 
hundertjährige Zugehörigkeit zu Kurhessen sind aber aller 
lei Beziehungen hessischer Familien zu jenen ferngele 
genen Gebieten entstanden, die jetzt bei der nötig gewor 
denen Nachforschung nach den Vorfahren wieder von 
neuem aufleben. 
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